Schelde

10. Juni: Der selige Eduard Poppe

Eduard Poppe wurde 1999 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen; sein Gedenktag ist der 10. Juni.

Eduard Poppe
Eduard Poppe starb am 10. Juni 1924 im Alter von nur 33 Jahren im Kloster Moerzeke an einem Schlaganfall. Foto: imagomundi

25 Kilometer südwestlich von Antwerpen liegt der Ort Temse an der Schelde. Hier steht unweit der Schelde-Brücke ein weißes Gebäude mit grüner Eingangstür, neben der sich eine Statue der Gottesmutter über einem zierlichen neugotischen Fenster befindet. Eine Inschrift an der Fassade besagt, dass in diesem Haus am 18. Dezember 1890 der Priester Eduard Poppe geboren wurde. Er wurde 1999 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen; sein Gedenktag ist der 10. Juni.

Eduard Poppe war das dritte von elf Kindern eines Bäckerehepaars. Als er 14 Jahre alt war, sollte er eine Bäckerlehre beginnen, um das Geschäft später zu übernehmen. Als Eduard seinen Eltern gestand, sich zum Priesteramt berufen zu fühlen, sagte der Vater nach einer Weile betretenen Schweigens: „Wir dürfen nicht egoistisch sein. Gott hat uns unsere Kinder nicht für uns selbst geschenkt.“

Mit 15 Jahren Eintritt ins Knabenseminar

So trat Eduard mit 15 Jahren in das Knabenseminar des Bistums Gent im ostflandrischen Sint-Niklaas ein. Als sein Vater im Jahr darauf starb, wollte er nach Hause zurückkehren, um der Mutter zu helfen, aber diese lehnte es ab, da ihr Mann ihr auf dem Totenbett das Versprechen abgenommen hatte, Eduard Priester werden zu lassen. Später schlugen noch sechs weitere Geschwister denselben Weg ein: Ein Bruder wurde ebenfalls Priester, fünf Schwestern Ordensfrauen.
Sein Studium an der Katholischen Universität in Löwen, das Eduard 1910 aufnahm, musste er zweimal unterbrechen. Erst wurde er für zwei Jahre zum Militärdienst eingezogen, dann musste er ein Jahr als Sanitäter im Ersten Weltkrieg dienen. Als er am 1. Mai 1916 die Priesterweihe empfing, war er durch diese Erfahrungen im Glauben gewachsen. Außerdem war er im Studium drei Heiligen begegnet, die seine Spiritualität nachhaltig beeinflussten: Louis-Marie Grignion de Monfort, dessen Schriften ihm eine tiefe Liebe zur Gottesmutter vermittelten; Therese von Lisieux mit ihrem „kleinen Weg“; und Antoine Chevrier, dem „Priester der Armen“.

Zu Eduard Poppes erster Pfarrgemeinde in Gent gehörten viele Arbeiterfamilien, die unter dem Einfluss sozialistischer und antiklerikaler Ideen der Kirche den Rücken gekehrt hatten. Geduldig wandte er sich den Familien zu, suchte arme und kranke Menschen zuhause auf und wartete an den Toren der Fabriken, um ein freundliches Wort mit den Arbeitern zu wechseln. So gelang es ihm, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, und er konnte den Kindern, die sich häufig verwahrlost auf der Straße herumtrieben, Katechismusunterricht erteilen. Dabei lehrte er sie vor allem, Ehrfurcht vor der Eucharistie zu haben sie möglichst häufig zu empfangen. Er bildete Katechetinnen aus und schrieb 1917 ein „Handbuch für die eucharistische Katechese“, gemäß den Weisungen des heiligen Papstes Pius X. So entstand unter den katholischen Kindern und Jugendlichen in Belgien die Bewegung „Eucharistischer Kreuzzug Pius X.“.

Herzinfarkt mit nur 29 Jahren

1918 kam Poppe als geistlicher Berater in ein Schwesternkloster in Moerzeke, wo er weitere katechetische Werke verfasste. 1919, mit nur 29 Jahren, erlitt er einen Herzinfarkt, der ihn über Monate ans Bett fesselte. Während dieser Zeit wandte er sich in seinen Schriften und in seiner Korrespondenz vorwiegend der Heiligung der Priester zu. „Ich habe nie darum gebeten, alt zu werden“, pflegte er zu sagten, „sondern nur darum, dass die Menschen Gott wieder lieben und die Priester sich durch ihr Leben heiligen“.

Die Heiligung der Priester stand auch im Mittelpunkt von Poppes letzter Tätigkeit als Spiritual am Priesterseminar in Leopoldsburg. „Man klagt darüber, dass es zu wenig Priester gibt“, schrieb er. „Das stimmt nicht. In Wahrheit gibt es zu wenig heilige Priester. Wenn wir durch unser Opfer jedes Jahr auch nur einen heiligen Priester hervorbringen würden, dann wäre in kurzer Zeit die ganze Welt geheiligt.“ Eduard Poppe starb am 10. Juni 1924 im Alter von nur 33 Jahren im Kloster Moerzeke an einem Schlaganfall.

Zu seinem 100. Geburtstag wurde in seinem Geburtshaus in Temse ein Museum eingerichtet. Das „Priester Poppemuseum“ kann von Mitte Juni bis Mitte September an jedem Samstag von 14 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .