Los Amates

01. Juli: Der selige Tullio Maruzzo OFM

Von der Bevölkerung von Anfang an als Märtyrer verehrt, wurde der Tod des Franziskanerpaters Tullio Maruzzo "in odium fidei" 2017 auch von Papst Franziskus offiziell bestätigt.

Der selige Tullio Maruzzo OFM
Durch seinen Einsatz für die Armen war Pater Tullio den Lokalpatronen ein Dorn im Auge. Foto: Archiv

Am Abend des 1. Juli 1981 waren der Franziskanerpater Tullio Maruzzo und der Laienkatechet Luis Obdulio Arroyo mit dem Auto unterwegs von Los Amates ins wenige Kilometer entfernte Quiriguá, eine alte Maya-Siedlung unweit der Karibikküste von Guatemala. Sie hatten einen Glaubenskurs abgehalten und waren auf dem Nachhauseweg in ihre Pfarrei „Sagrado Corazón“. Gegen 22.30 Uhr gerieten sie in einen Hinterhalt: Luis Obdulio, der am Steuer saß, war gezwungen, den Wagen anzuhalten. Ein Kugelhagel traf die beiden Männer aus dem Dunkel der tropischen Nacht; sie blieben tot auf der Landstraße liegen. Erst am folgenden Morgen wurden ihre Leichname von Pfarrmitgliedern geborgen und in die Kirche gebracht, wo sie ihre letzte Ruhestätte fanden. Von der Bevölkerung von Anfang an als Märtyrer verehrt, wurde ihr Tod „in odium fidei“ am 9. Oktober 2017 von Papst Franziskus offiziell bestätigt. Kardinal Angelo Amato sprach beide am 28. Oktober 2018 in der kleinen Stadt Morales unweit von Quiriguá selig.

Als Sohn eines armen Bauernehepaars geboren

Pater Tullio, mit bürgerlichem Namen Marcello Maruzzo, wurde am 23. Juli 1929 in dem norditalienischen Dorf Arcugnano bei Vicenza als Sohn eines armen Bauernehepaars geboren. Er hatte einen Zwillingsbruder mit Namen Daniele sowie sechs weitere Geschwister. Als die Zwillinge elf Jahre alt waren, verstarb ihre Mutter. Nach der Schulzeit traten beide zusammen in den Franziskanerorden ein, wo sie 1951 die erste Profess ablegten. Zwei Jahre später empfingen sie vom damaligen Patriarchen von Venedig, Kardinal Giuseppe Roncalli – dem späteren heiligen Papst Johannes XXIII. –, die Priesterweihe. Beide wurden getrennt als Missionare nach Mittelamerika gesandt: der Bruder schon kurze Zeit nach der Priesterweihe, Pater Tullio im Jahr 1960.

Zunächst kam Pater Tullio nach Puerto Barrios, der größten Hafenstadt von Guatemala, wo er Spanisch lernte und sich mit der schwierigen sozialen Situation der Einwohner – einer Mischung aus Afro-Guatemalteken, Nachfahren der Maya, verschiedener westindischer Bevölkerungsgruppen sowie Seeleuten aus aller Herren Länder – vertraut machte. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die „Caritas“ besuchte er zunehmend auch die umliegenden Dörfer. Hier kümmerte er sich um arme Bauernfamilien, die von Großgrundbesitzern ausgebeutet wurden, und sorgte dafür, dass sie Zugang zu Bildung bekamen, um ihre Rechte zu verteidigen. Durch seinen Einsatz für die Armen war er den Lokalpatronen ein Dorn im Auge. Als er wiederholt Morddrohungen erhielt, versetzten seine Ordensoberen ihn die Pfarrei von Quiriguá, einer alten Maya-Siedlung mit einer der größten archäologischen Stätten des amerikanischen Kontinents.

Franziskaner im Visier der Lokalpatrone

Hier begegnete er dem einheimischen Katecheten Luis Obdulio Arroyo, der am 21. Juni 1950 in Quiriguá das Licht der Welt erblickt hatte und seit seiner Kindheit einen sehr frommen Lebenswandel führte. Er war unverheiratet, hatte sich als Laie dem Dritten Orden der Franziskaner angeschlossen und war neben seinem Beruf als städtischer Busfahrer sehr engagiert in der Pfarrei tätig. Luis Obdulio wurde Pater Tullios engster und zuverlässigster Mitarbeiter. Zwar warnte die Familie des einheimischen Laien diesen wiederholt vor der Zusammenarbeit mit den Franziskanern, da diese im Visier der Lokalpatrone standen, aber er ließ sich nicht beirren und unterstützte die Pfarrei, wo er nur konnte. Er erteilte Katechismus-Unterricht und übernahm viele Fahrdienste, um Material für den Gottesdienst und die Katechese zu beschaffen oder Personen zu befördern, um ihnen die Teilnahme an den Sakramenten zu ermöglichen – bis hin zu seiner letzten Fahrt zusammen mit Pater Tullio in der Nacht des 1. Juli 1981.

Anlässlich der Seligsprechung von Pater Tullio Maruzzo und Luis Obdulio wurde in Quiriguá ein kleines Museum eröffnet, um den zahlreichen Besuchern der archäologischen Stätte auch das Leben der beiden Märtyrer und das Wirken der Kirche an der Pazifikküste von Guatemala nahezubringen.

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