Würzburg

04. November: Der heilige Karl Borromäus

Karl wurde von zwei großen Heiligen geprägt, mit denen er in Rom in Kontakt stand: Ignatius von Loyola und Philipp Neri. Er brachte Pius IV. dazu, das seit sieben Jahren unterbrochene Konzil von Trient wieder einzuberufen, in dessen Geist er ein unermüdlicher Reformer der Kirche sein sollte.

Heilige Karl Borromäus

Am 22. Oktober 1713 gelobte Kaiser Karl VI. im Wiener Stephansdom seinem Namenspatron, dem heiligen Karl Borromäus, den Bau einer Kirche, wenn die Große Pest, die seit fünf Jahren in Nord- und Osteuropa wütete, endlich vorüberginge. Tatsächlich ebbte die Epidemie wenig später ab, und der Kaiser löste sein Versprechen ein: Er ließ die Karlskirche erbauen, heute ein Wahrzeichen der Stadt Wien. Die Wahl des Patroziniums ist nicht nur der Namensgleichheit mit dem Kaiser zu verdanken, sondern auch der Tatsache, dass Karl Borromäus zu den „Pestheiligen“ zählt. Sein Gedenktag ist der 4. November.

Karl Borromäus wurde am 2. Oktober 1538 auf der Burg seiner Familie, die zum Hochadel gehörte, am Lago Maggiore geboren und bereits als Kind für den Klerikerstand bestimmt: Mit zwölf Jahren wurde er als Abt der Benediktinerabtei Arona eingesetzt, da dieses Amt mit Pfründen für die Familie verbunden war. In den folgenden Jahren widmete er sich kirchlichen Studien und wurde mit nur 21 Jahren zum Doktor des weltlichen und kirchlichen Rechts promoviert. Im selben Jahr, zu Weihnachten 1559, wurde Pius IV., sein Onkel mütterlicherseits, auf den Stuhl Petri gewählt. Sofort rief er seinen Neffen zu sich nach Rom, weihte ihn zum Diakon, erhob ihn zum Kardinal und vertraute ihm verschiedene Ämter an, die mit hohen Einnahmen für die Familie verbunden waren, unter anderem das des Administrators der Erzdiözese Mailand. Karl residierte in einem luxuriösen römischen Stadthaus, hielt literarische Zirkel und pompöse Empfänge ab und veranstaltete rauschende Feste. Den Klerikerstand betrachtete er als Karriere im Dienst der Familie.

Zu einer radikalen Umkehr gelangte er, als sein Bruder Federico 1562 plötzlich starb. Die Familie verlangte jetzt von Karl, die klerikale Karriere aufzugeben, um zu heiraten und den Familienstammbaum weiterzuführen. Jetzt traf Karl, im Alter von 24 Jahren, zum ersten Mal eine freie Entscheidung aus seinem Gewissen heraus, das auch von zwei großen Heiligen geprägt worden war, mit denen er in Rom in Kontakt stand: Ignatius von Loyola und Philipp Neri. Er nahm seine theologischen Studien wieder auf, begann einen asketischen Lebensstil und brachte Pius IV. dazu, das seit sieben Jahren unterbrochene Konzil von Trient wieder einzuberufen, um die Kirchenreform weiterzuführen.

Als Reformer sollte er ermordet werden

1563 ließ er sich erst zum Priester und dann zum Bischof weihen und arbeitete anschließend zusammen mit anderen Theologen der Gegenreformation den Römischen Katechismus aus. 1556 siedelte Karl Borromäus nach Mailand um, um die Erzdiözese nach den Konzilsbeschlüssen neu zu ordnen. Dazu bereiste er unermüdlich die verschiedenen Pfarreien. Jeden Besuch bereitete er gründlich vor – im Gebet und durch die Ausarbeitung von Predigten. Überall erkundigte er sich genau über die Personen, die in der Pfarrei lebten, ihre besonderen Probleme und Anliegen und leitete dann die entsprechenden Maßnahmen ein. Dabei stieß er nicht immer auf Verständnis. Als er die Bruderschaft der „Humiliaten“ reformieren wollte, wurde ein Mordanschlag auf ihn verübt: Einer der Ordensbrüder schoss Karl Borromäus mit einer Büchse in den Rücken. Dass er den Anschlag überlebte, wurde als Zeichen gedeutet, dass seine Reformbestrebungen der richtige Weg für die Kirche waren. Karl Borromäus gründete das Mailänder Priesterseminar sowie ein Knabenseminar und das „Collegium Helveticum“ für Schweizer Priesteramtskandidaten.

Ausgezehrt von seinen großen Anstrengungen, verbunden mit strengem Fasten – er nahm nur eine einzige Mahlzeit täglich zu sich, nach dem Vespergebet – starb Karl Borromäus mit nur 46 Jahren am 3. November 1584. Schon 1610 wurde er von Paul V. heiliggesprochen. Sein Grab befindet sich in der Krypta des Mailänder Doms.

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