Deutsche Bischofskonferenz

Dialog ohne missionarischen Elan

Die Arbeitshilfe der deutschen Bischöfe zur Ehepastoral tendiert zum Katholizismus light.
Liebesschlösser am eisernen Steg in Frankfurt
Foto: imago images | Sich ewige Liebe zu versprechen ist en vogue, wie die Liebesschlösser am Eisernen Steg in Frankfurt zeigen. Doch die kirchliche Trauung traut den Menschen mehr zu: Den gemeinsamen Weg mit Gott als dem Dritten im ...

Am Allerseelentag hat die Deutsche Bischofskonferenz im Nachgang des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus eine weitere Arbeitshilfe für die Ehepastoral herausgegeben. Sie trägt den Titel „Eine Liebe – unterschiedliche Weltauffassungen und Glaubensentscheidungen. Impulse zur Ehepastoral bei Paaren mit einem/einer nicht gottgläubigen, religiös indifferenten oder konfessionslosen Partner/Partnerin“. Die achtseitige Arbeitshilfe schlägt dabei eine Stoßrichtung im Sinne von „Amoris laetitia“ vor.

Der Inhalt in Kürze: Der Text beginnt mit der Situationsbeschreibung religionsverschiedener Paare in der Ehevorbereitung, bei denen der andersreligiöse Part entweder aufgeschlossen und aktiv beteiligt, passiv tolerant oder feindselig gegenüber den Wünschen des katholischen Partners sei. Es wird betont, dass die Kirche die Religion des nichtkatholischen Parts respektiere und das Vorhaben der Partner zur lebenslangen Treue als „heiligen Boden“ betrachte. Sie bietet sich als Glaubens- und Lebensraum für Menschen verschiedener Religionen in allen menschlichen Fragen an. Die Kirche soll sich als Anknüpfungspunkt bei existenziellen Fragen begreifen. Um den Andersgläubigen den Einstieg zu erleichtern, schlägt die Arbeitshilfe den Geistlichen einen unbefangenen Umgang und eine Betonung des Verbindenden zwischen den Religionen vor. Pastorale Angebote speziell für religionsverschiedene Brautpaare sollen gefördert werden.

Für die Trauung wird angeregt, Gestaltungswünsche der Brautleute mit den bisherigen liturgischen Handlungen zu verbinden, um der „Sorge vor Vereinnahmung“ vorzugreifen und Ehrlichkeit sowie Authentizität zu erzielen. Die Kirche soll sich verstehen als Wegbegleiterin in universalen Lebensfragen und eine Willkommenskultur in Glaubensfragen pflegen, insbesondere mit einem Angebot für Andersgläubige, die eine Weiterbildung im katholischen Glauben aus Interesse an ihrem gläubigen Partner wünschen. Diese Angebote sollen nicht nur für die Ehevorbereitung gelten, sondern auch im Laufe des Ehelebens an Knotenpunkten des (sakramentalen) Lebens.

Erziehung der Kinder zum christlichen Glauben?

Gewiss muss pastorale Begleitung die plurale Gesellschaft ins Auge fassen und dementsprechend einüben in das Zusammenleben verschiedener Religionen. Der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Heiner Koch, sagt: „Wir müssen die komplexe Realität dieser Paare wahrnehmen und ihnen zu erkennen geben, dass sie in der Kirche erwünscht sind.“ Doch ist das genug? Darf die Kirche sich begnügen mit offenen Armen ohne klare Orientierung? Es liegt die übergroße Sorge der Vereinnahmung vor. Der katholische Publizist Terry Barber schreibt einmal sinngemäß: Wir leben in einer pluralistischen, säkularen Gesellschaft, in der Jesu Anspruch, der Weg, die Wahrheit und das Leben zu sein, dem Vorwurf der Intoleranz zum Opfer fällt, weshalb sich viele in der Evangelisierung den Schuh nicht anziehen möchten. Aber kann eine solche Zurückhaltung des kirchlichen Selbstverständnisses geistlich fruchtbar für die religionsverschiedenen Brautleute auf dem Weg zur Ehe sein?

Die Grundausrichtung an Amoris Laetitia geht nicht ganz auf: Papst Franziskus kritisiert zwar eine abstrakte theologische Theorie von Ehe. Zugleich verweist er in der Ehevorbereitung sowohl auf „spirituelle Ressourcen“ als auch auf „Inkarnation“ derselben in ihrer konkreten Vermittlung. Auch er betont das zentrale Anliegen des interreligiösen Dialogs bei religionsverschiedenen Ehen, spricht sich jedoch entscheidend für ein klares Bekenntnis der Kirche aus: „In solchen Fällen ist es notwendig, zu bezeugen, dass das Evangelium sich auf diese Situationen einlassen kann, um die Erziehung der Kinder zum christlichen Glauben zu ermöglichen.“ Damit liegt er ganz auf der Linie des Kirchenrechts, welches vorschreibt, dass der katholische Partner die Gefahr des Glaubensabfalls beseitigt und verspricht, die Kinder katholisch zu taufen und zu erziehen. Der andersgläubige Partner muss darüber informiert werden und die Zwecke und Wesenseigenschaften des Ehesakraments müssen klar dargelegt werden.

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Viel Dialog, wenig Bekenntnis

Wird der Text der deutschen Bischöfe der Zielsetzung von „Amoris laetitia“ gerecht? Es ist der Arbeitshilfe zugute zu halten, dass sie Glaubensvermittlung prinzipiell bejaht. Doch zugleich werden „allzu lehrhaft formulierte, fertige Antworten“ zurückgewiesen, da sie „das offene Gespräch über religiöse Fragestellungen“ erschweren würden. Das Interesse des nichtkatholischen Ehepartners an Glaubensweiterbildung müsse aufgefangen werden, es „sollte jedoch nicht mit Katechese verwechselt werden“. Ersticken solche Aussagen nicht die Chance im Keim? Papst Franziskus spricht in „Amoris laetitia“ über die Aufnahme eines „pastoralen Dialogs“ mit Menschen, die in Sünde verstrickt sind. Entscheidend sei, dass die Menschen sich durch diese dialogische Herangehensweise besser öffnen würden für die klar zu vermittelnde Botschaft des Evangeliums. Dagegen weist die Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz die Tendenz auf, im Dialog steckenzubleiben, und birgt das Risiko, sich auf dem pluralistischen Markt der Angebote zu verlieren.

Insgesamt sind in der Arbeitshilfe hilfreiche Impulse enthalten, die zugleich auf viel Zurückhaltung treffen. Wenig Bekenntnis, dafür viel Dialog und Willkommenskultur. Man bekommt den Eindruck, dass sich die Kirche mit einem absoluten Minimum zufriedengeben darf.

Letztendlich steckt die grundsätzliche Frage dahinter: Wie viel Bekenntnis passt ins postmoderne Christentum? Mit Blick auf die Orte in der Welt, an denen geistliche Aufbrüche zu beobachten sind, wäre mehr Bekenntnis und mehr Wesentlichkeit geboten! Auch in der Ehepastoral darf die Kirche nicht der Versuchung erliegen, dem postmodernen Menschen – mit den Worten George Weigels – einen Katholizismus light anzubieten. Dies stoße auf wenig Begeisterung, eher auf ein unterdrücktes Gähnen, so Weigel in einem Artikel in „First things“. Gewiss ist es stets eine Gratwanderung zwischen selbstbewusster Strahlkraft und Vereinnahmung, doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wer es nicht einmal versucht, hat schon verloren.

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