Würzburg

11. August: Der selige Luigi Biraghi

Als Bibliothekar der weltberühmten Mailänder "Bibliotheca Ambrosiana" war Luigi Biraghi nicht nur umfassend gebildet. Er erkannte auch die Notwendigkeit der Volksbildung.

Antiquariat «Tresor am Römer» in Frankfurt am Main
Der selige Luigi Biraghi war im 19. Jahrhundert Bibliothekar der Mailänder "Bibliotheca Ambrosiana". Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Die „Bibliotheca Ambrosiana“ in Mailand, die 1607 von Kardinal Federico Borromeo gegründet wurde, ist eine der bedeutendsten Kultureinrichtungen weltweit. Sie ist im Besitz von über einer Million Büchern – Tausende davon aus der Anfangszeit des Buchdrucks – sowie von Handschriften, Kunstwerken und Raritäten von unschätzbarem Wert, darunter Werke von Rafael, Leonardo da Vinci und anderen Meistern. Unter den Bibliothekaren waren bedeutende Männer der Kirche, wie der Priester Lodovico Antonio Muratori, der Vater der italienischen Geschichtswissenschaft, Achille Ratti, der spätere Papst Pius XI., und der 2006 seliggesprochene Luigi Biraghi, dessen Gedenktag die Kirche am 11. August feiert.

Luigi Biraghi wurde am 2. November 1801 als fünftes von acht Kindern eines Landpächterehepaars in Vignate bei Mailand geboren. Er trat mit 12 Jahren in das Knabenseminar ein und wurde am 28. Mai 1825, mit 23 Jahren, im Mailänder Dom zum Priester geweiht. Anschließend unterrichtete er an verschiedenen Priesterseminaren der Erzdiözese und wurde 1833 zum Spiritual des Priesterseminars von Mailand ernannt.

Er besaß große geistliche Tiefe, gepaart mit umfassender Bildung. Seine Leidenschaft galt insbesondere den Kirchenvätern und der Archäologie. Er war an den Restaurierungsarbeiten der frühchristlichen Basilika „Sant’Ambrogio“ in Mailand beteiligt, bei denen die Reliquien des heiligen Ambrosius zutagegefördert wurden. 1855 wurde er in das wissenschaftliche Leitungsgremium der „Biblioteca Ambrosiana“ berufen und war ab 1864 ihr Vizepräfekt. Auf persönliche Bitte Papst Pius‘ X., der ihn sehr schätzte, wirkte er 1862 als Vermittler und Friedensstifter unter dem Mailänder Klerus, als dieser in zwei Parteien gespalten war: auf der einen Seite die Unterstützer der sich anbahnenden nationalen Einheit Italiens, und auf der anderen jene, die die weltliche Herrschaft der Päpste verteidigten.

Gleichzeitig erkannte Biraghi die Notwendigkeit der Volksbildung. In dieser Hinsicht wurde seine Begegnung mit einer jungen Frau auf einer von ihm gehaltenen geistlichen Einkehr in Mailand entscheidend: Marina Videmari hatte den Wunsch, Klausurschwester zu werden, wurde aber durch verschiedene Lebensumstände daran gehindert. Er erkannte ihre Berufung zum apostolischen Ordensleben und bat sie, eine Novene zum heiligen Ambrosius und seiner Schwester, der heiligen Marcellina, zu beten, um Licht zu erhalten. Am Ende erklärte sie sich bereit, Biraghis geistlichen Rat anzunehmen und ihre abgebrochenen Studien wieder aufzunehmen, um sich auf eine Tätigkeit als Lehrerin vorzubereiten. Gleichzeitig fand Biraghi einige weitere junge Frauen für sein Projekt, eine weibliche Kongregation für die menschliche, christliche und kulturelle Bildung junger Frauen aus dem bürgerlichen Umfeld zu gründen. So entstanden am 22. September 1838 die „Schwestern von der heiligen Marcellina“, deren erste Generaloberin Marina Videmari wurde.

Biraghi kümmerte sich mit großem Einsatz um die geistliche Bildung der Schwestern und die Organisation des Instituts, das rasch anwuchs. Heute führt die Kongregation mehrere Schulen in Europa, Mittel- und Südamerika und Afrika. Im Winter des beginnenden Jahres 1879 begannen für Luigi Biraghi schwere gesundheitliche Probleme. Im darauffolgenden Sommer reiste er nach Chambéry am Fuße der Savoyer Alpen, um sich zu erholen. Wenige Tage nach seiner Rückkehr nach Mailand zwangen schwere Herzprobleme ihn auf das Krankenbett, wo er die Tage bis zu seinem Tod im Gebet verbrachte und Besucher empfing. Am 11. August 1879 bekam er die Letzte Ölung und verstarb kurz darauf. Sein Grab befindet sich in der Kapelle des Mutterhauses der „Schwestern von der heiligen Marcellina“ in Cernusco bei Mailand. Seine für 2005 vorgesehene Seligsprechung auf dem Petersplatz in Rom musste durch den Tod von Papst Johannes Paul II. auf das folgende Jahr verschoben werden und fand aufgrund eines neuen Dekrets Benedikts XVI. für die Seligsprechungen im Mailänder Dom statt.