Wohin hohle Werte führen

Französischer Erzbischof beschwört Freiheit und Wahrheit als geistige Grundlagen Europas

Frankfurt (DT/KNA) Freiheit und Wahrheit als christliche Werte bestimmen nach Worten des französischen Erzbischofs Roland Minnerath den Geist Europas. Im traditionellen Karlsamt am Samstagabend im Frankfurter Kaiserdom betonte der Erzbischof von Dijon zugleich, zwei Extreme seien mit dem Geist Europas nicht vereinbar: die Unterwerfung unter eine einzige aufgezwungene Ideologie, die die Freiheit des Einzelnen angreife, und ein totales Vakuum an ethischen Werten und Sinn, das die Wahrheit gefährde.

„Wo Gott von der politischen Ordnung ausgeschlossen wird, wird wieder die weltliche Macht Alleinherrscher über die Menschen“, sagte der Erzbischof vor den mehr als 1 000 Teilnehmern des Karlsamtes. Heutzutage, so Minnerath, müsse man schmerzlich erfahren, wohin „Werte ohne Hintergrund“ führen könnten. Ohne christliche Verkündigung hätte Europa niemals eine Gesellschaft mit moralischer Substanz und Gemeinsinn entwerfen können. Der Erzbischof äußerte, Freiheit und Wahrheit seien Werte, die den Europäern nicht von Regierungen und Kaisern aufgezwungen werden könnten. „Der große Wunsch, die Menschen in Freiheit und Wahrheit zusammenzubringen, bedarf der Offenheit auf das Unendliche hin“, sagte Minnerath. Er hob hervor, erst das Christentum als „immerwährende Quelle“ habe aus den europäischen Völkern eine geistliche Einheit geschmiedet.

Im jährlichen Wechsel ist jeweils ein anderer europäischer Bischof Hauptzelebrant und Prediger des Karlsamtes. Der Gottesdienst, der lateinische Gesänge und Gebete aus dem 9. Jahrhundert beinhaltet, wird seit 1332 zum Gedenken an den Todestag Kaiser Karls des Großen gefeiert, der am 28. Januar 814 starb. Anno 794 hatte er eine Reichssynode nach Frankfurt einberufen und so für die erste schriftliche Erwähnung der Mainstadt gesorgt, deren Dom einst Krönungskirche deutscher Kaiser war.

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