„Auftrag jedes Getauften“

Wie die Initiative „Christus in die Mitte“ die Erneuerung des Bistums Aachen fördert – Ein Gespräch mit Renate Köhne. Von Regina Einig
Das Kuppelmosaik im Aachener Dom als Leitmotiv der Erneuerung des Bistums?
Foto: Andreas Düren | Das Kuppelmosaik im Aachener Dom als Leitmotiv der Erneuerung des Bistums? Das können sich manche Gläubige vorstellen.

Frau Köhne, welche Botschaft soll von „Christus in die Mitte!“ ausgehen?

„Christus in die Mitte!“ ist eine junge Initiative im Bistum Aachen, die neu ins Bewusstsein rufen möchte, dass Christus in Wahrheit die Mitte und das Ziel unseres Lebens ist und sich nur von Ihm her unsere Entscheidungen und Beziehungen so ordnen, dass das Leben gelingt. Wir verstehen uns als eine Sammlungsbewegung von Katholiken, die ihre persönliche Beziehung zu Jesus Christus vertiefen und die Freude am Glauben miteinander teilen möchten. Wir wollen uns gegenseitig kennenlernen, untereinander vernetzen und miteinander kooperieren, auch über manch scheinbar tiefe Gräben zwischen einzelnen Gruppierungen innerhalb der katholischen Kirche hinweg, um ein glaubwürdiges Zeugnis zu geben und noch fernstehende Menschen neu für Christus zu gewinnen. Evangelisierung ist ganz klar der Auftrag eines jeden getauften und gefirmten Christen. Sie kann nur gelingen aus einer lebendigen Beziehung zu Christus und mit vereinten Kräften. Wir möchten lernen, über die Hoffnung zu sprechen, die uns erfüllt, und wünschen uns dabei Unterstützung in Form von guter Katechese.

Was ist das Besondere daran?

Wir wollen das Rad nicht neu erfinden und brauchen das ja auch Gott sei Dank nicht. „Christus in die Mitte!“ steht klar zur Lehre der Kirche. Wir wollen nur das Unsrige dazu beisteuern, dass wir hier vor Ort, in unseren Familien, in unserer Stadt, in unserem Bistum neu Fahrt aufnehmen in Richtung Reich Gottes. Dazu möchten wir möglichst viele Gebetsgruppen, geistliche Gemeinschaften und Einzelpersonen ansprechen, die sich für eine geistliche Erneuerung im Bistum Aachen einsetzen wollen. Es ist eine große Freude zu sehen, dass sich tatsächlich viele Menschen ansprechen lassen, die ihren Glauben in ganz unterschiedlichen Formen leben und feiern. Unsere Erfahrung ist: Wenn Christus unsere Mitte ist, dann gehen gregorianischer Choral und charismatischer Lobpreis, Hochamt und Hauskreis, Anbetung und Dienst am Nächsten ganz wunderbar zusammen.

Sehen Sie den Schwerpunkt der Initiative eher im kontemplativen oder apostolisch-tätigen Apostolat?

Beides gehört zusammen. Die geistliche Erneuerung kann nur beim Einzelnen, in einer Neuausrichtung auf Christus, einer Intensivierung des Gebetslebens und einer Wiederentdeckung der Sakramente beginnen. Wer einmal Gottes Gegenwart erfahren hat, will diese Freude mit anderen teilen. Daraus erwachsen im besten Fall Motivation und Kraft zur tätigen Nächstenliebe und zur Mission. In der achten These des Mission Manifests, das eine Grundlage unserer Initiative ist, heißt es: „Mission bedeutet, den Menschen die Füße zu waschen, nicht den Kopf.“ Es geht um eine Haltung des Dienens, um die Frage: „Wie kann ich hier und jetzt dazu beitragen, dass mein Gegenüber eine Ahnung von der Liebe Gottes bekommt?“. Das ist leicht gesagt, im Alltag jedoch oft eine enorme Herausforderung, die ich nur im innerlich beständigen Blick auf Gott meistern kann. Grundsätzlich sind bei „Christus in die Mitte!“ kontemplativ und apostolisch ausgerichtete Gruppen, Veranstaltungen und Projektideen gleichermaßen herzlich willkommen.

In welcher Beziehung steht „Christus in die Mitte“ zum gegenwärtigen Gesprächsprozess im Bistum Aachen?

Wir verstehen den von Bischof Helmut Dieser angestoßenen Veränderungsprozess als Beginn einer geistlichen Erneuerung im Bistum Aachen. Diese wollen wir nach Kräften unterstützen. Unser erstes Projekt ist eine Rosenkranz-Gebetsaktion, in der wir alle dazu einladen, täglich ein Gesätzchen – zusätzlich – für die Vermehrung des Glaubens in unserem Bistum zu beten. Wir verteilen dazu kostenlos kleine, eigens geknüpfte Rosenkränze, die unser Bischof gesegnet hat. Einige von uns arbeiten auch aktiv in den gerade anlaufenden Teilprozessgruppen mit.

Was vermissen Sie derzeit im Bistum Aachen?

Es gibt allein in der Stadt Aachen etliche kleine Gebetsgruppen und Bibelkreise, die kaum voneinander wissen. Und es gibt viele, die sich Anschluss an eine Gruppe wünschen, aber nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Beichtgelegenheiten und Möglichkeiten zur Eucharistischen Anbetung zu finden, gestaltet sich vielerorts schwierig mangels Angebot und einer übersichtlichen Terminsammlung. An guter Katechese zur Beicht-, Erstkommunion-, Firm- und Ehevorbereitung herrscht allgemein großer Mangel. Im Programm einzelner kirchlicher Einrichtungen sind dezidiert christliche Veranstaltungen nur eine Randerscheinung – ganz zu schweigen von einem klaren, katholischen Profil. Kirchenräume werden immer öfter als coole location für reine Unterhaltungszwecke missbraucht, was das Gespür der Menschen für die Würde des anwesenden Allerheiligsten untergräbt. Wir träumen schon von einem Prayerfestival, einem Missionszentrum mit Gebetshaus, Katechesen, Glaubenskursen und Jüngerschaftsschule mitten in der Stadt. Schön und angemessen wäre es auch, den Gesprächsprozess durch gemeinschaftliches Gebet zu begleiten und an zentralem Ort Zeiten Eucharistischer Anbetung einzurichten; vielleicht sogar eine immerwährende Anbetung.

Hat sich die Initiative ein Ziel gesteckt?

Unser Ziel ist, dass Christus in uns selbst, in unseren Familien, in unserem ganzen sozialen Umfeld und im Bistum mehr und mehr den Platz bekommt, der Ihm gebührt: die Mitte!

www.christus-in-die-mitte.de

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