Würzburg

Der heilige Bernardo Tolomei - Asket und Gründer der Olivitaner

Bernardo Tolomei hatte eine hohe mystische Begabung. Es wird überliefert, dass er Gespräche mit dem Gekreuzigten führte und Erscheinungen verschiedener Heiliger hatte.

20. August: Der Wochenheilige Der heilige Bernardo Tolomei

In der Toskana erhebt sich auf einem Hügelrücken bei Siena die Territorialabtei Monte Oliveto Maggiore, der Stammsitz der Olivetaner, die seit 1960 zur Benediktinischen Konföderation gehören. Da die Verehrung der Jungfrau Maria ein Wesenszug ist, der die Spiritualität der Olivetaner besonders prägt, tragen sie ein weißes Habit und werden auch als „weiße Benediktiner“ bezeichnet. Ihr Ordensgründer, Bernardo Tolomei, wurde 2009 von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen. „Sein Dasein war ein eucharistisches, ganz der Kontemplation geweihtes Leben, die sich in einen demütigen Dienst am Nächsten umsetzte“, sagte Benedikt XVI. in seiner Predigt. Er starb als „echter Märtyrer der Nächstenliebe“, so der Papst, am Schwarzen Tod, der im 14. Jahrhundert in Europa umging. Sein Gedenktag ist der 20. August.

Johannes Tolomei wurde am 10. Mai 1272 in Siena als Sohn einer adligen Familie geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, Philosophie und Theologie an der Universität der Dominikaner und kämpfte als Reichsritter in der Armee der Habsburger, um anschließend in seiner Heimatstadt eine politische Laufbahn einzuschlagen. Eine radikale Umkehr erfuhr sein Leben, als er mit etwa 20 Jahren durch das Eingreifen der Gottesmutter von einem schweren Augenleiden geheilt wurde. Daraufhin zog er sich im Jahr 1313 mit zwei Gefährten in die „Accona-Wüste“, ein sehr dürres und regenarmes Gebiet südlich von Siena, zurück. Hier lebten sie in Grotten als Asketen und errichteten eine kleine Kapelle, die zu ihrem Lebensmittelpunkt wurde.

Benannt nach Bernhard von Clairvaux

Als sich ihnen immer mehr Männer anschlossen, bat Johannes den Bischof von Arezzo, ihrem Leben eine kanonische Form zu verleihen. So wurde am 26. März 1319 das Kloster „Santa Maria di Monte Oliveto“ durch die „Charta fundationis“ offiziell errichtet und unter die Regel des heiligen Benedikt von Nursia gestellt. Johannes Tolomei nahm jetzt den Namen „Bernardo“ an, nach dem heiligen Bernhard von Clairvaux, dem großen Marienprediger.

Am 21. Januar 1344 wurde die Kongregation von Papst Clemens VI. offiziell approbiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es neben dem Stammsitz bereits elf weitere Klöster der Olivetaner. Der Abt der Kongregation sollte jährlich neu gewählt werden: Bernardo wurde von der Gründung an bis zu seinem Tod ohne Unterbrechung 27 Mal gewählt. Er verstand sein Amt in erster Linie als Dienst an seinen Mitbrüdern, für die er zum Vorbild des monastischen Lebens wurde. Dass er das Dienen in den Mittelpunkt seiner Christusnachfolge stellte, kommt auch darin zum Ausdruck, dass er sich zwar zum Diakon, aber nie zum Priester weihen ließ. Er betrachtete das Priesteramt nicht als notwendig für die Aufgabe, zu der er sich von Gott berufen sah, und fühlte sich außerdem unwürdig, eine so hohe Weihe zu empfangen. Bernardo Tolomei hatte eine hohe mystische Begabung. Es wird überliefert, dass er Gespräche mit dem Gekreuzigten führte und Erscheinungen verschiedener Heiliger hatte.

Vom "Schwarzen Tod" getroffen

1346 kam der Schwarze Tod nach Europa: Die Pest wütete fast ein Jahrzehnt lang und raffte etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung hin. Auch Siena, das im Mittelalter zu den größten und reichsten Städten Italiens gehörte, war von der Seuche hart betroffen. In dieser Situation begab sich der nunmehr über 70-jährige Abt Bernardo in die Stadt, um den Mönchen beizustehen, die dort in einer Tochtergründung seines Klosters lebten und unter denen es bereits viele Todesfälle gegeben hatte.

Es dauerte nicht lange, bis er selbst ebenfalls von der Pest befallen war. Er starb am Gedenktag des heiligen Bernhard von Clairvaux, seines Namenspatrons, dem 20. August 1348. Zusammen mit vielen anderen Seuchenopfern wurde er in einer mit Kalk durchmischten Pestgrube unweit der Klosterkirche in Siena beigesetzt. Daher existieren vom heiligen Ordensgründer der Olivetaner keine Körperreliquien und kein Grab.

Heute gibt es etwa 260 Olivetaner und 90 Olivetanerinnen auf vier Kontinenten. Der größte Konvent im deutschsprachigen Raum ist das Kloster Heiligkreuz der Olivetanerinnen in Cham im Schweizer Kanton Zug.

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