Zweite islamische Konfession

Österreich anerkennt die Aleviten als Bekenntnisgemeinschaft. Von Stephan Baier

Wien (DT) Die Aleviten sind nun in Österreich offiziell als religiöse Bekenntnisgemeinschaft anerkannt worden. Das Kultusamt im Bildungsministerium genehmigte einen Antrag des „Kulturvereins der Aleviten in Wien“ und zuerkannte die Bezeichnung „Islamisch Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IAGÖ)“. Bei allen offiziellen Dokumenten können sich die rund 60 000 in Österreich lebenden Aleviten ab sofort auch als solche deklarieren, müssen sich also nicht länger als Muslime bekennen. Das Recht auf schulischen Religionsunterricht haben sie aber erst, wenn auch die nun angestrebte Anerkennung als Religionsgemeinschaft erfolgt.

Das Ministerium hatte die entsprechenden Anträge der Aleviten zunächst mit der Begründung abgewiesen, dass es in Österreich bereits eine anerkannte „Islamische Glaubensgemeinschaft“ gebe. Der Verfassungsgerichtshof widersprach diesem Bescheid jedoch Anfang Dezember und urteilte, dass die Vorgehensweise des Ministeriums „nicht der Verfassung entspricht“.

Unter Experten, aber auch unter den Betroffenen ist umstritten, ob die Aleviten als Muslime zu sehen sind, da sie weder Imame noch Moscheen, weder eine Pilgerreise nach Mekka (Hadsch) noch den Fastenmonat Ramadan, weder eine Verhüllung der Frau noch eine Geschlechtertrennung beim Gebet kennen.

Islamische Sekte oder eigene Religion?

Ob die Aleviten tatsächlich eine islamische Konfession bilden oder eine eigene synkretistische, aber jedenfalls monotheistische Religion mit schiitischen Wurzeln, wird von mehreren Seiten heftig diskutiert.

Doch auch unter den Aleviten Österreichs gibt es starke Dissonanzen: Mit dem „Kulturverein der Aleviten in Wien“ und der „Föderation der Aleviten-Gemeinden in Österreich“ hatten zwei unterschiedliche Rechtsträger Anträge auf Anerkennung gestellt. Nachdem nun der Kulturverein mit seinem Gesuch erfolgreich war, reagierte die Föderation verhalten: Die Anerkennung durch das Ministerium sei „einerseits erfreulich und andererseits problematisch“, heißt es in einer Stellungnahme. Der Kulturverein vertrete „weder die Aleviten in Österreich, noch alle im Bundesland Wien“. Einzig der Föderation sei „innerhalb der alevitischen Gemeinschaft national sowie international die gesellschaftlich legitimierte Vertretung der Mehrheit der in Österreich lebenden Aleviten“, so Deniz Karabulut, der Geschäftsführer der Föderation.

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