Vienne

11. Mai: Der heilige Mamertus von Vienne

Die Tage der "Eisheiligen" vom 11. bis zum 15. Mai, gelten als Zeitraum, in dem eine zu frühe Saat noch durch Bodenfrost zerstört werden kann. Der erste "Eisheilige" am 11. Mai ist "Mamerz": der heilige Bischof Mamertus von Vienne, der im 5. Jahrhundert lebte.

Der heilige Mamertus von Vienne
Mamertus wurde um 400 in Vienne im damals römischen Südgallien geboren. Foto: Archiv

„Mamerz hat ein kaltes Herz“: Einige Heiligengedenktage sind in Form von Bauernregeln bekannt, die helfen sollen, den richtigen Zeitpunkt für die Bestellung der Felder, Aussaat und Ernte zu bestimmen. Zu ihnen gehören die „Eisheiligen“: die Tage vom 11. bis zum 15. Mai, in denen eine zu frühe Saat noch durch Bodenfrost zerstört werden kann. Der erste „Eisheilige“, am 11. Mai, ist „Mamerz“: der heilige Bischof Mamertus von Vienne, der im 5. Jahrhundert lebte.
Mamertus wurde um 400 in Vienne im damals römischen Südgallien geboren. Bereits um das Jahr 100 gab es in Vienne eine christliche Gemeinde; im 3. Jahrhundert wurde es Bischofssitz. Da von Mamertus keine Vita verfasst wurde, wissen wir fast nichts über sein Leben vor seiner Wahl zum Bischof seiner Heimatstadt im Jahr 461. Bekannter ist sein jüngerer Bruder Claudianus Mamertus, ein bedeutender christlicher Philosoph, der als geistiger Schüler des heiligen Augustinus maßgeblich an der Entwicklung der Seelenmetaphysik beteiligt war. Daneben unterstützte er seinen Bruder sehr tatkräftig in der caritativen Tätigkeit.

Auf Mamertus geht die Einführung der „Bittwoche“ vor Christi Himmelfahrt zurück

Im selben Jahr, in dem Mamertus sein Bischofsamt antrat, verstarb in Rom Leo der Große, einer der bedeutendsten Päpste der Kirchengeschichte, der wichtige dogmatische Fragen geklärt und kirchenpolitische Reformen durchgeführt hatte. Unter anderem hatte er die Bistümer in Südgallien neu geordnet und dabei das unweit von Vienne gelegene Bistum Dié dem Metropoliten von Arles unterstellt. Als im Jahr 463 Petronius, der Bischof von Dié, starb, wurde dessen Bruder Marcellus durch Akklamation durch das Volk zu seinem Nachfolger ernannt. Mamertus nahm die Bischofsweihe vor, unter Missachtung der Rechte des Metropoliten. Der Fall wurde vor Papst Hilarius gebracht mit der Anklage, Mamertus habe dem Bistum einen eigenen Kandidaten aufzwingen wollen. Mamertus erhielt zwar aus Rom zunächst eine scharfe Rüge für sein eigenmächtiges Vorgehen, aber in einem zweiten Brief erkannte Papst Hilarius an, dass Marcellus eine gute Wahl für das Bischofsamt gewesen sei.

Auf Mamertus geht vor allem die Einführung der „Bittwoche“ vor Christi Himmelfahrt zurück, in der noch heute, vor allem im ländlichen Raum, Bittprozessionen für eine gute Ernte und zur Abwendung von Unwettern und Not durchgeführt werden. Flure und Äcker in einer Prozession zu „umgehen“ ist ein sehr alter Brauch, der wahrscheinlich heidnische Wurzeln hat. Schon in den ersten Jahrhunderten wurden von den Christen außerdem Prozessionen zur Beendigung der Pest oder anderer Epidemien durchgeführt. Diese Prozessionen waren jedoch zunächst formlos, wurden ohne Ordnung durchgeführt und lösten sich wieder auf, wenn die Teilnehmer ermüdeten und die Prozession verließen. Als die Stadt Vienne im Jahr 474 von mehreren Katastrophen wie Erdbeben und Feuersbrünsten heimgesucht wurde, rief Mamertus drei Sühnetage vor Christi Himmelfahrt aus, an denen ein allgemeines Fasten gehalten werden und Bittprozessionen stattfinden sollten. Für diese Prozessionen legte der Bischof zum ersten Mal ein verbindliches Ritual fest, so dass es nicht nur einen offiziellen Beginn, sondern auch einen geregelten Ablauf und einen feierlichen Abschluss gab. Sein Beispiel machte schnell Schule, und so verbreitete sich Mamertus' Ritual für die Bittprozessionen auch in anderen Diözesen.

Früh wurde von Wundern an seinem Grab berichtet

Im Jahr 511 wurden die drei Bitttage vor Christi Himmelfahrt in allen Diözesen Galliens verbindlich, im Jahr 800 übernahm Papst Leo III. sie für die Weltkirche, jedoch unter Verzicht auf das Fastengebot. Die Bittgänge entwickelten sich später im Zuge der Gegenreformation zu eucharistischen Prozessionen unter Mitführung des Allerheiligsten.

Mamertus starb um 477; schon früh wurde von Wundern an seinem Grab in der Petruskirche von Vienne berichtet. Im 7. Jahrhundert wurden seine Reliquien nach Orléans überführt; 1563 wurden sie von Calvinisten zerstört. Mamertus' Sarkophag in Vienne wurde 1860 wiederentdeckt und ist in der Petruskirche zu sehen, die heute ein archäologisches Museum ist.

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