Getafe

8. März: Der heilige Faustino de la Encarnación

Pater Faustino erkannte als einer der Ersten den Wert und die Bedeutung der Mädchenbildung. Er verfasste er medizinische Lehrbücher in einfacher Sprache für das Volk und verbrachte viele Stunden im Beichtstuhl, da er sich als Priester vor allem dazu berufen sah, dem Seelenheil der Menschen zu dienen.

Faustino de la Encarnacion
Am 15. Oktober 2017 wurde Faustino de la Encarnacion von Papst Franziskus heiliggesprochen. Foto: IN

Im Jahr 1592 kam der aus einer spanischen Adelsfamilie stammende Priester José de Calasanz nach Rom, um einen Posten als Hauslehrer bei der vornehmen Familie Colonna anzutreten. Dann stieß er jedoch auf eine ganz andere Realität der Ewigen Stadt, in der er seine wahre Berufung erkannte: Im Stadtteil Trastevere, dem Armenviertel von Rom, das häufig von Tiberfluten und Seuchen heimgesucht wurde, begegnete er verwahrlosten und verrohten Straßenkindern. Um ihnen durch Bildung Zugang zu Arbeit und zu einem menschenwürdigen Leben zu geben, gründete er 1597 die erste unentgeltliche Volksschule Europas. Aus den Gefährten, die sich ihm anschlossen, entstand die Kongregation der Piaristen, die bis heute im Schuldienst tätig sind. Die Kongregation brachte im Laufe der Jahre bedeutende Theologen, Pädagogen und Wissenschaftler hervor, darunter den Botaniker und Mediziner Faustino de la Encarnación Míguez, der am 15. Oktober 2017 von Papst Franziskus heiliggesprochen wurde.

Frühe Liebe zur Natur und zur Pflanzenwelt

Manuel Míguez González wurde am 24. März 1831 in dem kleinen galizischen Dorf Xamiras geboren. Die malerische Landschaft in einem Flusstal weckte in ihm früh die Liebe zur Natur und zur Pflanzenwelt. Fasziniert von der Lebensgeschichte des heiligen José de Calasanz trat er mit 19 Jahren bei den Piaristen in Madrid ein, wo er den Namen Faustino de la Encarnación (Faustinus von der Menschwerdung) erhielt und 1853 die ewigen Gelübde ablegte.
1857, ein Jahr nach seiner Priesterweihe, sandten seine Oberen ihn nach Kuba, wo er an einer Schule im Randgebiet von Havanna Landwirtschaft, Physik, Chemie und Naturgeschichte unterrichtete. Von der lokalen Bevölkerung lernte er, verschiedene Pflanzen zu medizinischen Zwecken zu verwenden und begann damit zu experimentieren. Aufgrund einer Vergiftung musste er nach dreijährigem Aufenthalt auf der Karibikinsel nach Madrid zurückkehren, um dort behandelt zu werden.

In den folgenden sechs Jahrzehnten bis zu seinem Tod unterrichtete er an verschiedenen Schulen in Spanien. Er war ein sehr guter, freundlicher und einfühlsamer Lehrer, der bei seinen Schülern sehr beliebt war. Er hielt sich immer bescheiden im Hintergrund, auch wenn er neben dem Schulunterricht zu einem renommierten Wissenschaftler wurde. Zunächst machte er sich als Chemiker einen Namen. 1872 wurde er von der Stadt Sanlúcar gerufen, um das Wasser der örtlichen Heilquellen zu analysieren. Trotz seines hohen Bildungsgrads fühlte er sich zeitlebens den einfachen Menschen verbunden und bezeichnete sich selbst als „Mann des Volkes und für das Volk“, obwohl er hohe akademische Posten bekleidete – etwa als Bibliothekar der renommierten Bibliothek des königlichen Klosters El Escorial, den er annahm, um sein Studium der Heilpflanzen zu vertiefen.

Bedeutender Experte auf dem pharamzeutischen Gebiet

Schließlich wurde er zu einem bedeutenden Experten auf pharmazeutischem Gebiet. Viele Menschen ließen sich von ihm behandeln, sogar an den spanischen Königshof wurde er gerufen und konnte den König Alphons XIII. – damals noch ein Kind, das in den Regierungsgeschäften von seiner Mutter vertreten wurde – von einer schweren Krankheit heilen. Insgesamt entwickelte Pater Faustino zwölf Arzneimittel, die offiziell registriert und in den spanischen Apotheken vertrieben wurden. Er verfasste er medizinische Lehrbücher in einfacher Sprache für das Volk und verbrachte viele Stunden im Beichtstuhl, da er sich als Priester vor allem dazu berufen sah, dem Seelenheil der Menschen zu dienen.

Pater Faustino erkannte als einer der Ersten den Wert und die Bedeutung der Mädchenbildung. Er gründete zu diesem Zweck die weibliche Kongregation der „Hijas de la Divina Pastora“, die den Piaristen angeschlossen ist und ebenfalls der Spiritualität des heiligen José de Calasanz folgt. Ihr Mutterhaus steht in Getafe bei Madrid, wo sich bis heute das von Pater Faustino gegründete „Instituto Míguez“ zur Diabetes-Erforschung befindet und wo er selbst am 8. März 1925 im hohen Alter von 94 Jahren starb. Er liegt in der Kapelle des Mutterhauses der Schwesternkongregation  „Hijas de la Divina Pastora“ begraben.

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