Würzburg

15. August: Der selige Claudio Granzotto

Riccardo Granzotto war schon in seiner Studienzeit ein begabter und hochgelobter Bildhauer. Seine Karriere scheiterte schließlich an den Faschisten. So nahm er einen anderen Lebensweg.

15. August: Der Wochenheilige Der selige Claudio Granzotto

Im Nordosten der Stadt Rom liegt das „Foro Italico“, ein Komplex aus Sportanlagen, der auf Wunsch von Mussolini zwischen 1928 und 1938 errichtet wurde, im Hinblick auf die Bewerbung Italiens für die geplanten Olympischen Spiele 1940. Das Herzstück der Anlage bildet das „Stadio dei Marmi“, das rundherum von 59 Monumentalstatuen aus weißem Carrara-Marmor gesäumt ist, die verschiedene Athleten darstellen. Jede Statue wurde von einer anderen italienischen Provinz gestiftet, wofür diese Wettbewerbe veranstalteten. Der Künstler, der den besten Entwurf vorlegte, erhielt den Auftrag und einen mit zehntausend Lire (etwa neuntausend Euro dotierten Preis.

Für die Provinz Treviso gewann der „Ballspieler“ des 29-jährigen Bildhauers Riccardo Granzotto. Da dieser jedoch kein Mitglied der Faschistischen Partei war und sich auch weigerte, in sie einzutreten, wurde ihm der Gewinn aberkannt; der „Ballspieler“ wurde nie umgesetzt. Stattdessen erwarb Granzotto wenig später ein anderes „Parteibuch“: Er trat in den Franziskanerorden ein, wo er den Ordensnamen „Claudio“ erhielt.

Am 23. August 1900 als siebtes Kind eines armen Weberehepaars in Santa Lucia di Piave bei Treviso in der norditalienischen Region Venezien geboren, zeigte Riccardo Granzotto schon früh künstlerische Begabung. Diese konnte zunächst nicht gefördert werden, da er sich nach dem frühen Tod des Vaters als Schuster und Maurer verdingen musste. Von 1917 bis 1921 leistete er Militärdienst, großenteils im Albanienkrieg. Dort fertigte er zahlreiche Aquarellarbeiten und kleine Tonskulpturen, die er mit nach Hause nahm. Als sein Heimatpfarrer die Arbeiten sah, war er davon so beeindruckt, dass er ihm half, einen Studienplatz an der Akademie der Schönen Künste in Venedig zu bekommen und auch eine Finanzierungsmöglichkeit als Mitarbeiter der für die Instandhaltungsarbeiten am Dogenpalast zuständigen Behörde. 1929 schloss er das Studium mit Auszeichnung ab.

Bereits während seiner Studienzeit fertigte er Skulpturen an, die in der Kunstwelt große Beachtung fanden, darunter ein monumentales Weihwasserbecken, getragen von einer Gottesmutter, die den Kopf des Drachen zertritt; Kunstexperten urteilten, dass dieses Werk der großen Renaissancekünstler würdig gewesen wäre.

Existenzkrise und neuer Lebensweg

Die Aberkennung des Gewinns im Wettbewerb um den „Ballspieler“ war für Granzotto, der in seiner Heimat inzwischen großes Ansehen als Kunstprofessor gewonnen hatte, ein harter Schlag, der zu einer tiefen Existenzkrise führte. Gleichzeitig wandte er sich unter dem Einfluss eines Franziskaners, der in seiner Heimatpfarrei predigte, verstärkt dem religiösen Leben zu; am 7. Dezember 1933 trat er in Vittorio Veneto in den Franziskanerorden ein.

Er traf von Anfang an die Entscheidung, Laienbruder zu bleiben, da er sich nicht für würdig hielt, die Priesterweihe zu empfangen. Als Ordensbruder diente er in der Messe und widmete sich der Krankenpflege und der Unterstützung der Armen, besonders in den schweren Jahren des Zweiten Weltkriegs. Oft zog er durch die Orte, um Geld und Nahrung für die Armen zu erbetteln. Daneben setzte er im Auftrag des Ordens seine Tätigkeit als Bildhauer fort und schuf sakrale Kunstwerke, die heute noch in Kirchen seiner norditalienischen Heimat zu bewundern sind.

Bruder Claudio hatte eine tiefe eucharistische Spiritualität. Wenn er bei der Messe diente, bot er sich selbst als Opfer dar und erlebte die heilige Handlung mit einer Tiefe, die auf die zelebrierenden Priester und die Gemeinde ausstrahlte und die Bewunderung erweckte. Später fand sich in seinem Nachlass ein Zettel, auf den er geschrieben hatte: „Priester, wie groß ist deine Würde! Feiere die Messe mit frommer Hingabe. Von der Messe hängt das Heil der Welt ab.“

Im Alter von nur 47 Jahren erkrankte Bruder Claudio an einem Gehirntumor. Er fühlte sein Ende nahen und sagte, dass er am Hochfest Mariä Himmelfahrt heimgehen werde. Tatsächlich starb er am 15. August 1947. Er wurde bei einer von ihm selbst geschaffenen Lourdes-Grotte in Chiampo beigesetzt; sein Grab wurde schnell zum Wallfahrtsort. Bruder Claudio Granzotto wurde 1994 von Johannes Paul II. seliggesprochen.