Kirche

Die geteilte Hoffnung

Grenzerfahrungen eines Seelsorgers: Klaus-Peter Vosens lesenswerte Überlegungen über die Begleitung Sterbender. Von Maria Palmer
Der lächelnde Christus verkörpert die Hoffnung auf die Auferstehung.
Foto: Quelle | Der Tod hat nicht das letzte Wort: Der lächelnde Christus verkörpert die Hoffnung auf die Auferstehung. Burgkapelle von Javier in Nordspanien.

Seelsorge soll Antworten geben, wo für gewöhnlich Sprachlosigkeit regiert. Zum Beispiel am Sterbebett. In der Regel gelingt das auch ganz gut, denn da ist der Glaube an Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist. Greift man auf diese Antworten zurück, wird man zunehmend routinierter im Umgang in Grenzsituationen. Aber was geschieht, wenn jemand, den wir lieben, uns ganz persönlich fragt? Wenn das schützende Gerüst der Routine wegbricht und jemand, der uns nahe steht, von uns hören will, was wir glauben?

Klaus-Peter Vosen, leitender Pfarrer in der St. Antonius Gemeinde in Wuppertal-Barmen stand 2015 vor dieser Aufgabe. Seine Mutter, die auf vieles verzichtet hatte, um ihm das Theologiestudium zu ermöglichen, die zehn Jahre lang mit ihrer Krankheit zu kämpfen hatte, wollte angesichts des Todes von ihrem Sohn, der nun schon seit 27 Jahren Priester war, wissen, wie das denn nun sei mit dem ewigen Leben. Die eigene Mutter kann man schlecht anlügen und mit Ausreden kommt man auch nicht weiter. Vor allem dann nicht, wenn es um die letzten, entscheidenden Dinge geht.

Vosen merkte an dieser Stelle: Das Katechismuswissen, auf das er zurückgriff, tröstete und stärkte nicht, wohl aber das persönliche Wort, die geteilte Hoffnung, dass die Mutter nach dem Tod den Vater wiedersehen würde. Aus der Situation der Hilflosigkeit, der Frage, ob er, Vosen, denn mit seinem eigenen Leben bestätigen könne, was er verkünde, entstand eine neue, tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben und Tod. Die Frucht dieser Relecture der Heiligen Schrift und der Beschäftigung mit prägenden Gestalten der Kirchengeschichte wie dem Apostel Paulus, der heiligen Theresia von Lisieux oder Schwester Paschalina Lehnert und ihrem Umgang mit dem Tod, der das Tor zum neuen, ewigen Leben bildet, ist der vorliegende Band, in dem der Autor die Leser in neun Kapiteln an seinen Reflektionen teilhaben lässt. Vosen geht dabei von der dem Menschen eingeprägten Ebenbildlichkeit aus, die nicht verloren geht, weil Gott uns beim Namen ruft. Er erinnert an die Liebe und Gerechtigkeit Gottes; die Auferstehung Jesu präsentiert aber auch die subjektiven, berührenden Momente der Gewissheit des ewigen Lebens, die er Herzensgründe nennt und öffnet das Begegnungsgeschehen der Kommunion für die Wahrnehmung der Gemeinschaft mit denen, die schon bei Gott sind.

In Vosens nachdenklichen Überlegungen konzentriert er das, was er seiner Mutter damals gerne gesagt hätte und tut, was seine Aufgabe ist: Er stärkt seine Brüder und Schwestern. Tor, nicht Tod ist ein ehrliches, nachdenkliches, wegweisendes und aufbauendes Buch. Die Lektüre lohnt sich. Jeder kann der nächste sind, der gefragt wird und Rede und Antwort stehen soll zu den Letzten Dingen.

Klaus-Peter Vosen:Tor, nicht Tod. Warum im Sterben das Leben bleibt. Media Maria, Illertissen 2018, 96 Seiten, ISBN 978-3-9454019-2-7, EUR 11,-

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