Kirche

Der Papst wählt acht Kardinäle als Berater aus

Franziskus am Paulus-Grab: Die Kirche muss glaubwürdig sein. Von Guido Horst
Besuch von Papst Franziskus in der  Basilika St. Paul vor den Mauern
Foto: dpa | Zum ersten Mal besuchte Papst Franziskus die Basilika St. Paul vor den Mauern.

Rom (DT) Einen guten Monat ist Papst Franziskus im Amt und allmählich zeichnen sich „Kuren“ ab, die der erste Nachfolger Petri aus Lateinamerika der römischen Kirche verordnen möchte. Am Samstag teilte das vatikanische Staatssekretariat mit, dass der Papst eine aus acht Kardinälen bestehende Kommission einberufen hat, die ihn bei einer möglichen Reform der Kurie beraten soll. Nur einer dieser Kardinäle wirkt im weiteren Sinne im Vatikan: Giuseppe Bertello, der Präsident des Governatorats, der Verwaltung des Vatikanstaats. Eigentliche Mitarbeiter der römischen Kurie sind nicht in der Gruppe, stattdessen verteilen sie sich auf alle fünf Kontinente. Europa ist durch den Münchener Kardinal Reinhard Marx vertreten. Koordinator der Kommission ist der honduranische Erzbischof Kardinal Oscar Andres Maradiaga Rodriguez. Als Sekretär fungiert der Bischof des italienischen Albano, Marcello Semeraro. Zum ersten Mal soll sich die Gruppe vom kommenden 1. bis 3. Oktober zusammensetzen.

Der Papst kommt damit einem Wunsch der Kardinalsversammlungen vor dem Konklave, der sogenannten Generalkongregationen nach, heißt es in der Mitteilung des Staatssekretariats. Die Kommission solle „das Projekt einer Revision der Apostolischen Konstitution ,Pastor Bonus‘“ erörtern. Mit diesem päpstlichen Erlass hatte Johannes Paul II. 1988 die römische Kurie neuorganisiert und ihr die heutige Gestalt gegeben. Neben Bertello, Maradiaga und Marx gehören der Kommission Kardinal Francisco Errazuriz Ossa an, der emeritierte Erzbischof von Santiago de Chile, sowie die Kardinäle Oswald Gracias, Erzbischof von Bombay, Laurent Monswengo Pasinya, Erzbischof von Kinshasa, Sean Patrick O'Malley, Erzbischof von Boston und George Pell, Erzbischof von Sydney. Die Kardinalskommission soll den Papst nach den Worten von Vatikansprecher Federico Lombardi SJ auch bei der Leitung der Weltkirche beraten. Sie habe jedoch keine Entscheidungsbefugnis, meinte Lombardi am Samstag vor Journalisten. Die Kommission sei ein „Signal“ des Papstes an die Kardinäle. Franziskus habe mit diesem Schritt zeigen wollen, dass er die Vorschläge aus dem Kreis der Kardinalsversammlungen vor dem Konklave aufgenommen habe.

Mit einem feierlichen, aber nicht durch besondere Gesten oder Gäste geprägten Gottesdienst hat Papst Franziskus am Sonntagnachmittag die Päpstliche Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Besitz genommen und zu Beginn der Messe vor dem Grab des Völkerapostels gebetet. Am Mittag waren wieder an die hunderttausend Menschen zum „Regina Coeli“ mit Papst Franziskus auf den Petersplatz gekommen. In seiner Predigt am späten Nachmittag ging Franziskus von dem Auftrag Jesu an Petrus aus, seine Herde zu weiden, und von den Worten des Herrn: „Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst“. Das sei ein Wort, „das vor allem an uns Hirten gerichtet ist“, so der Papst. „Man kann die Herde Gottes nicht weiden, wenn man nicht akzeptiert, vom Willen Gottes auch dahin geführt zu werden, wo man nicht hin will, wenn man nicht bereit ist, Christus mit der Hingabe des eigenen Selbst ohne Einschränkungen und ohne Berechnungen zu bezeugen, manchmal auch um den Preis des eigenen Lebens.“

Im großen Plan Gottes, fuhr der Papst fort, sei jedes Detail wichtig, „auch dein, auch mein kleines demütiges Zeugnis, auch das verborgene dessen, der in Einfachheit seinen Glauben im Alltag der Beziehungen in Familie, Arbeit und Freundschaft lebt“. „Es gibt die Heiligen des Alltags“, so Franziskus, die „verborgenen“ Heiligen, eine Art „Mittelklasse der Heiligkeit, zu der wir alle gehören können“. Doch „in verschiedenen Teilen der Welt gibt es auch die, welche wie Petrus und die Apostel für das Evangeliums leiden; die ihr Leben hingeben, um Christus treu zu bleiben, und dieses Zeugnis mit ihrem Blut bezahlen.“ Bereits beim Gebet des „Regina Coeli“ am Mittag hatte Papst Franziskus darum gebeten, für die verfolgten Christen in der Welt zu beten.

Der Papst rief dann dazu auf, das Evangelium Jesu mit dem Zeugnis des eigenen Lebens zu verkünden. Abweichend vom Redemanuskript fügte er ein Zitat des heiligen Franz von Assisi ein, der zu seinen Mitbrüdern gesagt hatte: „Verkündet das Evangelium – wenn es sein muss, auch mit Worten. „Die Inkohärenz bei den Gläubigen und bei den Hirten zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie tun, zwischen dem Wort und der Lebensweise untergräbt die Glaubwürdigkeit der Kirche“, mahnte Franziskus.

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