Bild des Christentums: Bestsellerautor Lütz: Bild weitgehend durch Klischees geprägt

Weitgehend durch geschichtliche Klischees geprägt ist das Christentum nach Ansicht des Bestsellerautors Manfred Lütz Darin sieht er eine existenzielle Frage unserer Gesellschaft.
Lütz über das Bild des Christentums
Foto: Elisabeth Schomaker (KNA) | Theologe Manfred Lütz am 7. Dezember 2016 in Bonn.

Das Bild des Christentums ist nach Ansicht von Bestsellerautor Manfred Lütz weitgehend durch geschichtliche Klischees geprägt. Viele Christen schämten sich oft „sicherheitshalber“ für ihre Geschichte, ohne sie wirklich zu kennen, sagte Lütz am Mittwochabend in Berlin. Er sieht darin eine „existenzielle Frage unserer Gesellschaft“, weil dadurch auch die positiven Errungenschaften des Christentums infrage gestellt würden. Ohne diese Grundlagen bleibe auch unklar, in welche Gesellschaft eine Integration stattfinden solle.

Deshalb seien „Aufklärung und Allgemeinbildung“ dringend notwendig. Der Psychiater, Theologe und Publizist stellte am Mittwochabend sein neues Buch „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ vor. Er verfasste die Kirchengeschichte gemeinsam mit dem renommierten Münsteraner Kirchenhistoriker Arnold Angenendt. Das Werk wendet sich besonders Brennpunkten zu wie den Kreuzzügen, der Hexenverfolgung oder der Inquisition, aber auch aktuellen Themen wie dem Missbrauchsskandal.

Lütz verwies etwa auf die Bedeutung der Lehre vom Einen Gott, die zu einer Gleichwertigkeit aller Menschen und einer Abschaffung der Sklaverei geführt habe. Als weitere Beispiele nannte er die Einführung von Mitleid, Barmherzigkeit und Toleranz in die Gesellschaft.

Nach den Worten des Linken-Politikers Gregor Gysi gäbe es ohne Religion „kein Nachdenken über moralische Fragen wie Barmherzigkeit, Nächsten- oder Feindesliebe“. Gysi befürwortete auch, dass sich die Kirchen - bei aller Trennung von Kirche und Staat - politisch einmischten. „Wenn vor Gott alle Menschen gleich sind, dann muss das die Kirchen bewegen“, so der Linken-Politiker.

Einen ausführlichen Veranstaltungsbericht lesen Sie in der Ausgabe der "Tagespost" 08. März.

DT/KNA

 

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