Die „Bubble“

Die „Bubble“

In einem YouTube-Video des Gebetshauses in Augsburg spricht Johannes Hartl über die „7 Fails der christlichen Community“. Hartl ist der Leiter des Gebetshauses und Organisator der MEHR-Konferenz, die gerade erst wieder auf dem Augsburger Messegelände zu Ende ging. Eine davon nennt er: „Ich lebe in einer Bubble.“ Damit kritisiert er Christen, die in einer Seifenblase leben, in der es nur Gleichgesinnte gibt. Menschen, die meine Meinung teilen und in der alles Christliche bekannt und gewohnt ist. Als Christen sollten wir aus dieser Bubble herauskommen und auch mit anderen Menschen in Kontakt treten, die zum Beispiel eine ganz andere politische Meinung haben oder mit der Kirche nicht viel anfangen können. Wenn wir uns in der Bubble verstecken, können uns Freundschaften und Erfahrungen entgehen, die wir sonst erleben würden. Ein weiterer Punkt ist die persönliche Entwicklung. Halte ich mich nur in einem katholischen Umfeld auf, fällt es mir leichter, meinen Glauben zu praktizieren. Meine Freunde ziehen mich mit in die Heilige Messe, zu Lobpreis-Abenden oder anderen Glaubensaktivitäten. Ich kann mich zurücklehnen, denn mein Umfeld erleichtert und stützt mein Glaubensleben. Das ist natürlich etwas Gutes, aber es ist unwahrscheinlicher, dass es zu einer Glaubensbewährung kommt, die zu einer tieferen und innigen Gottesbeziehung führt.

Als ich noch zur Schule ging, kannte ich zwar das Leben außerhalb der Bubble, aber ich konnte mich immer noch auf den Rückhalt meiner Familie und Freunde verlassen. Jetzt, da ich im katholischen Eichstätt Religionspädagogik studiere, muss ich sagen, dass ich bis jetzt noch keine Bubble gefunden habe. Mein Glaube wird dadurch stärker geprüft und ich bekomme sozusagen eine dickere Haut. Aber manchmal sehne ich mich doch danach. Mir würde eine Bubble gefallen, die viele Fenster und Türen hat, damit man den Zugang zur Außenwelt nicht verliert, aber trotzdem eine tolle Gemeinschaft genießen kann. Die eigene Kirchengemeinde sollte genau das sein. Ein Ort der Begegnung und des Glaubens. Offen für Besucher und Suchende. Den Bedürfnissen der Alteingesessenen Aufmerksamkeit schenken. Vor allem ein Gefühl der Heimat und Geborgenheit bieten. Pfarrer und Laien können alle Mitglieder zusammenbringen und zusammenhalten.

Ich freue mich darauf, in Zukunft für Pfarrgemeinden arbeiten zu dürfen und mich dem Traum dieser „Bubble“ zu nähern.

Die Autorin, 21, studiert Katholische Religionspädagogik in Eichstätt

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Christen Heilige Messe Religionspädagogik

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