Zwangsadoptionen: Kirche will aufklären

Madrid (KNA) Die Spanische Bischofskonferenz will Fälle von mutmaßlichem Kindesraub in katholischen Ordenseinrichtungen aufklären. Die einzelnen Bistümer würden angehalten, eine Dokumentation der Vorgänge zu ermöglichen und mit der Justiz zusammenarbeiten, sagte der Konferenzvorsitzende Erzbischof Ricardo Blazquez laut der spanischen Tageszeitung „La Razon“ (Mittwoch). Blazquez, Erzbischof von Valladolid, hatte sich den Angaben zufolge am Dienstag mit Vertretern der Betroffenenvereinigung „Causa Ninos Robados“ an deren Sitz in Madrid getroffen. Der Bischofskonferenz zufolge sprach Blazquez auch mit einer Ordensfrau der „Töchter der Nächstenliebe“, deren Gemeinschaft an einzelnen Fällen von Kindesraub beteiligt gewesen sein soll. Die inzwischen verstorbene Schwester Maria Gomez Valbuena wurde beschuldigt, Babys gegen den Willen ihrer Eltern zur Adoption freigegeben zu haben. Erzbischof Blazquez kündigte an, die Kirche werde „auf umfassendste Weise“ mit staatlichen Ermittlern kooperieren und „weiterhin die Familien der Betroffenen anhören“. Kinder ihren Eltern ohne deren Zustimmung wegzunehmen, sei eine „schwere Sittenwidrigkeit“. Seit 2011 werden in Spanien Vorwürfe diskutiert, kirchliche Einrichtungen hätten seit dem Staatsstreich 1936 und bis zum Tod von Diktator Francisco Franco 1975 Neugeborene von unverheirateten oder zur politischen Opposition gehörenden Frauen zur Adoption vermittelt. Den Müttern wurde demnach erklärt, ihr Kind sei bei der Geburt gestorben.

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