Würzburg

22. Januar: Der selige Giuseppe Nascimbeni

Giuseppe Nascimbeni wurde in das abgelegene Castelletto gesandt. Mit großem Einsatz übernahm er nach dem Tod des Pfarrers dessen Stelle und sorgte für verbesserte Lebensbedingungen und gündete einen Orden.

Giuseppe Nascimbeni
Seliger Giuseppe Foto: IN

Castelletto di Brenzone ist ein kleiner Ort in der Provinz der norditalienischen Stadt Verona, der in einem riesigen Olivenhain am Ostufer des Gardasees gelegen ist. Hier befindet sich auf einer malerischen Anhöhe das Mutterhaus der Kongregation der „Kleinen Schwestern von der Heiligen Familie in Verona“, die im Jahr 1892 von dem Priester Giuseppe Nascimbeni ins Leben gerufen wurde.

Ein idyllischer Ort ohne Strukturen

Was heute ein idyllischer Ort mit einem kleinen Hafen und einer gepflegten Altstadt ist, der zahlreiche Besucher anzieht, war damals ein armseliger Flecken ohne Straßen, öffentliche Beleuchtung und Trinkwasserversorgung, der nur mit einer Fähre erreichbar war. Die Einwohner wanderten in Scharen nach Amerika aus, um der Armut zu entfliehen. Wucherer trieben ihr Unwesen, die Alten blieben unterversorgt zurück und für die Kinder und Jugendlichen gab es keinerlei Bildungsmöglichkeiten.

Das Blatt wendete sich durch das Wirken des seligen Giuseppe Nascimbeni, dessen Gedenktag die Kirche am 22. Januar feiert.

Als der 26-jährige Giuseppe Nascimbeni 1877, drei Jahre nach seiner Priesterweihe, in das abgelegene Castelletto gesandt wurde, um den alten Ortspfarrer zu entlasten, betrachtete er es nur als eine Übergangsstation. Er kannte den als gottverlassenes Nest verrufenen Ort, da er selbst am Ostufer des Gardasees, in Torri del Benaco, aufgewachsen war, bevor er in Verona in das Priesterseminar eingetreten war. Dennoch zeigte er großen Einsatz und übernahm nach dem Tod des Pfarrers dessen Stelle.

Fühlte sich überfordert

Nach sieben Jahren wollte er das Handtuch werfen, da die Probleme ihm über den Kopf wuchsen. Von der Emigration zerrissene Familien, verwahrloste Kinder, Jugendliche ohne Schulbildung und religiöse Unterweisung, alte Menschen ohne Beistand in dem rückständigen, von der Welt abgeschnittenen Ort: Als einzelner Priester fühlte er sich überfordert mit dem Elend und der desolaten Situation. So ging er zum Bischof von Verona, um diesem mitzuteilen, dass er das Pfarramt niederlegen wolle. Der Bischof hörte ihn schweigend an.

Schließlich führte Giuseppe Nascimbeni ein Argument an, das ihm schlagend erschien: Er bekäme trotz aller Bemühungen nicht einmal zwei Ordensschwestern, die ihn in der Pfarrei unterstützen könnten. Daraufhin sagte der Bischof mit Bedacht: „Wenn keiner dir Ordensschwestern gibt, dann schaff dir selber welche.“

Richtete ein Konvent ein

Dieser Satz traf den jungen Priester ins Herz. Begeistert von der Idee, einen Orden zu gründen, kehrte er nach Castelletto zurück, fand dort vier junge Frauen, die Interesse am Ordensleben zeigten, und sandte sie nach Verona, um in einer Kongregation ein Noviziat zu absolvieren. Er selbst verfasste in Castelletto für sie eine Ordensregel und richtete einen Konvent ein, in den sie nach ihrer Rückkehr 1892 einzogen.

Eine der vier war die selige Maria Domenica Mantovani, die ihr Leben schon vorher unter Nascimbenis geistliche Führung gestellt hatte. Sie wurde die erste Generaloberin der „Kleinen Schwestern von der Heiligen Familie in Verona“ und gilt als deren Mitbegründerin.

Verbesserung der Lebensbedingungen

Im Mittelpunkt der Spiritualität der Kongregation steht die Heilige Familie von Nazareth als Vorbild für ein solides Familienleben als Grundlage für eine gesunde Gesellschaft. Während die Schwestern sich um die Kinder und die alten Menschen kümmerten, sorgte Nascimbeni für eine umfassende Verbesserung der Lebensbedingungen: Er ließ eine Straße und eine Trinkwasserleitung bauen, sorgte dafür, dass der Ort Gaslaternen bekam, und gründete eine Bank, um den Wucherern das Handwerk zu legen, sowie eine neue Kirche, einen Kindergarten, eine Schule und ein Altenheim, eine Strickerei und eine Druckerei.

Am 31. Dezember 1916, mit 65 Jahren, erlitt Giuseppe Nascimbeni einen Schlaganfall, der ihn an den Rollstuhl fesselte. Er starb fünf Jahr später, am 22. Januar 1922. Am 17. April 1988 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Die „Kleinen Schwestern von der Heiligen Familie in Verona“ sind heute außer in Italien auch in Lateinamerika, Albanien und Angola tätig.

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