Würzburg

31. August: Der heilige Nikodemus

Das Johnnesevangelium beschreibt als Pharisäer und „führenden Mann unter den Juden“. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich vor dem Hohen Rat vor Jesus zu stellen.

31. August: Der heilige Nikodemus

Im unterfränkischen Rimpar unweit von Würzburg steht in der Kirche „St. Afra“ der Altar „Beweinung Christi“, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts von dem berühmten Bildhauer Tilman Riemenschneider geschaffen wurde. Riemenschneider selbst hat sich hier verewigt in den Gesichtszügen des Nikodemus, von dem das Johannesevangelium berichtet. Neben Riemenschneider haben auch andere Bildhauer – etwa Michelangelo – Selbstbildnisse als Nikodemus geschaffen.

Der Grund dafür liegt in der Kathedrale der toskanischen Stadt Lucca, wo seit dem Hochmittelalter das „Volto Santo“ – das „heilige Antlitz“ – verehrt wird, ein aus Nussbaum geschnitztes Gnadenbild, das einen bärtigen und mit einem gegürteten Gewand bekleideten Christus als Triumphator aufrecht stehend vor dem Kreuz zeigt. Das „Volto Santo“ wurde im Mittelalter häufig kopiert und gelangte durch die Romwallfahrer, auf deren Pilgerweg Lucca lag, nach ganz Europa. So war es in Spanien als „Majestas“ bekannt und im norddeutschen Raum als „Sante Hulpe“ (heilige Hilfe).

Die Schaffung des Urbilds des „Volto Santo“ wird von einer frommen Legende Nikodemus zugeschrieben, der in der katholischen und in der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt wird. Das „Martyrologium Romanum“ verzeichnet seinen Gedenktag zusammen mit dem des Josef von Arimathäa am 31. August.

Die einzige zuverlässige Quelle zu Nikodemus ist das Johannesevangelium, wo Nikodemus als Pharisäer und „führender Mann unter den Juden“ bezeichnet wird; er war ein Mitglied des Hohen Rates, der obersten politischen, religiösen und rechtlichen Instanz im damaligen Judentum. Nikodemus suchte Jesus „bei Nacht“ auf, um ihn zu verhören, wohl um von den anderen Ratsmitgliedern nicht gesehen zu werden, die – wie später ersichtlich wird – Jesus bereits verurteilt haben und ein Gespräch nicht für nötig halten.

Vor dem Hohen Rat auf Seiten Jeus

Aus dem geplanten Verhör wird schnell eine geistliche und theologische Unterweisung von Seiten Jesu. Er spricht mit Nikodemus über die Notwendigkeit der geistlichen Neugeburt und sagt: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ Als Nikodemus fragt, wie dies geschehen könne, antwortet Jesus zunächst vorwurfsvoll: „Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht?“, und beginnt dann einen theologischen Diskurs über das Zeugnis, seinen eigenen Tod am Kreuz und die Rettung der Welt – „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ –, um Licht und Wahrheit.

Als der Hohe Rat Jesus später festnehmen lassen will, stellt Nikodemus sich als einziger hinter ihn, indem er sagt: „Verurteilt etwa unser Gesetz einen Menschen, bevor man ihn verhört und festgestellt hat, was er tut?“ Hier ist Nikodemus sozusagen in einer „Mittelposition“: Er nimmt an der Debatte des Hohen Rates teil, steht aber bereits mehr auf Seiten Jesu und verteidigt ihn. Nach dem Tod Jesu wird sein „Seitenwechsel“ dann sehr deutlich: Zusammen mit Joseph aus Arimathäa – ein „heimlicher“ Jünger Jesu – salbt Nikodemus den Leichnam mit wohlriechenden Ölen und sorgt für sein würdiges Begräbnis. Die drei Stellen des Johannesevangeliums lassen erkennen, dass Nikodemus einen inneren, geistlichen Weg begonnen hat, der ihn immer näher zu Christus führt.

Über Nikodemus' weiteren Weg gibt es keine historisch gesicherten Aussagen. Interessant ist eine Stelle im Talmud, wo es heißt, dass Jesus einen Schüler mit Namen Buni gehabt habe. Dieser „Buni“, auch Naqdemon (Nikodemus) ben Gorjon genannt, taucht in der rabbinischen Literatur mehrmals auf. Es heißt, dass er sehr reich gewesen sei und das Volk während der Belagerung Jerusalems durch Kaiser Titus im Jahre 70 n. Chr. aus seinen Vorräten gespeist habe. Anderen Quellen zufolge wurde Nikodemus von den Aposteln Petrus und Paulus getauft und daraufhin aus dem Hohen Rat verstoßen. Gamaliel, der frühere Lehrer des Apostels Paulus, soll ihn daraufhin bei sich aufgenommen haben bis er verstarb.