Würzburg

25. August: Der selige Luigi Bordino

Maria hat geholfen: Noch heute ziehen Wallfahrer an einer Marienstatue vorbei, die der spätere Ordensmann Andrea Bordino zum Dank für seine Rettung errichten lies.

Virgin mary statue
Virgin mary statue Foto: worradirek /stock.adobe.com

Jedes Jahr im Sommer findet eine Wallfahrt vom Heiligtum „Madonna dei Fiori“ (Gottesmutter von den Blumen) im piemontesischen Bra nach Castellinaldo statt, dem Geburtsort des 2015 seliggesprochenen Luigi Bordino. Die etwa 26 Kilometer lange Strecke durch Obstplantagen und Weinberge ist dieselbe, die der Selige selbst – in umgekehrter Richtung – im Jahr 1946 unternommen hatte, als er, gerade aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, eine Entscheidung über den Eintritt in das Ordensleben treffen wollte. Die Wallfahrt endet bei einer Votivsäule für Maria Consolata (die Trösterin), die der Selige zusammen mit seinem Bruder nach der Heimkehr aus dem Krieg hatte errichten lassen. Sie hatten die Errichtung der Säule gelobt, als sie im eiskalten Winter 1943 auf einem Gefangenenmarsch durch Sibirien bei klirrender Kälte unter freiem Himmel übernachten mussten: Am nächsten Morgen waren die meisten ihrer Kameraden erfroren; sie gehörten zu den wenigen Überlebenden.

Der am 12. August 1922 geborene Andrea Bordino, so sein bürgerlicher Name, war das dritte von acht Kindern eines Weinbauernpaares. Andrea war ein kräftiger und sportlicher Junge. Mit 16 Jahren nahm er an einer geistlichen Einkehr der „Katholischen Aktion“ teil, die von da an zu seinem Lebensmittelpunkt wurde. Mit 18 Jahren wurde er Vorsitzender seiner Ortsgruppe.

Die Jugend endete an der Ostfront

Nur ein Jahr später, im Januar 1942, fand seine behütete Jugend ein jähes Ende, als er zusammen mit seinem Bruder Risbaldo in den Krieg eingezogen und mit einer Gebirgsjäger-Division an die Ostfront geschickt wurde. Schnell verstanden die jungen Männer, dass die Situation bereits aussichtslos war. Die Wehrmacht befand sich auf dem Rückzug vor der Roten Armee, die Front war aufgebrochen, die Versorgung stockte, und man ging geradewegs auf die Katastrophe von Stalingrad zu. Mitten hinein in dieses Elend sandte man die jungen Italiener, die nach der Durchquerung von Polen zwanzig Kilometer am Tag in Richtung Ostfront marschieren mussten, mit Mauleseln, die mit Waffen beladen waren, ohne ausreichende Versorgung mit Proviant, Decken und Kleidung.

Im Januar 1943 ergab sich die erschöpfte Division der Roten Armee; die Brüder gerieten in Gefangenschaft. Es folgte ein langer Marsch im eiskalten Winter ohne Schuhe, die Füße nur in Lumpen gehüllt, durch Sibirien. In diese Zeit fiel die Nacht, in der sie halberfroren der Gottesmutter die Säule gelobten, wenn sie überleben und in ihren Heimatort zurückkehren sollten. Die nächsten beiden Jahre verbrachten die Brüder in sowjetischen Arbeitslagern in Kasachstan und Usbekistan. Andrea kümmerte sich um kranke Mitgefangene und teilte oft seine magere Verpflegung – eine Schüssel Suppe und etwas Brot am Tag – mit ihnen. Schließlich erkrankte er selbst an Typhus; dass er überlebte, betrachtete er zeitlebens als Gnade Gottes.

1946 kamen die Brüder zurück ins heimatliche Castellinaldo. Als erstes lösten sie das Versprechen ein, eine Säule für die Gottesmutter zu errichten. Das Elend, das sie im Krieg erlebt hatten, hatte Andrea sehr mitgenommen; er verbrachte viel Zeit in der Messe oder in der eucharistischen Anbetung. Ausschlaggebend für seinen weiteren Weg war ein Gespräch mit einem Ordensbruder der Kongregation des heiligen Giuseppe Benedetto Cottolengo, der in Turin eine große Einrichtung für physisch, psychisch und geistig behinderte Menschen gegründet hatte, die „Piccola Casa della Divina Provvidenza“. Andrea trat noch 1946 in Kongregation ein, wo er den Namen „Luigi von der Consolata“ erhielt. Er wurde Krankenpfleger und diente den kranken und behinderten Menschen. Seine Freundlichkeit und Dienstbereitschaft machten ihn bei den Patienten ebenso beliebt wie bei den Ärzten. Seine Freizeit verbrachte er oft auf den Straßen von Turin, wo er Obdachlose ansprach, sie mit in die Klinik nahm, sie dort baden ließ, ihnen die Haare und Nägel schnitt und sie mit frischer Kleidung versorgte.

1975 erkrankte Luigi an Leukämie. Ein Angebot, zur Behandlung nach Amerika zu reisen, lehnte er ab, da er seine Pflichten in der Gemeinschaft nicht vernachlässigen wollte. Trotz der eigenen Krankheit kümmerte es sich weiterhin aufopfernd um andere Kranke. Er starb im Ruf der Heiligkeit am 25. August 1977.