„Wir haben eine gute Sache zu vertreten“

Podiumsgespräch in Regensburg befasst sich mit Kirchenaustritten Von Clemens Mann

Regensburg (DT) Die Zahl der Kirchenaustritte steigt. Wie soll die Kirche damit umgehen? Soll sie in Selbstmitleid und Resignation verfallen? Die Austritte tatenlos registrieren? Oder aber muss sie zum Dialog mit den Kirchenfernen aufrufen? Ein Podiumsgespräch am Donnerstag mit dem Thema „Austreten oder bleiben? – Mit der Kirche in die Zukunft!“, veranstaltet vom Diözesankomitee der Katholiken in Regensburg, beschäftigte sich mit eben diesen Fragen.

Zu den Podiumsteilnehmern gehörten neben dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, die 19-jährige Theologiestudentin Maria-Theresia Kölbl sowie Philipp Graf von Lerchenfeld, Vorsitzender des Diözesankomitees. Von Lerchenfeld betonte gleich zu Beginn, dass man die Veranstaltung als Plattform zum Dialog mit Ausgetretenen und Kirchenfernen verstehe. „Wir alle sollen bereit sein, mit jenen zu reden, die der Kirche nicht mehr nahe stehen“, sagte der bayerische CSU-Landtagsabgeordnete.

Bischof Müller erläuterte seine Blickweise auf die Kirche und wie er als verantwortlicher Hirte auf die Austritte reagiere. Er begreife sich als Theologe, nicht als Soziologe und verstehe daher die Kirche als „Zeichen und Werkzeug des Heils“ im Plan Gottes mit den Menschen. Die Wirklichkeit der Kirche sei von Gott vorgegeben und nicht von Menschen gemacht, hob Müller hervor. Kirche sei daher nicht wie andere Institutionen der Gesellschaft und könne am ehesten mit dem Bild einer Familie verglichen werden. „Die Kirche ist der ursprüngliche Ort der Liebe und Wahrheit“, so der Bischof. Wenn nun jemand diese Familie verlasse, bereite ihm das Schmerzen. Zudem sei er zutiefst darüber enttäuscht, wenn jemand austrete. Als Seelsorger mache er sich ernsthafte Sorgen um jeden einzelnen Fall. Müller machte darauf aufmerksam, dass der Betreffende sein Seelenheil gefährde und forderte jene auf, die sich von der Kirche distanzieren, in sich zu gehen und diese Tatsache zu berücksichtigen.

„Die Lage ist sehr ernst“, mein Albert Schmid. Die Debatte um den sexuelen Missbrauch habe dies augenfällig gemacht. Im Umgang mit der Missbrauchsthematik sei aber kein „Überbietungswettbewerb in Betroffenheitsrhetorik“ gefragt, sondern eine echte Auseinandersetzung darüber, wie „Genugtuung, Reue und Umkehr“ geschehen könne. Entscheidend für die Kirche sei der Umgang mit Schuld. „Durch das Bekenntnis von Schuld erleidet die Heiligkeit der Kirche keinen Abbruch.“

Schmid bezeichnete den Schritt vieler Ausgetretener als eine Flucht, die ein „stück weit Selbstschädigung“ sei, aber auch als einen Hilferuf nach Zuwendung. Die Pfarrgemeinden ermutigte der Vorsitzende des bayerischen Landeskomitees der Katholiken, neue Wege zu entwickeln, wie man auf Kirchenferne zugehen könne. „Nachgehen, – taktvoll und sensibel – wo immer eine Chance besteht.“ Schmid rief die Christen zu einem kraftvollen Glaubenszeugnis auf und ermutigte dazu, die Frohe Botschaft von der Menschwerdung Christi öffentlich stärker zu bekennen. „Unsere Scheu ist peinlich. Wir haben eine gute Sache zu vertreten“, sagte Schmid.

Für den Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern befindet sich die katholische Kirche nicht in einer Strukturkrise, vielmehr sei in der Gesellschaft eine Glaubenskrise feststellbar. Deswegen müssten Katholiken auf der Laien- wie auch auf Amtsebene zum Glaubensgespräch mit der säkularen Welt bereit sein. „Die Religion gehört auch praktisch ins öffentliche Leben, das darf nicht nur ein Postulat bleiben“, erklärte Schmid.

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