4. Mai: Die Wochenheilige Die Märtyrer der Kartause von London

John Houghton, Prior der Londoner Kartäuser

Im Londoner Stadtteil Smithfield liegt ein mittelalterlicher Gebäudekomplex, der den Namen „The Charterhouse“, die Kartause, trägt. Das ehemalige Kartäuserkloster beherbergt heute ein Museum und eine anglikanische Kapelle. Außerdem ist hier ein Armenhaus untergebracht, in dem etwa 40 ältere Männer leben. In der Viktorianischen Zeit diente das „Charterhouse“ als Rückzugsort für englische Adlige; aus dieser Zeit stammen elegante Räumlichkeiten wie eine Bibliothek und ein großer Saal, die für Festlichkeiten gemietet werden können. Seit 2017 werden außerdem öffentliche Führungen durch das alte Gemäuer und seine Parkanlagen angeboten. Dabei erfährt man etwas über die Geschichte dieses Ortes und auch über die Kartäusermönche, die von 1317 bis 1537 hier lebten. Die letzten Mönche erlitten ein grausames Martyrium, als sie sich weigerten, den Eid auf die Suprematsakte zu schwören, mit der König Heinrich VIII. sich selbst zum König der Kirche von England erklärte und sich von Rom lossagte. Der Gedenktag der Märtyrer der Kartause von London ist der 4. Mai.

Die Geschichte der Londoner Kartause begann im Jahr 1348, als die Schwarze Pest auch in England zahlreiche Todesopfer forderte. Damals wurde in diesem Areal ein Pestfriedhof angelegt, bei dem dann eine Kapelle und eine kleine Einsiedelei entstanden. 1371 wurde dem vom heiligen Bruno von Köln gegründeten Kartäuserorden gestattet, hier ein Kloster zu errichten, in dem etwa 25 Mönche in strenger Abgeschiedenheit und Schweigen ein kontemplatives Leben führten. Während der schwierigen Zeit der Abspaltung der Kirche von England unter Heinrich VIII. kam der heilige Thomas Morus, der in dieser Zeit ebenfalls das Martyrium erlitt, häufig in die Kartause, um geistliche Einkehr zu halten.

Prior der Londoner Kartäuser war damals John Houghton (auf dem Bild links dargestellt von Zurbarán). Er war um 1487 geboren und mit etwa 20 Jahren in die Kartause eingetreten. Seit 1531 war er dort Prior; 1532 wurde er zum Generaloberen aller in England lebenden Kartäuser gewählt. 1534 wurde die Suprematsakte erlassen, die von den englischen Geistlichen verlangte, einen Eid auf König Heinrich VIII. als Oberhaupt der Kirche von England zu schwören und sich damit vom Papst in Rom loszusagen. Gemeinsam mit den Prioren der beiden anderen englischen Kartausen, Robert Lawrence und Augustine Webster, ging Houghton zu Thomas Cromwell, dem die Durchführung der Reform des englischen Staates anvertraut war, um diesen zu bitten, sie von dem Eid zu entbinden, um das Gewissen der Mönche nicht zu belasten. Sie stießen auf taube Ohren. Cromwell ließ die drei Priore verhaften und zum Tode verurteilen. Am 4. Mai 1535 wurden sie zum Hinrichtungsplatz in dem Dorf Tyburn transportiert. Thomas Morus, der inzwischen im Tower eingekerkert war, sah, wie die Kartäuser zur Hinrichtungsstelle geführt wurden und schrieb an seine Tochter: „Diese heiligen Väter gingen so freudig ihrem Tod entgegen wie Bräutigame ihrer Hochzeit.“

In Tyburn wurden die Kartäuser Houghton, Lawrence und Webster zusammen mit zwei anderen Priestern grausam hingerichtet, nach der für Hochverrat vorgesehenen Prozedur: Sie wurden zunächst gehängt, aber noch lebend wieder vom Galgen genommen. Dann wurden ihnen bei lebendigem Leib die Organe herausgeschnitten und der Menge gezeigt. Anschließend wurde der Körper zerteilt und die einzelnen Teile auf Pfähle gespießt und zur Abschreckung für andere Menschen ausgestellt.

Nach und nach wurden in den folgenden zwei Jahren auch die übrigen Londoner Kartäuser aufgefordert, den Eid auf den König zu schwören. Insgesamt 18 von ihnen verweigerten den Eid und erlitten das grausame Martyrium. Wer den Eid leistete, blieb am Leben, wurde aber aus dem Kloster vertrieben. Die 18 Märtyrer wurden im Jahr 1886 von Papst Leo XIII. seliggesprochen. Die drei Priore Houghton, Lawrence und Webster, die ersten englischen Märtyrer überhaupt, die aufgrund ihrer Treue zu Rom ihr Leben lassen mussten, wurden außerdem 1970 von Papst Paul VI. heiliggesprochen.