Würzburg

17. September: Die selige Leonella Sgorbati MC

Heute gedenkt die Kirche der seligen Leonella, die im September 2006 in Mogadischu auf offener Straße erschossen wurde. Papst Franziskus sprach sie 2018 selig. Papst Benedikt XVI. nannte sie einen "Beweis für den Sieg der Liebe über den Hass und das Böse".

17. September: Die Wochenheilige Die selige Leonella Sgorbati MC
Ihr Leben ist ein Beweis für den Sieg der Liebe über den Hass und das Böse.

Beim Angelus am 24. September 2006 in Castel Gandolfo gedachte Papst Benedikt XVI. der Ordensfrau Leonella Sgorbati, die eine Woche zuvor in der somalischen Hauptstadt Mogadischu auf offener Straße erschossen worden war. „Diese Schwester, die seit vielen Jahren den Armen und Geringen in Somalia diente“, so Benedikt XVI., „starb mit dem Ausdruck ,ich vergebe‘ auf den Lippen: Dies ist das echte christliche Zeugnis, das friedliche Zeichen, dem widersprochen wird, Beweis für den Sieg der Liebe über den Hass und das Böse.“ Der Papst war gerade von seiner Apostolischen Reise nach Bayern zurückgekehrt und harter Kritik ausgesetzt aufgrund seiner „Regensburger Rede“, in der er einen byzantinischen Herrscher aus dem 14. Jahrhundert zitiert hatte, der sich kritisch über den Islam geäußert hatte. Dies hatte zu Unruhen in der islamischen Welt geführt, unter anderem in Somalia, wo die Lage ohnehin äußerst angespannt war, seit islamische Milizen die Herrschaft übernommen hatten.

Sr. Leonella gehörte zu einem kleinen Konvent italienischer Consolata-Missionsschwestern, die in Mogadischu eine Krankenpflegeschule führten. Als sie gegen Mittag des 17. September eine Straße überquerte, wurde sie zusammen mit ihrem muslimischen Leibwächter erschossen. Papst Franziskus ließ Sr. Leonella am 26. Mai 2018 in Piacenza seligsprechen.

Mystisches Erlebnis führte zu Ordensberufung

Rosa Maria Sgorbati – so ihr Taufname – wurde am 9. Dezember 1940 im norditalienischen Gazzola geboren und wuchs in einer bäuerlichen Großfamilie auf. Im Alter von zehn Jahren zog sie mit ihren Eltern und Geschwistern nach Sesto San Giovanni bei Mailand, wo ihr Vater einen Obst- und Gemüsegroßhandel führte, und kam wenig später in ein Ordensinternat nach Monza. Von einer Ordensschwester bekam sie ein Evangelium geschenkt. Sie las oft darin und verbrachte viel Zeit in der Schulkapelle. Dort hatte sie im April 1952 ein mystisches Erlebnis: Sie fühlte sich, wie sie in ihrem Tagebuch schrieb, von Gott „bewohnt“ und beschloss, Ordensfrau zu werden.

Mit einem kaufmännischen Schulabschluss kehrte sie nach Sesto San Giovanni zurück und engagierte sich zunächst in der Pfarrgemeinde, wo sie von den Consolata-Missionsschwestern hörte. Am 20. Mai 1963 trat sie bei ihnen ein; ein halbes Jahr später wurde sie eingekleidet und erhielt den Ordensnamen „Leonella“. Ab 1966 besuchte Sr. Leonella eine Hebammenschule in England. 1972 legte sie die ewigen Gelübde ab und wurde dann nach Nkubu in Kenia geschickt, wo die Consolata-Missionsschwestern ein Hospital mit Krankenpflegeschule führten. Hier arbeitete sie 20 Jahre auf der Geburtsstation. Aufgrund ihrer Führungsqualitäten stieg sie zur Leiterin der Krankenpflegeschule auf und wurde 1993 zur Regionaloberin gewählt.

Krankenpflege im islamistischen Somalia

Ab 2001 reiste Sr. Leonella mehrmals nach Somalia, um in Zusammenarbeit mit einem SOS-Kinderdorf eine Krankenpflegeschule aufzubauen.

Die Situation in dem von radikal-islamischen Rebellen kontrollierten Land war äußerst schwierig: Zwar wurde den Schwestern der Krankenpflegeunterricht gestattet, sie durften jedoch keine Missionierungsversuche machen und hatten keinen Priester, der für sie die Messe feiern durfte. Die Eucharistie verwahrten sie versteckt in einem Schrank – damals vermutlich das einzige Tabernakel in ganz Somalia.

Die Schwestern lebten in ständiger Lebensgefahr und konnten sich nur unter Personenschutz in der Öffentlichkeit bewegen. „Es gibt eine Kugel, auf der mein Name schon geschrieben steht“, sagte Schwester Leonella, „und Gott allein weiß, wann sie mich trifft.“ Die Kugel traf sie am 17. September 2006.

Schwester Leonella wurde in Nairobi beigesetzt; die Trauerfeier fand unter Vorsitz des Bischofs von Dschibuti, Giorgio Bertin, statt, der seit der Ermordung des letzten Bischofs von Mogadischu gleichzeitig als Administrator dieser Diözese dient. Schwester Leonella „war überzeugt, dass die neue Welt, die Jesus verkündigt hat, bereits hier auf Erden begonnen hat. Und es ist kein Zufall, dass sie zusammen mit einem Muslim gestorben ist“, sagte er in seiner Predigt. „Um trotz der Unterschiede zusammenzuleben, bedarf es der Umkehr des Herzens, der Hoffnung, der Entschlossenheit und der Ausdauer.“

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