Ragusa

12. Juni: Die selige Maria Candida von der Eucharistie OCD

Die selige Maria Candida von der Eucharistie hat einen entscheidenden Betrag zum Wiederaufblühen des Karmels auf Sizilien nach der Unterdrückung der Orden im ausgehenden 19. Jahrhundert geleistet.

Maria Candida
Die selige Maria Candida von der Eucharistie. Foto: IN

Die sizilianische Stadt Ragusa gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe „Spätbarocke Städte des Val di Noto“. Hier befindet sich unter dem Hauptaltar der Kirche „Santa Teresa di Gesù“ das Grab der seligen Maria Candida von der Eucharistie, die einen entscheidenden Betrag zum Wiederaufblühen des Karmels auf Sizilien nach der Unterdrückung der Orden im ausgehenden 19. Jahrhundert geleistet hat. Ihr Gedenktag ist der 12. Juni.

Maria Barba, so ihr bürgerlicher Name, wurde am 16. Januar 1884 in einer angesehenen Familie im sizilianischen Catanzaro geboren. Ihr Vater war Richter am Appellationsgerichtshof, ihre Mutter führte den Haushalt und erzog ihre zwölf Kinder, von denen fünf bereits in frühem Alter starben. Die zweitjüngste Tochter Maria zeichnete sich von Kindheit an durch große Frömmigkeit aus, in deren Mittelpunkt die Eucharistie stand.

Mit 15 fühlte sie sich zum Karmel hingezogen

Schon vor der Erstkommunion erwartete sie sehnsüchtig einen Kuss ihrer Mutter, wenn diese die Kommunion empfangen hatte, um so „etwas von Jesus“ übertragen zu bekommen. Mit 15 Jahren – die Familie war in der Zwischenzeit nach Palermo übergesiedelt – las sie die Autobiografie der Heiligen Therese von Lisieux und fühlte sich seitdem zum Karmel hingezogen, stieß aber auf den Widerstand ihrer Familie, für die das Klosterleben nicht mit ihrem hohen gesellschaftlichen Stand vereinbar war.

Nach dem Tod der Eltern übten ihre älteren Geschwister Autorität über Maria aus. Sie missbilligten die „Bigotterie“ ihrer kleinen Schwester und ließen sie nicht allein aus dem Haus gehen, so dass es Maria nicht möglich war, täglich die heilige Messe zu besuchen. Obwohl sie unter dem Unverständnis der Geschwister litt, fügte sie sich zunächst deren Willen und kümmerte sich um den großbürgerlichen Haushalt, blieb aber unverheiratet. Erst am 13. November 1911, mit 27 Jahren, empfing sie heimlich die Firmung. Am Fest der Kreuzerhöhung 1919 verließ Maria schließlich Palermo mit Hilfe einiger Ordensschwestern, um in den Karmel in Ragusa einzutreten. Ihre Familie verabschiedete sich nicht von ihr, und auch später kam keines ihrer Geschwister sie jemals im Kloster besuchen.

Zunächst fiel es der mittlerweile 35-jährigen Maria schwer, sich in das Ordensleben einzugewöhnen, vom frühen Aufstehen um 4.30 Uhr morgens über die kargen Mahlzeiten bis hin zum Gemeinschaftsleben. Sie fügte sich jedoch in die ungewohnte Härte, da sie sich ihrer Berufung in den Karmel sicher war. Während der Einkehrtage vor ihrer Einkleidung im April 1920 bat sie den Herrn um einen Ordensnamen, der sie „läutern und die Reinheit zum Ausdruck bringen“ sollte, und freute sich, als sie den von der Priorin und der Novizenmeisterin gewählten Namen „Maria Candida (,die Reine‘) von der Eucharistie“ empfing. Sie betrachtete es als Ruf, dem eucharistischen Jesus durch die Hingabe ihres Lebens immer ähnlicher zu werden.

Sechs Monate nach dem Gelübde zur Priorin gewählt

Bereits sechs Monate nach den ewigen Gelübden, die sie 1924 ablegte, wurde Maria Candida zur Priorin des Klosters gewählt und blieb mit einer kurzen Unterbrechung 20 Jahre lang in diesem Amt. Zunächst sorgte sie dafür, dass ihr eigener Konvent ein neues Kloster in Ragusa bekam, da die alten Räumlichkeiten zu beengt waren. Dann rief sie drei weitere ehemalige sizilianische Klöster wieder ins Leben und holte 1946 auch den männlichen Zweig des Theresianischen Karmels, der im 19. Jahrhundert im Rahmen der Säkularisierung die Insel verlassen musste, wieder nach Sizilien zurück.

Mutter Maria Candida starb am 12. Juni 1949, dem Trinitätssonntag, an einem Lebertumor. In der folgenden Nacht wurde eine Mitschwester, die seit Jahren an einem schmerzhaften Ekzem an einem Fuß litt, vollständig geheilt. Diese Wunderheilung, zu der später noch weitere hinzukamen, lag der Seligsprechung von Mutter Maria Candida am 21. März 2004 auf dem Petersplatz in Rom zugrunde.

„Für mich geschieht nichts aus Zufall“, schrieb Mutter Maria Candida in einer ihrer Schriften über die eucharistische Spiritualität. „Meine Geburt, mein Name, meine Familie, die Lebensumstände in jedem Alter, meine Erziehung: Alles lässt mich eine Welle der Gnade und die liebevollen Ziele meines Gottes erkennen.“

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