Würzburg

17. Oktober: Die heilige Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan

Die selige Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan wurde zusammen mit Kardinal John Henry Newman und drei weiteren Seligen von Papst Franziskus heiliggesprochen.

Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan
Transparent mit einer Darstellung von Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan, indische Ordensschwester, an der Fassade des Petersdoms im Vatikan. Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan wurde am 13. Oktober 2019 heiliggesprochen. Foto: Stefano Dal Pozzolo

In Monschau bei Aachen liegt das Seniorenzentrum Maria-Hilf-Stift. Die moderne Wohnanlage bietet ein Zuhause für ältere Menschen, vom betreuten Wohnen bis hin zur Vollpflege. Sie wird seit 1973 vom indischen Orden der Schwestern der „Holy Family“ geleitet. Derzeit stehen 18 Ordensschwestern zusammen mit etwa 120 Laien im Dienst der Bewohner. Der 13. Otkober war im Stift sowie in den weiteren Ordensniederlassungen der „Holy Family“ in Indien, den Vereinigten Staaten von Amerika und Italien ein besonderer Festtag: Die Ordensgründerin, die selige Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan, wurde zusammen mit Kardinal John Henry Newman und drei weiteren Seligen von Papst Franziskus heiliggesprochen.

Die Mutter erzog Thresia und ihre vier Geschwister liebevoll im Glauben

Thresia Chiramel Mankidiyan wurde am 26. April 1876 in Puthenchira im südindischen Bundesstaat Kerala geboren. Aus ihrer Familie, die der mit Rom unierten syro-malabarischen Kirche angehörte, waren bereits über Generationen zahlreiche Priester und Ordensschwestern hervorgegangen. Ihre Mutter Thanda erzog Thresia und ihre vier Geschwister liebevoll im Glauben. Sie erzählte ihnen biblische Geschichten und aus dem Leben der Heiligen, so dass Thresia von Kindheit an ein starkes Bewusstsein dafür entwickelte, in die überirdische Welt eingebunden zu sein. Schon als Schulkind fastete sie und betete mehrmals täglich den Rosenkranz. Mit zehn Jahren legte sie ein Keuschheitsgelübde ab und wollte nur noch „Mariam Thresia“ genannt werden, da die Gottesmutter ihr dies aufgetragen habe.

Ein tiefer Einschnitt in ihrem Leben war der Tod ihrer Mutter Thanda in ihrem 12. Lebensjahr. Die einst wohlhabende Familie war zunehmend verarmt; ihr Vater wurde Alkoholiker. Da sie die Schule verlassen musste, wandte sie sich verstärkt der Mitarbeit in der Pfarrgemeinde zu, putzte die Kirche und besuchte kranke Menschen, die sie pflegte, auch wenn diese von ansteckenden Krankheiten wie Pocken oder Lepra befallen waren. Sie tat Buße und fastete für die Bekehrung der Sünder und war mystisch begabt, hatte häufige Ekstasen und empfing sogar die Wundmale Christi. Gleichzeitig litt sie unter heftigen Angriffen dämonischer Mächte, so dass sie durch den Ortspfarrer Joseph Vithayathil einem Exorzismus unterzogen wurde. Dieser – er wurde 2015 zum Ehrwürdigen Diener Gottes erklärt – war ab 1902 Mariam Thresias geistlicher Begleiter; sie stellte ihr ganzes Leben unter seine Führung.

1914 begann sie kontemplatives Leben im Orden der "Holy Family"

1903 bat Mariam Thresia den Erzbischof von Trichur, Mar John Menachery, um die Erlaubnis, eine Einsiedelei für sich und drei Gefährtinnen, die ihre karitative Arbeit unterstützten, zu gründen. Der Erzbischof empfahl ihr stattdessen, in einen kontemplativen Orden einzutreten. Sie ging zu den Klarissen und anschließend zu den Karmelitinnen, fand aber bei beiden nicht ihre wahre Berufung, so dass der Erzbischof 1913 schließlich ihrem Wunsch zustimmte. Am 14. Mai 1914 ordnete er die kanonische Errichtung des Ordens der „Holy Family“ an. Mariam Thresia und ihre Gefährtinnen sollten ein kontemplatives Leben führen, aber gleichzeitig die karitative Arbeit fortsetzen. Er gab ihnen die Regel und die Konstitutionen der Schwestern von der Heiligen Familie von Bordeaux, die er den örtlichen Verhältnissen angepasst hatte. In folgenden Jahren entfaltete Mariam Thresia eine intensive apostolische Tätigkeit insbesondere im Bereich der Mädchenerziehung, gründete Schulen, Waisenhäuser und Internate. Viele junge Frauen schlossen sich der neuen Kongregation an.

Im Juni 1926 kam es zu einem folgenschweren Unfall

Im Juni 1926 kam es zu einem folgenschweren Unfall: Mariam Thresia kniete während einer Einkleidungsfeier vor dem Altar bei der Kommunionbank, als diese durch den Menschenandrang eingedrückt wurde und ein Teil der schweren Konstruktion sie am Bein verletzte. Da sie Diabetikerin war, kam es zu Komplikationen. Sie starb am 8. Juni 1926 und wurde in der Kapelle ihres Ordenshauses beigesetzt. Bald wurden Berichte von Wunderheilungen auf ihre Fürsprache hin bekannt. Johannes Paul II. sprach die Mutter Teresa Brasiliens im Jahr 2000 selig. Ihr liturgischer Gedenktag ist der 8. Juni.