Pater Rupert Mayer SJ als Wochenheiliger

Der selige Rupert Mayer SJ. Von Claudia Kock

Pater Rupert Mayer SJ

„Unsere Zeit ist geprägt von der Auflösung sämtlicher Werte in der Gesellschaft und man ist überzeugt, in einer von Wohlstand und Reichtum geprägten Umgebung der religiösen Gleichgültigkeit, gepaart mit einer wachsenden Distanz zur Kirche, leben zu können. So versuchen wir mit aller Entschiedenheit und Klarheit, den Weg Jesu Christi in Wahrheit zu leben.“ Mit diesen Worten definiert die Marianische Männerkongregation „Mariä Verkündigung am Bürgersaal zu München“ ihren Auftrag in Kirche und Welt. Sie beruft sich auf den seligen Ordensmann und Pater, Rupert Mayer SJ, der 24 Jahre lang der Kongregation vorstand.

Emblematisch für seine Haltung ist ein Ausstellungsstück in dem ihm gewidmeten Museum: Ein Eisernes Kreuz 1. Klasse, das er 1915 als erster katholischer Militärseelsorger erhielt, nachdem er an der Weltkriegsfront ein Bein verloren hatte. Als er 1938 aus der Haft in der Strafanstalt Landsberg entlassen wurde, ließ er es als Zeichen seiner Ablehnung der nationalsozialistischen Machthaber und ihrer Ideologie demonstrativ in der Zelle zurück.

Lebenslauf von Pater Rupert Mayer SJ

Rupert Mayer wurde am 23. Januar 1876 als Sohn einer Kaufmannsfamilie in Stuttgart geboren. Er studierte Philosophie und Theologie in Fribourg, München und Tübingen und wurde 1899 in Rottenburg zum Priester geweiht. Im folgenden Jahr trat er in die Gesellschaft Jesu, einem Jesuitenorden, ein. Aufgrund der Kulturkampfgesetze, die die Jesuiten als „Reichsfeinde“ betrachteten, absolvierte er seine Ordensausbildung in Österreich und in den Niederlanden. Er zog in dieser Zeit als Volksmissionar durch diese Länder.

1912 wurde er zum Seelsorger für die Zuwanderer der Großstadt München bestimmt. Er knüpfte Kontakte zu Arbeitern und Handwerkern, half ihnen in Notlagen und vermittelte Arbeitsplätze. Im Ersten Weltkrieg wurde er Militärpfarrer und bekam das Eiserne Kreuz als erster Feldgeistlicher. Schwer verwundet kehrte er nach München zurück und trug seitdem eine Beinprothese.

Der Münchner Kardinal Faulhaber ernannte ihn 1921 zum Präses der Marianischen Männerkongregation, wo er sich um die Vertiefung christlicher Werte kümmerte. Inzwischen galt er in München als „Stimme der Katholiken".  Eine besondere Initiative waren seine „Bahnhofsgottesdienste“. Da viele Münchner den arbeitsfreien Sonntag für Ausflüge ins Umland nutzten, predigte er ab 1925 sonntags mehrmals in der Halle des Münchner Hauptbahnhofs.

Früher Gegner des Nationalsozialismus

In der unruhigen Zeit der Weimarer Republik besuchte Pater Mayer zahlreiche politische Veranstaltungen. So erlebte er auch den Aufstieg Hitlers, den er in seinem Tagebuch bereits in den 20er Jahren als „Hysteriker reinsten Wassers“ bezeichnete.

„Ein Christ kann und darf kein Nationalsozialist sein."

Schon früh war ihm klar: Ein Christ kann und darf kein Nationalsozialist sein. Nach Hitlers Machtergreifung predigte er offen gegen die neuen Machthaber, weshalb ihm 1937 ein Predigtverbot erteilt wurde. Als er dieses ignorierte, wurde er verhaftet, auf Druck von Kardinal Faulhaber und der Münchner Katholiken jedoch wieder freigelassen.

Verstöße gegen das Predigtverbot und Internierung

Wegen erneuter Verstöße gegen das Predigtverbot wurde er von Januar bis Mai 1938 im Gefängnis in Landsberg am Lech interniert. Danach predigte er nicht mehr, wurde aber im November 1939 in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, da er sich geweigert hatte, Beichtgeheimnisse preiszugeben.

„Seitdem bin ich lebend ein Toter“

Kardinal Faulhaber erwirkte 1940 die Verlegung des nunmehr 64-jährigen, gesundheitlich sehr angeschlagenen Jesuiten in das Benediktinerkloster Ettal, unter der Auflage, dieses nicht zu verlassen und die heilige Messe nur in der internen Hauskapelle zu feiern. „Seitdem bin ich lebend ein Toter“, schrieb Rupert Mayer in sein Tagebuch. „Ja dieser Tod ist für mich, der ich noch so voll Leben bin, viel schlimmer als der wirkliche Tod, auf den ich schon so oft gefasst war.“

Tod und spätere Seligsprechung 

Nach Kriegsende kehrte er in das zerstörte München zurück und nahm die Seelsorge wieder auf. Am Hochfest Allerheiligen 1945 brach der „15. Nothelfer“, wie er genannt wurde, während der Messe in der Michaelskirche am Altar zusammen und starb.

„Die heutige Zeit ist eine furchtbar ernste Mahnung für die Völker der Erde, zurückzukehren zu Gott. Es geht nicht ohne Gott!“

„Die heutige Zeit ist eine furchtbar ernste Mahnung für die Völker der Erde, zurückzukehren zu Gott. Es geht nicht ohne Gott!“ Diesen Satz Rupert Mayers zitierte Johannes Paul II. 1987 bei seiner Seligsprechung im Münchner Olympiastadion und fügte hinzu: „Dieses Wort unseres Seligen hat auch heute nichts an Gewicht verloren. Auch heute gilt es, Gott zu geben, was Gottes ist. Dann wird auch dem Menschen gegeben werden, was des Menschen ist.“

Das Pater-Rupert-Mayer-Gebet

Das folgende Gebet galt als das Lieblingsgebet des Seligen und soll an dieser Stelle nicht vorenthalten werden.

Herr, wie Du willst, so will ich geh’n, 
Und wie Du willst, soll mir gescheh’n. 
Hilf Deinen Willen nur versteh’n. 

Herr, wann Du willst, dann ist es Zeit, 
Und wann Du willst, bin ich bereit. 
Heut und in alle Ewigkeit. 

Herr, was Du willst, das nehm’ ich hin, 
Und was Du willst, ist mir Gewinn. 
Genug, dass ich Dein Eigen bin. 

Herr, weil Du's willst, d’rum ist es gut, 
Und weil Du's willst, d’rum hab’ ich Mut. 
Mein Herz in Deinen Händen ruht.

Erinnerung bis in die heutige Zeit

Heute sind zahlreiche Institutionen und Schulen wie beispielsweise das Erzbischöfliche Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium in Pullach nach ihm benannt. Im Jahr 2014 wurde das Leben des Paters verfilmt. Außerdem wird seit 1987 jährlich die Pater-Rupert-Mayer Medaille durch den Katholikenrat der Region München verliehen. Der Preis wird an Menschen verliehen, die sich durch ehrenamtliche Arbeit verdient gemacht haben.