Würzburg

31. Oktober: Die selige Irene "Nyaatha" Stefani

Bereits mit 13 Jahren wollte Irene Stefani Missionarin werden. 4.000 Menschen empfingen in den zehn Jahren ihrer Missionstätigkeit von ihr die Taufe.

In der Kathedrale von Nyeri in Kenia liegt das Grab der seligen Consolata-Missionsschwester Irene Stefani. Neben ihren sterblichen Überresten werden hier auch ein Tropenhelm und ein Paar ausgetretene Militärstiefel aufbewahrt, die die Selige trug, während sie unermüdlich im Missionsgebiet unterwegs war, um den Menschen beizustehen. „Mit der Hilfe unserer allerseligsten Mutter Maria werde ich die Nächstenliebe mehr lieben als mich selbst“, pflegte sie zu sagen. „Wenn man wirklich liebt, spürt man keine Müdigkeit, und alles wird möglich.“ Die einheimische Bevölkerung aus der Ethnie der Kikuyu gab der Ordensfrau den Namen „Nyaatha“: Mutter der Barmherzigkeit. Ihr Gedenktag ist der 31. Oktober.

Missionstätigkeit in Kenia

Aurelia Jacoba Mercede Stefani, so ihr bürgerlicher Name, wurde am 22. August 1891 als fünftes von zwölf Kindern einer tiefgläubigen katholischen Familie in dem kleinen norditalienischen Dorf Anfo bei Brescia geboren. Bereits mit 13 Jahren verkündete sie ihrer Familie: „Ich werde Missionarin.“ 1911 trat sie in das gerade gegründete Institut der Consolata-Missionsschwestern in Turin ein, wo sie am 29. Januar 1914 die Ordensprofess ablegte und den Namen „Irene“ bekam. Sie wurde nach Kenia gesandt, wo sie im Januar 1915 ankam.

In der Zwischenzeit war der Erste Weltkrieg ausgebrochen, in den auch das koloniale Ostafrika verwickelt war. So wurde Schwester Irene zunächst zum Dienst in Militärlazaretts in Kenia und Tansania einberufen, bevor sie 1920 die Missionsstation Gikondi bei Nyeri erreichte, wo sie bis zu ihrem frühen Tod unter den Kikuyu tätig war. Als Lehrerin in der Missionsschule beschränkte sie sich nicht darauf, den Kindern Unterricht zu erteilen, sondern legte viele Kilometer zu Fuß zurück, mit dem Rosenkranz in der Hand, um in Dörfern und einzelnen Hütten neue Schüler zu suchen. Dabei lernte sie viele Familien kennen, half Müttern, pflegte kranke und alte Menschen. Sie gewann das Vertrauen vieler Angehöriger der Kikuyu, die sich von der „Nyaatha“, wie sie liebevoll genannt wurde, im Glauben unterweisen und taufen ließen. Insgesamt etwa 4.000 Menschen empfingen in den zehn Jahren ihrer Missionstätigkeit von ihr die Taufe.

"Die Sünde kreuzigt Jesus
erneut. Lieber tausend
Tode als eine einzige Sünde“

Am 14. September 1930 hielt Schwester Irene ihre jährliche geistliche Einkehr in Nyeri. Sie empfing bei dieser Gelegenheit drei Worte: „Die Sünde kreuzigt Jesus erneut. Lieber tausend Tode als eine einzige Sünde“; „Vergiss alles… entäußere dich; „Missionar = Apostel und Märtyrer“. Daraufhin bat sie ihre Oberin um die Erlaubnis, sich Jesus als Sühneopfer für die Mission anzubieten. Nach anfänglicher Ablehnung stimmte diese am 17. Oktober schließlich zu.

Bereits neun Tage später, während eine Pestepidemie in der Region grassierte, erlitt Schwester Irene während der heiligen Messe einen Schwächeanfall und wurde mit Schüttelfrost auf das Krankenlager gebracht. Sie starb am 31. Oktober 1930, nachdem sie immer wieder die Worte wiederholt hatte: „Herz Jesu, Opfer der Liebe, mache mich zu einer reinen, heiligen Opfergabe, die Gott wohlgefällt“.

Nicht die Krankheit, sondern die Liebe hat sie getötet

„Nicht die Krankheit, sondern die Liebe hat sie getötet“, hieß es sofort unter ihren Mitschwestern. Das Wunder, das zu Irene Stefanis Seligsprechung führte, ereignete sich 1989 während des Bürgerkriegs in Mosambik: Während der Feier der heiligen Messe in dem kleinen Dorf Nipepe hörte man draußen plötzlich Schüsse, und viele Menschen stürmten in die Kirche, um Zuflucht zu suchen. Etwa 270 Menschen verbarrikadierten sich in Todesangst in dem Gotteshaus. Da kein Trinkwasser vorhanden war, wurde ihnen aufgrund der Notlage gestattet, aus dem Taufbecken zu trinken, in dem jedoch weniger als zwölf Liter Wasser waren. Ein Missionar, der gerade die Biographie von Irene Stefani las, rief die Menge auf, um ihre Fürsprache zu beten. Tatsächlich wurde das Wasser im Taufbecken nicht weniger, sondern die Menschen, darunter viele Kinder, konnten dreieinhalb Tage lang daraus ihren Durst stillen, bis die Gefahr vorüber war und sie die Kirche verlassen konnten. Irene Stefani wurde am 24. Oktober 2015 in Nyeri seliggesprochen.