Würzburg

24. September: Die selige Colomba Gabriel OSB

Im März 1926 wurden die in Rom entstandenen „Benedettine di Carita“ - die Benediktinerinnen der Nächstenliebe - offiziell anerkannt. Ein halbes Jahr später starb ihre Gründerin: die selige Colomba Gabriel.

Basiliken in Rom
View at Tiber and St. Peter's cathedral in Rome, Italy Foto: Photographer: Sergey Borisov (44462719)

Am 8. September hatte Papst Franziskus im Rahmen seiner kürzlich beendeten Apostolischen Reise eine Begegnung mit den Priestern und Ordensleuten von Madagaskar, denen er mit folgenden Worten für ihren Dienst dankte: „Ich weiß, dass viele von euch unter schwierigen Bedingungen leben, wo es an grundlegenden Dingen – Wasser, Strom, Straßen, Kommunikationsmittel – oder an finanziellen Ressourcen für das Leben und die pastorale Tätigkeit mangelt. Viele von euch tragen auf ihren Schultern – um nicht zu sagen: zu Lasten ihrer Gesundheit – die Bürde der apostolischen Bemühungen. Ihr entscheidet euch jedoch dafür, zu bleiben und bei eurem Volk, nahe an eurem Volk, mit eurem Volk zu leben. Vielen Dank dafür! Herzlichen Dank für euer Zeugnis, dem Volk nahe zu sein, danke dafür, dass ihr dortbleiben und die Berufung nicht zu einem ,Sprungbrett für ein besseres Leben‘ machen wollt!“

Zu den auf Madagaskar tätigen Ordensgemeinschaften gehören unter anderem die „Benedettine di Carita“ (Benediktinerinnen der Nächstenliebe). 1973 kamen die ersten vier Schwestern der Kongregation aus Italien in den Inselstaat im Indischen Ozean, der zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, um gemäß ihres Charismas, „dorthin zu gehen, wo es eine Seele zu führen, ein Herz zu trösten, einen schmerzenden Leib aufzurichten“ gibt und dort missionarische Arbeit zu leisten. In den folgenden 25 Jahren gründeten sie insgesamt vier Ordenshäuser auf der Insel, die zum Anlaufpunkt zahlreicher Menschen auch aus entlegenen Dörfern und aus dem Regenwald geworden sind. Sie führen Schulen und Krankenhäuser, sind in der Katechese und in der Familienhilfe tätig und haben Werke zur Unterstützung der Armen und zur Förderung der Frauen. In der Hauptstadt Antananarivo gibt es seit 1992 ein Noviziat, in dem einheimische Schwestern ausgebildet werden. Die Schwestern feiern am 24. September den Gedenktag ihrer Ordensgründerin, der seligen Colomba Gabriel.

Geboren in der heutigen Westukraine

Joanna Matylda Gabriel, so ihr bürgerlicher Name, wurde am 3. Mai 1858 in einer adligen polnischen Familie in Stanislawow – heute Iwano-Frankiwsk in der Westukraine – geboren. Nach einer guten Schulausbildung wurde sie zunächst Lehrerin an der Klosterschule der Benediktinerinnen von Lwiw und trat anschließend in die Klostergemeinschaft ein. Sie legte am 20. August 1882 die feierlichen Ordensgelübde ab und bekam den Namen „Colomba“. Bereits wenige Jahre später wurde sie zur Äbtissin gewählt.

Dann kam es zu einem Bruch in ihrer Biographie, durch den sie gezwungen war, neue Wege einzuschlagen. Aufgrund innerer Querelen musste sie am 24. Januar 1900 ihr Amt niederlegen und auch das Kloster verlassen. Sie machte sich zunächst auf die Suche nach den Wurzeln ihrer benediktinischen Berufung und reiste nach Subiaco bei Rom, wo der heilige Benedikt als Einsiedler den Grundstein für seinen Orden gelegt hatte. Hier trat Mutter Colomba in das in den Bergen gelegene Kloster der Benediktinerinnen ein.

Bereits zwei Jahre später siedelte sie nach Rom über, wo sie mit Unterstützung des Vikariats und einiger Damen aus dem römischen Adel begann, sich in den Pfarrgemeinden der Stadtteile Testaccio und Prati um Kinder und Jugendliche zu kümmern. 1908 gründete sie das erste Wohnheim für junge Arbeiterinnen, die auf der Suche nach Arbeit in die Hauptstadt kamen. Unter der geistlichen Leitung des damaligen Abtprimas der Benediktiner, Hildebrand de Hemptinne, scharte Mutter Colomba junge Frauen um sich, die ihr Ideal des benediktinischen Lebens verbunden mit sozialen Werken teilten.

Im März 1926 wurde die Kongregation mit dem Namen „Benedettine di Carita“ kanonisch anerkannt. Nur ein halbes Jahr später, am 24. September 1926, starb Mutter Colomba in Centocelle, einem peripheren Stadtteil von Rom. Die Kongregation verbreitete sich rasch in ganz Italien und widmet sich der Evangelisierung und der Sozialfürsorge auch in Rumänien und in dem eingangs erwähnten Madagaskar. Mutter Colomba wurde am 16. Mai 1993 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.