Cagliari

03. Februar: Die selige Giuseppina Nicoli

Sie begründete karitative Gruppen, ein Heim für kranke Kinder und während des Ersten Weltkriegs betreute sie im italienischen Cagliari ein Lazarett: die selige Giuseppina Nicoli.

Die Selige Giuseppina Nicoli
Die Selige Giuseppina Nicoli gehörte zur Gemeinschaft der "Töchter der christlichen Liebe des heiligen Vinzenz von Paul“, kurz „Vinzentinerinnen“. Foto: IN

Die Gemeinschaft der „Töchter der christlichen Liebe des heiligen Vinzenz von Paul“, kurz „Vinzentinerinnen“ genannt, wurde 1633 vom heiligen Vinzenz von Paul und der heiligen Louise von Marillac in Paris gegründet. Von Anfang an gingen die Schwestern überall dorthin, wo Menschen in Not lebten, um karitative Arbeit zu leisten: Sie kümmerten sich um Arme und Kranke, gründeten Waisenhäuser, gingen in Elendsviertel, unterrichteten bedürftige Kinder und Jugendliche, getreu dem Motto der Gemeinschaft: „Die Liebe Christi, des Gekreuzigten, drängt uns.“ In vielen Städten gehörten sie zum Straßenbild mit ihrer charakteristischen „Cornette“, einer weit ausladenden gestärkten Flügelhaube, die Teil ihres Habits war. Nicht wenige Vinzentinerinnen sind zur Ehre der Altäre erhoben worden. Eine von ihnen ist die selige Giuseppina Nicoli, deren Gedenktag die Kirche am 3. Februar feiert.

In den Armenvierteln von Cagliari tätig

Giuseppina Nicoli wurde am 18. November 1863 in Casatisma bei Pavia in der Lombardei als fünftes von zehn Kindern eines hohen Justizbeamten geboren und trat mit 20 Jahren bei den Vinzentinerinnen in Turin ein. Nach der Einkleidung im Mutterhaus in Paris wurde sie 1885 nach Sardinien gesandt. Hier war sie in den Armenvierteln der Hauptstadt Cagliari tätig und legte am Heiligen Abend 1888 ihre einfachen Gelübde ab. Bei dieser Gelegenheit erhielt sie ein Kruzifix als Geschenk, in dem nach ihrem Tod ein Zettel gefunden wurde, auf den sie geschrieben hatte: „Ich will dir treu dienen, in Armut, Keuschheit und Gehorsam, und aus Liebe zu dir will ich den Armen dienen.“

Als in Cagliari die Cholera ausbrach, kümmerte sie sich um die Kranken und pflegte sie in den Familien. So kam sie mit dem verbreiteten Analphabetismus in Berührung. Sie brachte Kindern Lesen und Schreiben bei und erteilte Religionsunterricht. Mit 30 Jahren steckte sie sich mit Tuberkulose an. Die Krankheit kam in den nächsten drei Jahrzehnten immer wieder zum Ausbruch und verzehrte ihren Körper schleichend von innen.

1899 wurde Giuseppina in den Norden der Insel, nach Sassari, versetzt, um ein Waisenhaus zu führen. Dort gründete sie eine Gruppe von Frauen, die die Arbeit der Vinzentinerinnen unterstützten, indem sie für arme Menschen Kleidung nähten oder flickten und bei der Katechese halfen.

In Turin verschlechterten sich ihre Lungenprobleme

Als sie 1910 zur Ökonomin ihrer Ordensprovinz ernannt wurde, kehrte Giuseppina nach Turin zurück. Da ihre Lungenprobleme sich dort verschlimmerten, sandten ihre Oberen sie jedoch schon nach drei Jahren wieder nach Sardinien, da sie annahmen, dass das dortige Klima ihrer Gesundheit zuträglicher sei.
In Sassari hatte sich aufgrund der schwierigen politischen Lage kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Atmosphäre drastisch gewandelt. Ein starker Antiklerikalismus hatte sich breitgemacht. Giuseppina, die vor ihrer Abreise das Waisenhaus sehr gut geführt hatte, wurde jetzt von den kommunalen Autoritäten dazu für unfähig erklärt. Die Ordensoberen schickten sie 1914 nach Cagliari zurück, wo sie sich während der Kriegsjahre in einem Lazarett um Verwundete kümmerte.

In Cagliari gründete Giuseppina weitere karitative Gruppen sowie ein Heim für Kinder, die von verschiedenen Krankheiten befallen waren, für die Mangelernährung und schlechte hygienische Verhältnisse die Hauptursachen waren. Außerdem gründete sie mehrere katholische Zirkel für die religiöse Unterweisung von Kindern und Jugendlichen und einen Club für Menschen aus den höheren Gesellschaftsschichten, die die karitative Arbeit finanziell unterstützten.

Giuseppina Nicoli starb am 31. Dezember 1924; sie wurde am 3. Februar 2008 seliggesprochen. Ihre sterblichen Überreste ruhen in Cagliari in der Kapelle eines von ihr mitbegründeten Kindergartens. Bis heute sind über 14 000 Vinzentinerinnen in aller Welt tätig. Die „Cornette“ sieht man heute allerdings nicht mehr – sie wurde 1964 abgelegt, als Papst Paul VI. im Zuge der Konzilsreformen die damalige Generaloberin bat, den Habit zu vereinfachen.

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