Kommentar um "5 vor 12"

Den geschlossenen Kirchen folgen die kalten Kirchen

Es ist keine gute Idee, Kirchen einfach nicht oder nur wenig zu heizen. Klugheit statt Ideologie wäre in Energiefragen ein Fortschritt.
Heizen in der Kirche
Foto: Sebastian Gollnow (dpa) | Heizen in der Kirche soll in diesem Winter ausfallen. Symbolbild: Heizungssteuerung in einer Kirche.

Den Kirchen droht ein kalter Winter. Das ist zwar vor allem dem gesellschaftlichen Klima geschuldet, aber weil zudem gerade die Energie knapp ist, sollen dem Wunsch deutscher Bischöfe zu Folge die Kirchengebäude tatsächlich kalt bleiben. Heizungen in den Kirchen, so die Nachricht, sollen deutlich heruntergedreht werden oder ganz aus bleiben. Bei hinreichend niedrigen Temperaturen wird dann aus der heiligen Nacht erneut eine eilige Nacht werden. Entsprechend lauwarm sind die offiziellen kirchlichen Empfehlungen, man solle sich einfach wärmer anziehen. Warm anziehen werden sich dann wohl im kommenden Jahr die Kirchenstatistiker, wenn nach einem ungeheizten Kältewinter die sonntägliche Kirchbesucherzahl die Zwei- Prozent- Grenze nach unten durchstoßen hat.

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Nicht geschlossen aber kalt

Nach zwei Coronajahren mit teilweise geschlossenen oder nur zahlenmäßig begrenzt zugänglichen Kirchen folgt jetzt ein Kältewinter mit ungeheizten Kirchen, der dann auch die letzten willigen Kirchgänger noch abschreckt. Eine in Deutschland im Gegensatz zu Österreich nicht wieder eingeführte Sonntagspflicht in den meisten Diözesen macht es sogar moralisch möglich, sich den kalten Kirchen zu entziehen. Wie man danach eine Sonntagspflicht jemals wieder kommunizieren will, vermag sich selbst die kühnste Phantasie nicht vorzustellen.

Klugheit statt Mainstream

In der Tat ist es sinnvoll, sich Gedanken über Energieeinsparungen zu machen. Das gilt nicht nur, wenn das Gas gerade knapp ist. So weit, so schlecht. Nun bleiben die Dome in den Bistumsstädten unerleuchtet und kalt. Warum schließt man sie nicht gleich ganz? Tatsächlich könnte man in Städten mit drei oder mehr Kirchen auf engstem Raum, den Betrieb auf eine Kirche reduzieren. Diese könnte man auf einer erträglichen Temperatur halten. Kommt alle zu mir, die zittern und frieren müsst!

Ein intelligentes, nachhaltiges und vor allem langfristiges Gebäude- und Energiemanagment wäre eine wirklich gute Idee. Es wäre in jedem Fall besser, als mal wieder erneut ganz oben auf dem Kamm einer Zeitgeistwelle zu reiten. Mit Vernunft könnte man nämlich zugleich den Großmüttern die tödliche Lungenentzündung und dem Kirchenvorstand den finanziellen Herztod ersparen. Die gegenwärtig gewählte Lösung der deutschen Diözesen führt in diesem Winter zu kalten und im kommenden zu überflüssig gewordenen Kirchengebäuden. Klug geht wahrlich anders. 

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Peter Winnemöller Bischöfe Diözesen Energiekrisen Ideologien

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