Dachau

08. Dezember: Der selige Alojzy Liguda SVD

Alojzy starb am 8. Dezember 1942 im KZ-Dachau bei einem Eiswasser-Experiment. 1999 sprach ihn Johannes Paul II. selig.

08. Dezember: Der Wochenheilige Der selige Alojzy Liguda SVD
Am 8. Dezember 1942 wurde Alojzy Liguda SVD zusammen mit neun weiteren Invaliden für das Eiswasser-Experiment ausgewählt und starb qualvoll.

Am 9. Dezember 1946 begann der Nürnberger Ärzteprozess, in dem zwanzig Ärzte und drei Mitarbeiter angeklagt wurden, grausame Experimente an KZ-Häftlingen vorgenommen und unzählige ermordet zu haben. Einer der Hauptverantwortlichen, der in Dachau und Auschwitz tätige Arzt Sigmund Rascher, war bereits verstorben, aber seine Experimente waren dennoch Gegenstand in den Prozessen. Unter anderem hatte er am Abend des 8. Dezember 1942 zehn Gefangene in Eiswasser werfen lassen, wobei alle ums Leben kamen. Unter ihnen war der Steyler Missionar Alojzy Liguda, der 1999 zusammen mit 107 weiteren polnischen Märtyrern des Nationalsozialismus von Johannes Paul II. seliggesprochen wurde.

Alojzy Liguda wurde am 23. Januar 1898 in Winau bei Oppeln, der historischen Hauptstadt von Oberschlesien, in einer deutschstämmigen Familie geboren. Durch die Lektüre von Missionszeitschriften begeisterte er sich für ein Leben in fernen Kontinenten und trat mit fünfzehn Jahren in das Kleine Seminar der Steyler Missionare ein; am 26. Mai 1927 wurde er zum Priester geweiht. Seine Ordensoberen sandten ihn jedoch nicht als Missionar nach China oder Neuguinea, wie es sein Traum gewesen war, sondern als Lehrer für Geschichte und Polnisch an eine Schule in das westpreußische Gorna Grupa, wo er kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Rektor ernannt wurde.

Mit vielen anderen polnischen Geistlichen deportiert

Gleich nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen am 1. September 1939 wurde die Schule geschlossen und alle Ordensbrüder im Missionshaus interniert; hinzu kamen in den folgenden Wochen etwa 80 weitere polnische Priester und Seminaristen. Einer von ihnen schrieb später: „Am 11. November 1939 fuhr ein Bus vor und nahm fünfzehn Priester und zwei Seminaristen aus der Diözese Wloclawek mit. Pater Liguda erhob Einspruch, ohne den Abtransport verhindern zu können. Später erfuhren wir, dass die Verschleppten in einem nahen Wald erschossen wurden. Wieder war es Pater Liguda, der uns Trost und neuen Mut machte. Dabei ließ er keinen Zweifel, dass er sich der ernsten Lage wohl bewusst war. Typisch für diese Situation und charakteristisch für unseren Rektor ist ein Bildchen, das er Weihnachten seiner Familie schickte. Voran schreitet Christus mit einem Kreuz, ihm folgt eine Schar Priester: alle mit einem Kreuz.“

Am 5. Februar 1940 wurden die Gefangenen in ein Lager bei Danzig gebracht, wo Hunger, Zwangsarbeit und Misshandlung an der Tagesordnung waren. Hier sorgte Pater Liguda dafür, dass am Gründonnerstag die Messe gefeiert und die Kommunion ausgeteilt werden durfte – für viele Priester die letzte Wegzehrung. Dann kam er über Stutthof nach Sachsenhausen, wo er Mitgefangenen Deutschunterricht erteilen sollte. Dabei versuchte er, ihren Lebensmut durch Humor zu stärken.

Unterdessen bemühten sich die Steyler Missionare um eine Freilassung von Pater Liguda unter Hinweis auf seine deutsche Abstammung. Als er jedoch sagte, er sei Pole und wolle Pole bleiben, wurde er im Dezember 1940 nach Dachau transportiert.

„Wenn ihr erfahrt, dass ich tot bin, dann sollt ihr wissen,
dass sie einen gesunden Menschen ermordet haben.“

Als nach Weihnachten eine Krätze-Epidemie ausbrach, wurde er als Ordner in der Seuchenbaracke eingesetzt und versuchte, die Kranken, die an Kälte und Hunger litten, vor zusätzlichen Schikanen zu bewahren. Als ein SS-Mann merkte, dass jemand geraucht hatte, nahm Pater Liguda die Schuld auf sich und wurde dafür zusammengeschlagen.

Dann erkrankte Pater Liguda an Tuberkulose und kam auf die Krankenstation. Nach der Entlassung wurde er den Invaliden zugeordnet, was einem Todesurteil gleichkam. Einem Lagersekretär vertraute er an: „Wenn ihr erfahrt, dass ich tot bin, dann sollt ihr wissen, dass sie einen gesunden Menschen ermordet haben.“

Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis er am 8. Dezember 1942 zusammen mit neun weiteren Invaliden für das Eiswasser-Experiment ausgewählt wurde und qualvoll starb. Im Lager ging das Gerücht um, ihm sei vorher bei lebendigem Leib die Haut aufgeschlitzt worden, als Racheakt eines Lagerkapos, den Pater Liguda vorher ermahnt hatte, das Essen gerechter zu verteilen. Seine letzten Worte an die Mitgefangenen lauteten: „Bleibt treu. Gott weiß alles.“

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