BISCHOF ERIC AUMONIER.

Zuerst an das Wohl des Kindes denken

Frankreich debattiert über die Homo-„Ehe“: Ein Gespräch mit Bischof Eric Aumonier von Versailles. Von Katrin Krips-Schmidt
Foto: IN | Bischof Eric Aumonier.
Foto: IN | Bischof Eric Aumonier.

Frankreichs Staatschef François Hollande will der Homo-„Ehe“ und Adoptionsverfahren für gleichgeschlechtliche Paare im kommenden Jahr den Weg ebnen. Der Gesetzentwurf zur „Öffnung der Institution Ehe für alle“ soll am 7. November im Ministerrat vorgestellt werden. Gegen die Pläne der sozialistischen Regierung regt sich Widerstand. Für den 18. November ist in Paris eine Großdemonstration gegen die Pläne der Regierung Hollande geplant. Die französische Bischofskonferenz und prominente katholische Laien haben sich klar gegen die Homo-„Ehe“ positioniert. Über das Engagement der katholischen Kirche für die traditionelle Ehe und Familie sprach Katrin Krips-Schmidt mit Bischof Erich Aumonier von Versailles.

 

Exzellenz, Sie haben eine Erklärung an die Katholiken von Yvelines abgegeben, in Bezug auf den Gesetzentwurf zur gleichgeschlechtlichen Ehe und das Adoptionsrecht homosexueller Paare. Ihre Botschaft ist mit den Worten überschrieben: „Als Bischof kann ich nicht schweigen.“ Warum können Sie dazu nicht schweigen?

Wo es um weniger wichtige Themen geht, hält man der Kirche manchmal ihr Schweigen vor. Die Ehe geht uns alle an, Christen wie Nicht-Christen. Vor allem, wenn wir meinen, dass das Gemeinwohl auf dem Spiel steht, ist es nicht nur die Pflicht der Bischöfe, sondern die aller Christen, sich zu Wort zu melden. Außerdem sind die meisten Gläubigen schockiert über das, was sie über das Gesetzesvorhaben wissen und über die Konsequenzen, die es für die Institution der Familie in unserem Land hat.

Welche Reaktionen gab es auf die Erklärung?

Zunächst einmal: die Reaktionen sind zahlreich. So gut wie alle bringen ihre Freude zum Ausdruck, dass ich mich in dieser Weise geäußert habe, dass ich die Christen dazu ermuntert habe, ihre Bürgerpflicht wahrzunehmen. Viele wollten auch wissen, wie man es konkret anstellt, sich an seinen Abgeordneten zu wenden – eine verständliche Frage, wenn man an die großen Städte denkt, in denen mehr oder weniger alle ihren Abgeordneten kennen. Andere haben ihre Argumentation verfeinert oder um mehr Auskünfte gebeten, die sie im Übrigen in den Erklärungen des Vorsitzenden der Bischofskonferenz finden können. Weitere Stellungnahmen werden aller Voraussicht nach bei der nächsten Bischofskonferenz im November folgen.

Unterstützen Sie noch andere Bischöfe?

Wir alle sind natürlich in dieser gesellschaftlichen Frage engagiert.

Sie sprechen von einer „tiefen Ungerechtigkeit“ vor allem gegenüber den betroffenen Kindern, wenn der Staat gleichgeschlechtlichen Partnern die Adoption erlaubt. Können Sie Ihre Sicht der Dinge noch etwas ausführlicher erläutern?

Ich habe diese Frage aufgeworfen, weil ich zuerst an das Wohl des Kindes denke. Natürlich braucht das Kind Zuneigung. Aber es hat auch ein Bedürfnis danach, ja ein Recht darauf, diese Zuneigung – und eine Erziehung – von einem Vater und von einer Mutter zu bekommen, die Vater und Mutter nicht nur der Bezeichnung nach sind, sondern die Mann und Frau sind. Das einem Kind willentlich vorzuenthalten ist eine Ungerechtigkeit.

„Warum will man

unbedingt etwas als Ehe bezeichnen,

was es nicht ist?“

Es gibt für Mann und Frau, die einander ergänzen, weder etwas Gleichwertiges noch einen Ersatz. Warum will man unbedingt etwas als Ehe bezeichnen, was es nicht ist?

Muss die Kirche die Grundlagen der christlichen Ehe ihren Gläubigen wieder deutlicher ins Bewusstsein bringen?

Wir können bei der Vorbereitung auf das Sakrament der Ehe auf eine lange Erfahrung zurückgreifen. In jeder Gemeinde wird diese Vorbereitung von vielen verheirateten Paaren ehrenamtlich angeboten. Zwischen ihnen und den Eheanwärtern entstehen freundschaftliche Beziehungen, in jedem Fall lernt man einander schätzen. Diese Vorbereitung bietet Gelegenheit zu einer ganz grundlegenden Katechese, und zwar nicht nur in Bezug auf die Ehe, sondern auch in Bezug auf die Grundlagen des Glaubens. Es bietet auch die einmalige Gelegenheit, den Menschen dabei zu helfen, sich der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst zu werden und zu prüfen, ob man sich wirklich aus freien Stücken entschieden hat.

Was kann der einzelne Gläubige tun, vielleicht auch in Gemeinschaft mit anderen, um die Positionen der katholischen Kirche mit Blick auf die christliche Ehe von Mann und Frau zu verteidigen?

Die Aussage, die Ehe sei durch Christus in den Rang eines Sakraments erhoben worden, ist eine Besonderheit des christlichen (katholischen und orthodoxen) Glaubens. Die Aussage wiederum, sie sei eine das gesellschaftliche Leben strukturierende Einrichtung und bestehe aus einem Paar aus Mann und Frau, ist nicht ausschließlich aus dem Munde von Christen zu vernehmen, sondern ist schlicht die Feststellung einer Tatsache. Das wird auch in offiziellen Verlautbarungen von Vertretern jüdischer und muslimischer Verbände – und selbst nicht-gläubiger Mitbürger – sehr deutlich ausgesprochen.

Gibt es einen Zusammenhang mit der Genderdebatte? Was muss die Kirche tun, um die Auseinandersetzung positiv zu beeinflussen?

Selbstverständlich. Es ist unbestreitbar, dass Kultur und Natur aufeinander Einfluss ausüben. Sagt man aber, die Kultur könnte alles am Menschen umformen, was Natur an ihm ist, dann ist das Vorspiegelung falscher Tatsachen und ideologische Rede. Unsere Geschichte sollte uns lehren, dass sich Ideologien sehr schnell verbreiten, dass sie aber Auswirkungen zeitigen, deren man sich zu spät bewusst wird und die äußerst negativ und zerstörerisch für den Menschen sind.

Zuerst an das  Wohl des Kindes denken
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