Bruder Klaus lebensnah zu Gehör gebracht

In unserer vielfältigen Medienlandschaft wurde das Hörbuch wieder entdeckt. Als es das Massenmedium Fernsehen noch nicht gab, entwickelte der Hörfunk immer neue Hörerlebnisse, besonders in abwechslungsreichen Hörfolgen oder Features, die versuchten, durch eine eigene Gestaltung des Inhalts und unter dem Einsatz akustischer Mittel beim Hörer bildliche Vorstellungen zu erwecken. Diese Form, die sich besonders für Biographien eignet, ist in Hörbüchern wieder aufgegriffen worden.

Über Niklaus von Flüe (1417–1487) ist eine solche Hörbiographie erschienen, in dem sein Lebenslauf verbunden wird mit seiner „inneren Biographie“ beziehungsweise mit seinem Weg, den er ausrichtete am Willen Gottes. Das Hörbuch ist klar gegliedert: Nach Darstellung der äußeren und inneren Biographie mit eingestreuten Dokumenten aus dem Leben dieser schwer zu erfassenden und beeindruckenden Persönlichkeit folgen seine so genannten „Visionen“ und am Ende die Kirchenbucheinträge aus Sachseln. Das Leben des Familienvaters, Politikers, Pilgers und schließlich Einsiedlers wird lebensnah zu Gehör gebracht. Für wichtige Ereignisse aus seinem Leben werden Dokumente, vor allem von ihm verfasste Schriftstücke zitiert.

Der Weg auf der Suche nach Gott, die innere Biographie, wird in kleinen, eindrucksvollen Schritten nachgezeichnet und führt konsequent zum Höhepunkt dieses ungewöhnlichen Lebens: Er findet und verkündet Gott durch ständiges Fragen nach dem, was er von ihm erwartet und versucht, ihm gerecht zu werden. Während seines Einsiedlerdaseins, das er im Auftrag Gottes auf sich genommen hat, entzieht er sich der Welt nicht vollständig, sondern übernimmt politische Aufträge, mit denen man an ihn herantritt. Dabei weiß er sich immer dem Frieden verpflichtet, weil er seinen persönlichen Frieden in Gott gefunden hat. Er bemüht sich, diesen Frieden zu leben, indem er seinen Mitmenschen zuhört und auf sie hört, weil Gott aus ihnen sprechen könnte. In einem Dankesbrief an den Rat der Stadt Bern, die eine Spende für die Kaplaneistiftung im Ranft gegeben hatte, sagt er darüber: „Gehorsam ist die größte Ehr, die es im Himmel und auf Erden gibt. Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid, und Weisheit ist das Allerliebst deswegen, weil sie alle Dinge zum Besten anfängt. Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried, und Fried mag nicht zerstört werden.“ Niklaus konnte sich loslassen und ganz in die Hand Gottes übergeben. Dazu hat wesentlich seine Frau Dorothea beigetragen, die ihn nicht festgehalten hat, sondern seinem von Gott geführten Weg zustimmte und damit „ihrem Gatten zum zweiten Mal ihr Ja-Wort“ gab.

Das Hörbuch ist abwechslungsreich gestaltet. Der Text von Lothar Emanuel Kaiser, einem erfahrenen Pädagogen und Volkskundler, verteilt sich auf verschiedene Stimmen, wobei der schweizerische Sprachklang wesentlich zum Einhören und Erfassen der Atmosphäre beiträgt. Die Musikeinlagen dienen als Gliederungssignale der einzelnen Abschnitte. Beim Übergang vom biographischen Teil zu den Visionen sind erst die Glocken aus der Kirche von Sachseln zu hören und dann ein Orgelwerk aus der Klosterkirche von Einsiedeln, vorgetragen von Pater Theo Flury, Benediktiner der Abtei Maria Einsiedeln, der eigene Kompositionen zu Gehör bringt. An dieser Stelle verdrängt die Musik das Wort, so dass die Wiederaufnahme des Hörens erschwert wird. Die Zwischenmusiken komponierte Hans Zihlmann, erfahrener Dirigent und Musikschaffender in der Schweiz. Er führt auch ein Glasharfenensemble ein, dessen eigenartiger Klang dem gesprochenen Text unterlegt ist und ihn vertieft.

Das Beiheft enthält ergänzende Informationen und den vollständigen Text des Hörbuches. Es ist mit eindrucksvollen Bildern aus dem Leben von Niklaus von Flüe ausgestattet und wird durch weiterführende Literatur bereichert. Es entsteht ein anschauliches Bild dieses standhaften, kantigen und zugleich sensiblen Heiligen, der sich Gott bedingungslos anvertraute und seinen Weg zielstrebig gegangen ist, bis er einging in den ewigen Frieden.

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