Würzburg

9.Juni: Der Wochenheilige Ephräm der Syrer

Am 9. Juni gedenkt die Kirche des heiligen Ephräm des Syrers. Papst Benedikt XVI. lobte ihn als großen Theologen und Diakon - und als bedeutsamen Künstler.

Griechische Ikonostase mit Heiligenbildern. Darunter der Heilige Johannes Chrysostomus (2.v.l.).

Die südtürkische Stadt Nusaybin war bis 2011 die letzte Station der legendenumwobenen Bagdadbahn – sie diente Agatha Christie als Inspirationsquelle für ihren Roman „Mord im Orient-Express“ – vor deren Eintritt in syrisches Staatsgebiet. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien ist dieser Grenzübergang geschlossen und die Bahnlinie zwischen Istanbul und Bagdad in weiten Strecken stillgelegt. 2015 wurden durch schwere Kämpfe zwischen Kurden und der Türkischen Armee große Teile von Nusaybin zerstört und etwa 50 000 Einwohner in die Flucht getrieben.

Ein Heiliger wird vertrieben

Es war das zweite Mal in der Geschichte dieser Stadt, dass ein Großteil der Bevölkerung vertrieben wurde. Die erste Vertreibung fand 363 statt, als die Stadt noch ihren antiken Namen Nisibis trug; damals befand sich unter den Vertriebenen der heilige Ephräm der Syrer, der 1920 von Papst Benedikt XV. zum Kirchenlehrer erhoben wurde. Sein Gedenktag ist der 9. Juni.

Ephräm kam um 306 in Nisibis zur Welt, das damals bereits Bischofssitz war. Das Bischofsamt hatte der heilige Jakob von Nisibis inne, der vorher ein asketisches Leben als Einsiedler in der syrischen Wüste geführt hatte und den Ephräm als seinen Lehrer bezeichnete. Er weihte Ephräm zum Diakon und gründete zusammen mit ihm eine theologische Schule. Neben der Lehre widmete sich Ephräm dem Dienst an der christlichen Gemeinde von Nisibis und verfasste neben theologischen auch poetische Werke. Er gilt als der bedeutendste christliche Schriftsteller syrischer Sprache.

Wie heute das moderne Nusaybin lag auch das antike Nisibis in einem Grenzgebiet, in dem verschiedene politische Interessen aufeinanderprallten. Die Römer, die hier ihre Reichsgrenze hatten, strebten nach Expansion, während auf der anderen Seite die persischen Sassaniden ebenfalls Herrschaftsansprüche anmeldeten. 363 schlossen der römische Kaiser Jovian und der persische Großkönig Schapur II. einen Friedensvertrag, durch den Nisibis an die Sassaniden fiel. Sofort siedelten diese dort Perser an und vertrieben die romtreuen Einwohner, zu denen insbesondere die Christen zählten, die von Schapur verfolgt wurden. „Meine Kinder sind hingeschlachtet und meine Töchter, die außerhalb meiner Befestigung sind; ihre Mauern niedergerissen, ihre Kinder zerstreut, zertreten ihre Heiligtümer“: Mit diesen Worten beginnt Ephräms berühmtes Carmen Nisibenum, in dem er das Leiden der Vertriebenen beschreibt, der Mütter, die ihre Kinder nicht mehr stillen können, und zahlreicher Menschen, die elend verhungern und verdursten.

Benedikt XVI. würdigt Ephräm den Syrer

Ephräm lebte dann bis zu seinem Tod im Jahr 373 in Edessa, dem heutigen Urfa in der südlichen Türkei, wohin auch seine theologische Schule verlegt wurde, die bis ins 5. Jahrhundert die östliche Theologie nachhaltig geprägt hat. Er war Einsiedler, blieb jedoch auch weiterhin diakonisch tätig und gewann großen Einfluss durch seine Weisheit und Tiefe. Papst Benedikt XVI. widmete ihm die Katechese der Generalaudienz am 28. November 2007, in der er besonders Ephräms großes theologisches Werk würdigte:

„Die Besonderheit seiner Arbeit liegt darin, dass sich in ihr Theologie und Dichtung begegnen. […] Die Dichtung gestattet ihm, die theologische Reflexion durch Paradoxa und Bilder zu vertiefen. Gleichzeitig wird seine Theologie Liturgie, sie wird Musik: Er war in der Tat ein großer Komponist, ein Musiker. Theologie, Reflexion über den Glauben, Dichtung, Gesang, Lob Gottes gehen zusammen; und gerade in diesem liturgischen Charakter tritt in der Theologie Ephräms mit aller Klarheit die göttliche Wahrheit zutage.“

Vor allem aber blieb Ephräm, so Benedikt XVI., „sein ganzes Leben lang Diakon seiner Kirche. Es war eine entscheidende und sinnbildliche Wahl: Er war Diakon, das heißt Diener, sowohl im liturgischen Dienst als auch, auf radikalere Weise, in der Liebe zu Christus, der von ihm auf unvergleichliche Weise besungen wurde, und schließlich in der Liebe zu den Brüdern, die er mit seltener Meisterhaftigkeit in die Kenntnis der göttlichen Offenbarung einführte.“