Benedikt Daswa: Der Wochenheilige am 2. Februar

Der 2. Februar 1990 war ein historischer Tag für Südafrika: Staatspräsident Frederik de Klerk kündigte die Freilassung von Nelson Mandela sowie die Abschaffung der Apartheit an. Von Claudia Kock

2. Februar: Der Wochenheilige Der selige Benedikt Daswa

Der 2. Februar 1990 war ein historischer Tag für Südafrika: Staatspräsident Frederik de Klerk kündigte die Freilassung von Nelson Mandela sowie die Abschaffung der Apartheit an. Während er in Kapstadt seine berühmt gewordene Rede hielt, spielte sich viele Kilometer davon entfernt, in der nördlichen Provinz Limpopo, ein Drama ab, das 25 Jahre später zur Seligsprechung des ersten Südafrikaners führen sollte: das Martyrium des katholischen Laien Benedikt Daswa, der ermordet wurde, nachdem er sich geweigert hatte, fünf Rand – umgerechnet etwa 33 Cent – zu bezahlen, um sich an einer von den Dorfältesten angeordneten Hexenjagd zu beteiligen. Sein Gedenktag ist der 2. Februar.

Tshimangadzo Samuel Daswa wurde am 16. Oktober 1946 in dem Dorf Mbahe im Norden Südafrikas geboren. Er gehörte dem Bantu-Volk der Lemba an, das sich als Nachfahren der alten Israeliten betrachtet und jüdischen Bräuchen folgt. Als sein Vater früh verstarb, war er als Erstgeborener für die Erziehung seiner vier Geschwister verantwortlich.

Unter dem Einfluss eines Katecheten ließ er sich mit 16 Jahren taufen und nahm den Namen „Benedikt“ an. „Ora et labora“ wurde zum Leitwort seines Lebens, in dem der christliche Glaube fortan die wichtigste Rolle spielte.

Mit Eifer kümmerte er sich um die Kinder und Jugendlichen von Mbahe. Er wurde Lehrer und schließlich Schulleiter, kümmerte sich um Unterricht und Freizeitgestaltung. Daneben bebaute er einen Gemüsegarten, dessen Erzeugnisse er im Dorf verkaufte oder an Bedürftige verschenkte. Für den Bau einer Schule sowie einer Kirche schaffte er mit seinem Auto Steine und Lehm von einem nahegelegenen Fluss heran. Mit etwa 30 Jahren heiratete Benedikt und wurde Vater von acht Kindern. Er genoss großes Ansehen in der Dorfgemeinschaft, die auch durch den Spott nicht gemindert wurde, den er ertragen musste, wenn er seiner Frau bei der Hausarbeit half und eigenhändig Windeln im Fluss wusch.

1990 nahm sein Leben eine dramatische Wende. Im Januar ging ein schweres Unwetter über dem Dorf nieder; mehrere Hütten wurden vom Blitz getroffen und verbrannten. Sofort munkelte man, dass es im Dorf eine Hexe geben müsse, die das Unglück herbeigeführt habe.

Mit großer Geduld versuchte Benedikt den Dorfbewohnern zu erklären, dass die Katastrophe natürliche Ursachen habe und von keinem Menschen verschuldet sei. Allerdings erwies sich der Aberglaube als stärker als jedes Argument, denn die Dorfältesten entschieden, einen Schamanen zu beauftragen, um die Hexe ausfindig zu machen. Um ihn zu bezahlen, sollte jeder Dorfbewohner fünf Rand geben. Nur Benedikt weigerte sich zu bezahlen und sagte: „Mein Glaube verbietet es mir, mich an einer Hexenjagd zu beteiligen.“ Den Hass, den er damit auf sich gezogen hatte, bekam er wenig später mit unerwarteter Grausamkeit zu spüren. Am 2. Februar kam er mit dem Auto aus der Provinzhauptstadt Polokwane, als beim Dorf Tshitanini dicke Äste die Straße versperrten. Er hielt an und stieg aus dem Wagen, als plötzlich Männer aus dem Gebüsch sprangen, mit Stöcken auf ihn einschlugen, ihn mit kochendem Wasser übergossen und schließlich zu Tode steinigten. Zeugen berichteten, dass einer der Männer rief: „Jetzt wollen wir sehen, ob sein Gott ihm helfen kann!“, während Benedikt laut betete bis er schließlich unter Qualen starb.

Bei Benedikts Beisetzung trugen die Priester rote Messgewänder, da er von Anfang an als Märtyrer galt, was von der Kirche wenige Jahre später offiziell bestätigt wurde. Seine Seligsprechung fand 2015 in Tshitanini, dem Ort seines Martyriums, statt und wurde im staatlichen Fernsehen übertragen. Hier entsteht derzeit ein Heiligtum zum Gedenken an Benedikt Daswa, der für viele, auch nichtkatholische Südafrikaner zum Vorbild geworden ist durch sein von Glauben und Vernunft geprägtes christliches Weltbild.