Würzburg

27. Februar: Die selige Maria Charitas Brader

Brennender Missionsgeist, Liebe zu den Eingeborenen und ein müheloser Einsatz, um zu ihnen zu gelangen: Dadurch zeichnete sich die Ordensründerin Maria Charitas Brader aus.

Maria Josefa Karolina Brader.
Maria Josefa Karolina Brader. Foto: IN

Im Südwesten von Kolumbien liegt am Fuße des Vulkans Galeras die Großstadt Pasto mit ihren pastellfarbenen Häusern und Kirchen. Eine von ihnen ist das Eucharistische Heiligtum „Maridiaz“, wo die Ordensgründerin Maria Charitas Brader bestattet ist, die 1993 seliggesprochen wurde. In einer kleinen Gedenkstätte ist unter anderem ihr Sterbebett zu sehen, in dem sie am 27. Februar 1943 ihre letzten Worte sprach. „Jesus – me muero“: Jesus, ich sterbe.
Maria Josefa Karolina Brader wurde am 14. August 1860 als einziges Kind eines Bauernehepaars in Kaltbrunn im Schweizer Kanton St. Gallen geboren. Als sie drei Jahre alt war, emigrierte ihr Vater nach Amerika, wo er kurz darauf starb. Ihre Mutter ließ der Tochter, die außerordentlich begabt war, die bestmögliche Ausbildung zukommen: zunächst im Internat der Kapuzinerinnen in Altstätten, dann bei den Benediktinerinnen in Sarnen und schließlich in Fribourg und in Frankreich. Nachdem Maria Josefa das Lehrerinnendiplom erworben hatte, trat sie am 1. Oktober 1880 bei den Kapuzinerinnen in Altstätten ein, wo sie den Namen „Maria Charitas von der Liebe des Heiligen Geistes“ erhielt. Am 22. August 1882 legte sie die ewigen Gelübde ab und unterrichtete anschließend an der ordenseigenen Klosterschule.

Außerordentliche Ausstrahlung und pädagogische Kenntnisse

Als der aus dem Rheinland stammende Bischof Peter Schumacher von Portoviejo in Ecuador die Kapuzinerinnen von Altstätten um Unterstützung für die Mission in seiner Diözese bat, beschloss die Oberin, die später seliggesprochene Bernarda Bütler, zusammen mit einigen Schwestern in Südamerika ein Filialkloster zu gründen. Dafür wählte sie auch Schwester Charitas aus mit den Worten: „In die Missionsgründung geht Schwester Charitas, extrem großherzig, die vor keinem Opfer zurückweicht. Mit ihrer außerordentlichen Ausstrahlung und ihren pädagogischen Kenntnissen wird sie der Mission große Dienste leisten können.“

Die Schwestern brachen am 19. Juni 1888 auf und ließen sich in Chone unweit der Pazifikküste Ecuadors nieder, wo Schwester Charitas weiterhin als Lehrerin tätig war. Fünf Jahre später wurde sie ausgewählt, um die Leitung einer weiteren Klostergründung in Túquerres bei Pasto im Hochland von Kolumbien zu übernehmen. „Dort entfaltete sie ihren brennenden Missionsgeist. Sie liebte die Eingeborenen und scheute keine Mühe, um zu ihnen zu gelangen. Sie trotzte den gefährlichen Stürmen des Ozeans, den Tücken des Urwalds und der extremen Kälte der Andenbergwelt. Ihr Eifer kannte keine Ruhepause. Am meisten war sie um die Ärmsten besorgt, um die Ausgegrenzten der Gesellschaft, um diejenigen, die das Evangelium noch nicht kannten.“ Mit diesen Worten fasste der Vatikan anlässlich der Seligsprechung von Schwester Charitas ihre aufopfernde Missionsarbeit zusammen.

Die Franziskanerinnen von Maria Immakulata

Um diese zu unterstützen, gründete sie 1894 eine neue Kongregation: die Franziskanerinnen von Maria Immakulata. Die neue Missionskongregation wuchs schnell und erhielt 1933 die päpstliche Approbation. Mutter Charitas legte großen Wert auf eine gute pädagogische Ausbildung der Schwestern, die als Lehrerinnen in abgelegenen Regionen tätig waren, mahnte sie jedoch auch, Gebet und Andacht nicht zu vernachlässigen. „Je intensiver die öffentliche Berufstätigkeit ist, desto tiefer und inbrünstiger muss unser geistiges Leben sein“, pflegte sie zu sagen. Daher war es eine besondere Freude für sie, als die Kongregation aus Rom das Privileg der Ewigen Anbetung erhielt. Bis 1940 blieb Mutter Charitas Generaloberin, dann kündigte sie an, keine weitere Wiederwahl anzunehmen, sondern sich im Gehorsam einer neuen Oberin zu unterstellen.

Als sie mit 82 Jahren spürte, dass ihr Heimgang sich näherte, sagte sie zum Abschied zu ihren Schwestern: „Ich gehe, vernachlässigt die guten Werke nicht, die unsere Kongregation pflegt, das Almosen und die Liebe zu den Armen, große Liebe untereinander, Treue zu den Bischöfen und Priestern.“ Die Franziskanerinnen von Maria Immakulata sind bis heute in verschiedenen Ländern des amerikanischen und des afrikanischen Kontinents tätig.

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