Wo der Teufel lauert

Angelus am 3. Januar: Papst ruft zur Wachsamkeit vor dem Bösen
Foto: dpa | Franziskus: Das Evangelium im täglichen Leben umsetzen.
Foto: dpa | Franziskus: Das Evangelium im täglichen Leben umsetzen.

Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!

Die Liturgie des heutigen zweiten Sonntags nach Weihnachten legt uns den Prolog aus dem Evangelium des heiligen Johannes vor, in dem verkündet wird: „Das Wort – oder das schöpferische Wort Gottes – ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). Dieses Wort, das im Himmel wohnt, also in der Dimension Gottes, ist auf die Erde gekommen, damit wir es hören und die Liebe des Vater erkennen und mit Händen greifen können. Das Wort Gottes ist sein eingeborener Sohn, der Mensch geworden ist, voll Liebe und Treue (vgl. Joh 1,14), ist Jesus selbst. Der Evangelist verbirgt nicht die Dramatik der Menschwerdung des Sohnes Gottes und weist darauf hin, dass das Liebesgeschenk Gottes auf die Nichtannahme seitens der Menschen trifft. Das Wort ist das Licht, doch die Menschen haben die Finsternis bevorzugt; das Wort kam zu den Seinen, aber sie haben es nicht aufgenommen (vgl. V. 9–10). Sie haben dem Sohn Gottes die Tür vor der Nase zugemacht. Es ist das Geheimnis des Bösen, das auch unser Leben gefährdet und unsererseits Wachsamkeit und Aufmerksamkeit erfordert, damit es nicht die Überhand gewinnt. Im Buch Genesis steht ein schöner Satz, der uns das verstehen lässt: es heißt, dass das Böse „an der Tür lauert“ (vgl. 4,7). Wehe uns, wenn wir es eintreten lassen; denn dann würde es die Tür für jeden anderen verschließen. Wir sind hingegen aufgerufen, die Tür unseres Herzens für das Wort Gottes, für Jesus, weit aufzumachen, um so seine Kinder zu werden.

Am Weihnachtstag ist dieser erhabene Anfang des Evangeliums nach Johannes bereits verkündet worden; heute wird er uns nochmals vorgelegt. Es ist die Einladung der heiligen Mutter Kirche, dieses Heilswort, dieses Geheimnis des Lichts aufzunehmen. Wenn wir es aufnehmen, wenn wir Jesus aufnehmen, werden wir in der Erkenntnis und in der Liebe des Herrn wachsen, werden wir lernen, barmherzig zu sein wie Er. Vor allem in diesem Jahr der Barmherzigkeit wollen wir es so einrichten, dass das Evangelium auch in unserem Leben immer mehr Gestalt annimmt. Sich dem Evangelium zuzuwenden, darüber nachzudenken, es im täglichen Leben umzusetzen, ist die beste Weise, um Jesus kennenzulernen und ihn zu den anderen zu bringen. Das ist die Berufung und die Freude jedes Getauften: den anderen Jesus zu zeigen und zu schenken; doch um das zu tun, müssen wir ihn kennenlernen und ihn als den Herrn des Lebens in uns haben. Und er beschützt uns vor dem Bösen, vor dem Teufel, der immer an unserer Tür lauert, an unserem Herzen und eintreten will. Mit neuem Elan kindhafter Hingabe vertrauen wir uns nochmals Maria an: Das liebe Bild der Mutter Jesu und unserer Mutter betrachten wir in diesen Tagen in der Krippe.

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller

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