Würzburg

11. Oktober: Der heilige Meinhard von Livland

1986 nahm Johannes Paul II. den Missionar Meinhard von Livland offiziell unter die Heiligen der katholischen Kirche auf.

Meinhard von Livland
Der heilige Meinhard von Livland. Foto: (206372529)

Im Zentrum des holsteinischen Ortes Bad Segeberg steht die evangelisch-lutherische Marienkirche, die älteste dreischiffige Gewölbekirche aus Backstein im norddeutschen Raum. Vor der Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts war sie über 300 Jahre lang das Zentrum einer Klosteranlage der Augustiner-Chorherren gewesen. Diese wirkten seit dem 12. Jahrhundert als Missionare in dem von heidnischen Slawen besiedelten Gebiet. Zu den frühen Missionaren – er hat den Bau der Marienkirche wohl noch selbst miterlebt – gehört der heilige Meinhard, der aufgrund seines Wirkens im Baltikum den Beinamen „von Livland“ trägt. Seine Bischofsweihe im Jahr 1186 gilt als der Beginn der Kirche in Lettland und gleichzeitig als Ausgangspunkt der Bildung der lettischen Nation, in der er von Anfang an als Heiliger verehrt wurde. 1986, anlässlich des 800. Jahrestages der Christianisierung Lettlands, nahm Johannes Paul II. ihn in Riga offiziell feierlich unter die Heiligen der katholischen Kirche auf.

Über Meinhards Herkunft und seine Jugend ist nichts bekannt. Er dürfte als junger Mann noch den heiligen Vizelin, den Apostel der holsteinischen Slawen, kennengelernt haben und trat, vielleicht unter dessen Einfluss, in das neugegründete Augustiner-Chorherren-Stift auf dem Segeberger Kalkberg ein, wo er seine Ordensprofess ablegte.

Es war eine Zeit, die von großem Missionseifer geprägt war gegenüber den Völkern, die hier am Rande des Heiligen Römischen Reiches lebten und die auf Evangelisierungsversuche bislang meist ablehnend, oft sogar gewalttätig reagiert hatten. Auch die Segeberger Marienkirche war mehrmals niedergebrannt worden, bevor man von Holzkonstruktionen zum Backsteinbau überging. Gleichzeitig gab es rege Handelsverbindungen über die Ostsee mit den baltischen Staaten, aus denen vor allem kostbare Pelze importiert wurden. Nachdem Meinhard von Lübecker Kaufleuten die Geschichten von den heidnischen Liven gehört hatte, die in Livland, auf dem Gebiet des heutigen Estland und Lettland, siedelten, wuchs in ihm der Wunsch, ihnen das Evangelium zu bringen. Bereits in fortgeschrittenem Alter schiffte er sich auf einer Lübecker Handelskogge ein, um unter den Liven Missionsarbeit zu leisten. In Uexküll, heute Ikškile in Lettland, ließ er 1185 eine steinerne Kirche erbauen – einer der ersten Steinbauten im Baltikum überhaupt – und wurde anschließend von Erzbischof Hartwig II. von Bremen-Hamburg zum Bischof von Livland geweiht; die Weihe wurde von Papst Clemens III. bestätigt. Reste des Bischofshauses, von dem aus Meinhard – mit friedlichen Mitteln, wie die Quellen übereinstimmend berichten –, die Evangelisierung der Liven vorantrieb, sind noch heute in dem etwa 30 Kilometer von Riga entfernten Ort zu sehen.

Nach ersten Erfolgen in der Livland-Mission kam es jedoch zu Rückschlägen, so dass Meinhard sich veranlasst sah, in Rom um Hilfe zu bitten. Papst Coelestin III. rief einen Livland-Kreuzzug aus, um die dortige Mission zu unterstützen. Noch bevor die Unterstützung eintraf, starb Meinhard jedoch, verbittert über das vermeintliche Scheitern seiner Mission, am 11. Oktober 1196. Meinhards Nachfolger Berthold fand im Livland-Kreuzzug den Tod. Erst der dritte Bischof von Livland, Albert von Buxthoeven, konnte das Blatt wenden. Er verlegte den Bischofssitz in das neugegründete Riga und ließ auch Meinhards Reliquien in die dortige Kathedrale überführen. Noch heute befindet sich im Dom zu Riga – der wie die Segeberger Marienkirche seit der Reformation evangelisch-lutherisch ist – Meinhards Grab, zusammen mit dem ersten Taufstein aus der Kirche in Uexküll.

Im Martyrologium Romanum heißt es zum 11. Oktober: „In Riga an der Ostsee Gedenktag des heiligen Bischofs Meinhard, der zunächst Mönch in Deutschland war und sich in bereits fortgeschrittenem Alter aufmachte, um das lettische Volk zu evangelisieren; er baute die Kirche in Uexküll und legte, zum Bischof geweiht, die Grundlagen für den christlichen Glauben in dieser Region.“