Würzburg

Der Wochenheilige: Der selige Isidor Bakanja

Isidor erhielt diesen Namen bei seiner Taufe im Jahr 1906, im Alter von etwa 18 Jahren. Als Taufgeschenk erhielt er das braune Skapulier der Gottesmutter vom Berge Karmel. Er starb mit dem Rosenkranz in der Hand, nachdem er von wegen seines Skapuliers schwer misshandelt worden war, am 15. August 1909.

15. August: Der Wochenheilige Der selige Isidor Bakanja
Etwa zehn Jahre vor Isidors Geburt war das Kongobecken erstmals von einem Europäer, dem Briten Henry Morton Stanley, erforscht worden.

Vor 25 Jahren veröffentlichte Papst Johannes Paul II. das Nachsynodale Apostolische Schreiben Ecclesia in Africa, in dem er schrieb: „Die Liste der Heiligen, die Afrika der Kirche schenkt, eine Liste, die ihr höchster Ehrentitel ist, wird ständig länger.“ Neben anderen Afrikanern, die zur Ehre der Altäre erhoben wurden, erwähnte er darin den seligen Isidor Bakanja, einen Märtyrer aus dem Laienstand, „den ich während der Sonderversammlung für Afrika zur Ehre der Altäre erheben durfte“. Sein Gedenktag ist der 15. August, das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Isidor erhielt diesen Namen bei seiner Taufe im Jahr 1906, im Alter von etwa 18 Jahren; sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt. Er gehörte dem Volk der Mongo an und wuchs tief im Innern des Kongobeckens in einem kleinen Dorf namens Bokendela auf. Von Kindheit an musste er auf den Feldern und beim Bau von Ziegelhütten mitarbeiten, um zum Lebensunterhalt seines Stammes, der Boangi, beizutragen.

Etwa zehn Jahre vor Isidors Geburt war das Kongobecken erstmals von einem Europäer, dem Briten Henry Morton Stanley, erforscht worden. 1885 wurde das Gebiet zum „Kongo-Freistaat“ erklärt und fiel unter die Herrschaft des belgischen Königs Leopold II.

Brutale Unterjochung durch die Belgier

So kamen auch die ersten Missionare in das Land; in der Nähe von Bokendela entstand eine Missionsstation der Trappisten aus der belgischen Abtei Westmalle. Isidor nahm die christliche Botschaft an und ließ sich taufen. Als Taufgeschenk erhielt er das braune Skapulier der Gottesmutter vom Berge Karmel, das er von diesem Tag an mit großem Stolz trug; wenig später empfing er erst die Firmung und dann die Erstkommunion.

Zur selben Zeit unterjochten die Belgier die Ureinwohner des Kongobeckens mit brutaler Gewalt. Sie errichteten riesige Kautschukplantagen, auf denen diese als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, brutal misshandelt und teilweise versklavt wurden: einer der düstersten Auswüchse des Kolonialismus, der als das „Kongo-Gräuel“ in die Geschichte eingegangen ist. Auch der junge und kräftige Isidor kam auf eine solche Kautschukplantage, um dort Zwangsarbeit zu verrichten.

Die Plantagenbesitzer standen den Missionaren feindselig gegenüber, da diese eine starke menschliche Bindung zu den Einheimischen aufbauten und ihnen den Rücken stärkten, wenn diese sich der Ausbeutung widersetzen wollten. So geriet Isidor, der offen das Skapulier trug und mit den anderen jungen Leuten auf der Plantage gerne über seinen Glauben sprach, in das Visier des belgischen Aufsehers, der ihn seine Verachtung spüren ließ.

Schwer misshandelt, verstarb er an den Folgen

Als Isidor die offene Feindseligkeit nicht länger ertragen wollte und am 22. April 1909 um seine Entlassung aus der Plantage bat, kam es zu einer harten Auseinandersetzung. Der Aufseher befahl Isidor, das Skapulier abzunehmen. Als dieser sich weigerte, schlug er mit einer Peitsche auf ihn ein, an deren Enden sich Eisenspitzen befanden. Isidor wurde schwer verletzt, konnte sich kaum noch bewegen und wurde daraufhin in einer Hütte eingeschlossen, die zum Räuchern von Kautschuk diente.

Hier entdeckte ihn drei Tage später ein anderer Plantagenmitarbeiter. Isidor konnte fliehen und schleppte sich in die Sümpfe, wo er schwer verwundet lag bis ein deutscher Geologe ihn entdeckte und in sein Haus aufnahm, wo er jedoch nichts mehr für ihn tun konnte, da Isidor sich bereits eine Blutvergiftung zugezogen hatte. Bevor er seinen schweren Verletzungen erlag, kamen zwei Missionare, um ihm die Sterbesakramente zu spenden. Er starb mit dem Rosenkranz in der Hand, nachdem er seinen Peinigern vergeben hatte, am 15. August 1909.

Isidors Glaubenszeugnis inspirierte viele seiner Stammesgenossen, den Glauben anzunehmen; etwa 4 000 Menschen baten in den Jahren unmittelbar nach seinem Martyrium um die Taufe.  Seine sterblichen Überreste wurden 1917 nach Bokote unweit seines Heimatdorfes – heute in der Demokratischen Republik Kongo gelegen – überführt, wo sein Grab zum Wallfahrtsort geworden ist. 1999 wurde Isidor Bakanja zum Schutzpatron der Laien im Kongo erklärt.

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