Würzburg

26. November: Der selige Giacomo Alberione

Papst Paul VI. bezeichnete ihn einmal als „Wunder unserer Zeit“: der selige Giacomo Alberione.

Giacomo Alberione
Alberione hat der Kirche neue Ausdrucksmöglichkeiten geschenkt, neue Medien, um ihrem Apostolat mehr Kraft und Ausstrahlung zu schenken. Foto: IN

Als Papst Paul VI. im November 1971 die Nachricht bekam, Pater Giacomo Alberione liege im Sterben, eilte er sofort an sein Krankenbett. Er traf den 87-jährigen Ordensgründer und Konzilsvater zwar nicht mehr bei Bewusstsein, aber noch lebend an, kniete zum Gebet bei ihm nieder und erteilte ihm feierlich die Absolution. Wie sehr er Alberione, den er einmal als „Wunder unserer Zeit“ bezeichnet hatte, schätzte, hatte der Papst bereits zwei Jahre zuvor im Rahmen einer Audienz für ihn und die Mitglieder seiner Ordensfamilie gesagt: „Da steht er: demütig, schweigsam, unermüdlich, immer wachsam, immer konzentriert im Denken, stets bereit, vom Gebet zum Handeln überzugehen und die ,Zeichen der Zeit‘ zu erkennen, das heißt die effektivsten Mittel der Kommunikation mit den Menschen; unser lieber Pater Alberione hat der Kirche neue Ausdrucksmöglichkeiten geschenkt, neue Medien, um ihrem Apostolat mehr Kraft und Ausstrahlung zu schenken, und eine neue Wahrnehmung ihres Evangelisierungsauftrags mittels der Massenmedien.“

In der Neujahrsnacht den Ruf Jesu verspürt

Für Giacomo Alberione selbst lag der Ursprung seines fruchtbaren Schaffens „in der geweihten Hostie, im Tabernakel“: In der Neujahrsnacht 1901 hatte der damals 16-jährige Seminarist – er wurde am 4. April 1884 als fünftes Kind einfacher piemontesischer Bauern geboren – während einer eucharistischen Anbetung deutlich den Ruf Jesu verspürt, „etwas zu tun für die Männer und Frauen des 20. Jahrhunderts“. Infolge dieses mystischen Erlebnisses widmete er sich im Studium besonders der Lektüre von Texten, die ihm halfen, die Situation und Entwicklung der Kirche und der Gesellschaft in der modernen Zeit zu verstehen und vertiefte nach seiner Priesterweihe am 29. Juni 1907 durch die Arbeit in einer Pfarrei die Kenntnis der Alltags der Menschen. So veröffentlichte er bis 1915 seine beiden ersten Bücher zum Thema der Pastoraltheologie und der Rolle der Frau zur Unterstützung der Arbeit des Priesters.

Schon früh wurde Giacomo Alberione klar, welche bedeutende Rolle die Massenmedien für die Menschen des 20. Jahrhunderts spielen würden.

Verkündung und Verbreitung des Evangeliums durch die Massenmedien

1913 gründete er in Alba eine katholische Zeitung, und 1914 gründete er die „Gesellschaft vom heiligen Apostel Paulus“, die zur Keimzelle der „Paulusfamilie“ wurde: ein Zusammenschluss von insgesamt zehn männlichen und weiblichen Kongregationen sowie Säkularinstituten, die alle zu Lebzeiten von Giacomo Alberione entstanden sind und sich auf ihn als ihren Ordensgründer berufen. Ziel und Aufgabe der „Paulusfamilie“ ist bis heute die „Verkündung und Verbreitung des Evangeliums durch die Massenmedien“. Im Eigenverlag erscheinen religiöse Bücher und Zeitschriften. Ab 1931 gründete Giacomo Alberione auch Ordensgemeinschaften in Amerika und Asien; sein Verlagshaus wurde im Laufe der Jahre zu einem weltweiten Imperium für katholische Publikationen.

Zeitlebens ein einsamer Mensch ohne persönliche Freunde

Trotz der vielen Männer und Frauen, die von seinem Charisma angezogen wurden und sich seiner Ordensfamilie anschlossen, blieb Giacomo Alberione zeitlebens ein einsamer Mensch ohne persönliche Freunde, der von einem undurchdringlichen Geheimnis umhüllt war. Er zeigte freundliche Anerkennung für gute Arbeit, konnte bei Kritik aber auch streng sein wie ein „Savonarola in Taschenformat“, wie einer seiner Ordensmänner es ausdrückte. An sich selbst stellte Alberione höchste Ansprüche und lebte nach eiserner Disziplin. Sein Wecker klingelte um 3.15 am Morgen. Um 4.45 Uhr feierte er die heilige Messe, ab 7 Uhr saß er an seinem Schreibtisch und arbeitete. Trotz seines Arbeitspensums empfing er jeden, der an seine Tür klopfte, sehr freundlich. Aufgrund seiner herausragenden Arbeit im Medienbereich wurde Giacomo Alberione zur Teilnahme am Zweiten Vatikanum eingeladen und trug entscheidend zum Konzilsdekret „Inter mirifica“ über die sozialen Kommunikationsmittel bei.

Giacomo Alberione starb am 26. November 1971, wenige Tage nach dem Besuch von Paul VI. an seinem Krankenbett. 2003 wurde er seliggesprochen.

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