L'Aquila

19. Mai: Der heilige Papst Coelestin V.

Mehrmals würdigte der emeritierte Papst Benedikt XVI. den heiligen Papst Coelestin V. Er war der letzte Papst, der vor Benedikt freiwillig auf sein Amt verzichtet hatte.

Papst Coelestin V.
Der mystisch begabte Einsiedler Pietro von Morrone, später Papst Coelestin V., wurde bereits am 5. Mai 1313 durch Papst Clemens V. heiliggesprochen. Foto: KNA-Bild (KNA)

Im April 2009 erschütterte ein schweres Erdbeben die mittelitalienische Stadt L'Aquila. Auch die Kirche „Santa Maria di Collemaggio“ war betroffen: Ein Teil des romanisch-frühgotischen Bauwerks stürzte ein und begrub unter sich den gläsernen Sarkophag mit den Reliquien des heiligen Papstes Coelestin V., der jedoch unversehrt aus den Trümmern geborgen wurde. Drei Wochen später stattete Papst Benedikt XVI. dem Erdbebengebiet einen Besuch ab und vollzog eine Geste, der erst vier Jahre später bei seinem Amtsverzicht ein großer Symbolgehalt beigemessen wurde: Er legte sein Pallium auf Coelestins Sarkophag ab – auf das Grab des bis dahin letzten Papstes, der freiwillig auf sein Amt verzichtet hatte.

2010 würdigte Benedikt XVI. Coelestin erneut in Sulmona, wo sich einige seiner Reliquien befinden: „800 Jahre sind seit der Geburt des heiligen Pietro Coelestin V. vergangen, doch aufgrund der bekannten Wechselfälle seiner Zeit und seines Pontifikats sowie vor allem wegen seiner Heiligkeit bleibt er in der Geschichte. Die Heiligkeit nämlich verliert nie ihre Anziehungskraft […] im Gegenteil: Mit der Zeit glänzt sie in immer hellerem Licht.“

Geboren in einer Bauernfamilie am Rande der Abruzzen

Coelestin V. wurde um 1215 als Pietro Angeleri in einer Bauernfamilie am Rande der Abruzzen geboren. Er trat zunächst in den Benediktinerorden ein, zog sich aber schon bald als Einsiedler in eine einsame Gebirgsgegend zurück und wurde dann in Rom zum Priester geweiht. Anschließend setzte er sein Einsiedlerleben auf dem Monte Morrone unweit von Sulmona fort, wo er 1244 eine Mönchsgemeinschaft gründete, die dem Benediktinerorden angeschlossen war. Sie nannte sich später „Coelestiner“ und existierte bis ins 19. Jahrhundert.

Im Winter 1273/74 ging Pietro, der als mystisch begabter Einsiedler im Ruf der Heiligkeit stand, zu Fuß nach Frankreich, um vor dem Zweiten Konzil von Lyon von Papst Gregor X. die Anerkennung seiner Ordensgemeinschaft zu erbitten. Der Papst fühlte sich von seiner persönlichen Anwesenheit so geehrt, dass er ihn bat, vor den Konzilsvätern eine Messe zu feiern, denn „keiner sei würdiger als er“. Auf der Rückkehr zum Berg Morrone hatte Pietro eine Vision, aufgrund der er die Kirche „Santa Maria di Collemaggio“ in L‘Aquila errichten ließ.

1292 starb Papst Nikolaus IV. Die Kardinäle konnten sich nicht auf einen Nachfolger einigen; der Stuhl Petri blieb über zwei Jahre lang vakant. Da griff Pietro vom Berg Morrone aus ein und schrieb einen Brief, in dem er Unheil für die Kirche prophezeite, wenn es nicht bald einen neuen Papst gäbe. Dieser Brief war wahrscheinlich der Auslöser dafür, dass das Kardinalskollegium einstimmig beschloss, den Einsiedler zum Nachfolger Nikolaus‘ IV. zu machen.

Nach langem Gebet nahm er das Amt an

Als Pietro die Botschaft seiner Wahl überbracht wurde, nahm er erst nach langem Gebet das Amt an und wurde am 29. August 1294 in „Santa Maria di Collemaggio“ als Coelestin V. zum Papst gekrönt. Seinen Sitz nahm er in Neapel, wo er unter der Kontrolle des Herrschers Karl von Anjou stand, der die Geschäfte für den weltfremden Coelestin führte. Bereits nach wenigen Monaten war dieser jedoch mit seinem Amt völlig überfordert; Chaos und Korruption machten sich breit.

Coelestins Wunsch, das Papstamt niederzulegen, wurde aktiv unterstützt von Kardinal Benedikt Caetani, der ihm die kirchenrechtlichen Voraussetzungen dafür an die Hand gab. Am 13. Dezember 1294 legte Coelestin V. die päpstlichen Insignien nieder und zog wieder seine alte Mönchskutte an. Sein Nachfolger wurde zu Weihnachten desselben Jahres Caetani, der den Namen Urban VIII. annahm und in Anagni residierte.

Nach anfänglicher Flucht wurde Coelestin, den Urban unter Kontrolle halten wollte, um eine Kirchenspaltung durch seine Anhänger zu vermeiden, im Juni 1295 gefangengenommen und in die Festung Fumone unweit von Anagni gebracht, wo er am 19. Mai 1296 starb. Urban VIII. leitete selbst die Kanonisierung seines Vorgängers ein – jedoch nicht des Papstes, sondern des mystisch begabten Einsiedlers Pietro von Morrone. Er wurde bereits am 5. Mai 1313 durch Papst Clemens V. heiliggesprochen.

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