Ziel ist der Dialog auf Augenhöhe

Wie das Erzbistum Köln die Chance der Bischofssynode über die Jugendpastoral nutzen will. Von Heinrich Wullhorst

Köln (DT) Das Erzbistum Köln will genau hinhören, welche Sorgen und Nöte junge Menschen in dieser Zeit haben und den Blick darauf richten, wie Kirche ihnen helfen kann, einen guten Weg für ihr Leben zu finden. Deshalb hat man dort eine Kampagne ins Leben gerufen, die Aufschluss über die momentane Situation der Jugendlichen geben soll.

Der Anstoß zu dieser Initiative kam aus Rom. Zur Vorbereitung der von Papst Franziskus einberufenen Bischofssynode, die sich im Oktober 2018 mit dem Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ befassen wird, hatte der Vatikan Fragen zur Jugendpastoral an die Ortsbischöfe gestellt. „Zunächst waren wir durchaus überrascht, dass der Papst das Thema Jugend für die nächste Synode gewählt hat“, berichtete der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki kürzlich. Er präsentierte, gemeinsam mit dem neuen Diözesanjugendseelsorger Tobias Schwaderlapp, dem für die Berufungspastoral zuständigen Pfarrer Regamy Thillainathan und drei jungen Menschen aus einer neu eingerichteten Arbeitsgruppe das Projekt.„Papst Franziskus hat erkannt, dass die Jugendlichen auch für die Kirche die Zukunft sind“, stellte der Kardinal fest. Der Heilige Vater traue, ganz in der Tradition von Papst Johannes Paul II., den jungen Menschen etwas zu. „Wir müssen lernen, auf unsere Jugend zu setzen und ihr zu vertrauen“, machte Woelki deutlich. Deshalb habe man nach der Ankündigung der Synode zunächst einmal mit allen Jugendseelsorgern, den in der Schulpastoral Verantwortlichen und dem Bund der Katholischen Jugend gemeinsam darauf geschaut, wo die zentralen Themen der jungen Menschen sind, was sie bewegt und wie man mit ihnen in den Dialog kommen kann. Als Ergebnis aus diesen Gesprächen hat man nicht nur den angeforderten Bericht zur Lage der Jugend im Erzbistum Köln nach Rom geschickt, sondern eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die aus dem Diözesanjugendseelsorger, dem für die Berufungspastoral zuständigen Pfarrer und 15 jungen Menschen besteht.

„Unsere Aufgabe ist es zunächst, uns mit dem aus Rom angekündigten Fragebogen, der sich an die jungen Menschen richten soll, zu befassen“, berichtete Tobias Schwaderlapp. Hier habe man allerdings, nach den Erfahrungen mit dem Fragebogen, den der Vatikan zur Familiensynode entwickelt hatte, die Sorge, dass die Fragen möglicherweise etwas sperrig daherkommen. Deshalb will man im Erzbistum den Fragenkatalog „in eine verständliche Jugendsprache übersetzen“, beschreibt es Kardinal Woelki. Ergänzt werden sollen die römischen Fragen durch solche, die speziell das Erzbistum Köln betreffen und konkreten Bezug auf die jungen Menschen, die hier leben, nehmen. So will man deutlich machen: „Es geht um Euch, um Eure Zukunft. Die Kirche nimmt Euch in Eurer Verantwortung erst“, betonte der Erzbischof. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe sind sicher, dass man mit der Kampagne junge Menschen erreichen kann, die „mit der Kirche nichts am Hut haben“. Den Zugang zu den kirchenfernen Jugendlichen will man sich über das Internet und die Instrumente der Sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram erschließen. Dazu wird eine eigene Internetseite www.jugend-macht-kirche.de eingerichtet, die als Plattform für die Aktion im Erzbistum dienen soll.

Der neue Diözesanjugendseelsorger, der sein Amt am 1. Mai antreten wird, ist sicher, dass die Initiative nur Erfolg haben kann, „wenn wir von der Zielgruppe her denken“. Im Bild der Jugendlichen käme die Kirche oftmals daher wie eine alternde Filmdiva, die von allen erwarte, dass sie von selbst zu ihr kämen und sie hofierten. Sie dürfe aber keine Diva sein, sondern müsse sich vielmehr „als Weggefährtin der jungen Menschen erweisen“. Deshalb sei es umso wichtiger, dass sie sich jetzt als eine hörende Kirche zeige. „Wir wollen die Jugendlichen sprechen lassen, nicht selber senden, sondern empfangen.“ Dabei sei es wichtig, dass „wir nicht ständig meinen, Antworten auf Fragen geben zu müssen, die uns keiner gestellt hat“.

Bei der Vorstellung der Kampagne im Kölner Problemstadtteil Chorweiler kamen drei der Jugendlichen aus der Arbeitsgruppe zu Wort. Sie beschrieben, was sie von der Dialogkampagne erwarten. Die 21-jährige Helen studiert Theologie in Bonn. „Wir finden es spannend, dass wir tatsächlich dazu gehört werden sollen, was uns in unserem Leben und im Verhältnis zur Kirche bewegt“, macht sie deutlich. Die gleichaltrige, angehende Sozialpädagogin Isabell hofft darauf, im Dialog mit den Jugendlichen Wege zu finden, wie man der „zunehmend aggressiven Grundstimmung in unserer Gesellschaft begegnen und wie Kirche einen solchen Prozess begleiten kann“. Der 16-jährige Schüler Jacob wünscht sich von der Kirche Hilfe beim Blick in die ungewisse Zukunft. „Junge Menschen suchen oft nach Begleitung und Unterstützung, die ihnen die richtige Richtung für ihr Leben aufzeigt.“ Um nicht nur im eigenen Saft kirchlicher Jugendarbeit zu schmoren, wollen die Verantwortlichen die Jugendlichen in den öffentlichen Schulen und Jugendeinrichtungen dafür gewinnen, sich an der Befragung zu beteiligen.

„Die Ergebnisse des Fragebogens sollen nicht nur in die weltweite Bischofssynode eingehen, sondern im Hinblick auf die Jugend- und Berufungspastoral im Erzbistum Köln besonders ausgewertet werden“, beschreibt Kardinal Woelki das Ziel. Dabei erwartet er durchaus Antworten, die zeigen, dass es an verschiedenen Stellen eine Lücke zwischen der Lehrmeinung der Kirche und der Lebenswirklichkeit junger Menschen gibt. „Solche Positionen werden wir aufmerksam wahrnehmen und dann schauen, wie wir damit umgehen können“, erklärte der Erzbischof. Wichtig sei in jedem Fall ein „Dialog auf Augenhöhe“.

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