„Wir fahren zum Papst“

Sechzehn Pilger sind per Rad unterwegs zum Weltjugendtag von Hildesheim nach Madrid. Von Kerstin Kotterba
Foto: KNA | Abschied in Hildesheim: Mit dem Reisesegen machten sich die Radfahrer auf den Weg in die spanische Hauptstadt.
Foto: KNA | Abschied in Hildesheim: Mit dem Reisesegen machten sich die Radfahrer auf den Weg in die spanische Hauptstadt.

Hildesheim (DT/KNA) Vorbei an den Weinbergen der Mosel, weiter durch Frankreich über die Pyrenäen und die Dörfer des Jakobsweges bis in die spanische Hauptstadt Madrid: 15 Männer und eine Frau zwischen 17 und 60 Jahren pilgern mit dem Fahrrad zum Weltjugendtag. Sie sind bereits seit dem 16. Juli unterwegs, vier Wochen lang, rund 2 600 Kilometer insgesamt. Die Profi-Biker der Tour de France fahren gerade einmal 800 Kilometer mehr. Als Pfarrer Harald Volkwein aus der Heilig-Geist-Gemeinde in Sarstedt bei Hildesheim vor drei Jahren vom Weltjugendtag in Sydney zurückkehrte, stand für ihn fest: „Zum nächsten Weltjugendtag fahre ich mit dem Rad.“

Gemeinsam mit dem Hannoveraner Pfarrer Thomas Hoffmann – ebenfalls passionierter Radfahrer – bereitete er die Satteltour von Hildesheim in Spaniens Hauptstadt vor und lud weitere Mitfahrer ein, „eine Erfahrung fürs Leben zu machen“. Der größte Teil der Radler kommt aus der Diözese Hildesheim, aber auch ein Ostfriese und fünf Hobbyfahrer aus Bayern haben sich angeschlossen. Erste Begleiterscheinungen der Tour spürt Markus Kirchner bereits: Seit ein paar Tagen schmerzen Handgelenke und Knie, auch einige seiner Mitfahrer klagen über kleine Wunden und brennende Muskeln – ansonsten „läuft es aber richtig gut, wir sind eine tolle Truppe“. Kirchner arbeitet im Bad Kissinger Landratsamt. In seiner Freizeit hält er sich mit Radtouren durch Unterfranken fit und ist in der Kirchengemeinde aktiv. Deshalb war der 26-Jährige begeistert, als er im Internet von der Pilgerfahrt las. „Bei der Tour kann ich meine Leidenschaften – kirchliche Jugendarbeit und Radfahren – zusammenbringen.“

Kofi Wayi reagierte zunächst kritisch. So etwas Verrücktes, habe er zunächst gedacht. Der gebürtige Nigerianer lebt seit einigen Jahren in Sarstedt und hat „von Europa noch nicht sehr viel gesehen“, auch deshalb entschied er sich letztlich für die Radtour. Zwar liegen viele Sehenswürdigkeiten wie die römischen Thermen in Trier auf der Pilgerstrecke, um die gut 100-Kilometer-Etappen zu schaffen, sind die Tage der Tour aber fest durchgeplant; Verschnaufpausen gibt es kaum. Die größte Anstrengung steht der Gruppe noch bevor: die Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. „Da müssen wir bis 1 030 Meter hoch, das wird noch mal richtig anspruchsvoll“, sagt Pastor Volkwein. Zur geistigen Stärkung hat sich die Gruppe ihr Pilgermotto „Starker Weg und großes Ziel“ auf eigens gefertigte Trikots drucken lassen; für die körperliche Energie tagsüber sorgen Müsliriegel und Bananen. Die Menschen am Straßenrand „schauen schon zweimal hin, wenn 16 Leute wie an einer Perlenkette aufgereiht durch die Landschaft fahren“, schmunzelt Volkwein. Die meisten seien begeistert von der Aktion und wünschten den Pilgern Kraft und Ausdauer. Übernachtet wird in Zelten oder bei Gastfamilien. In Luxemburg können die Radler etwa bei Bekannten des Sarstedter Pfarrers einkehren. Ansonsten kümmert sich eine Gruppe des Malteser Hilfsdienstes um den Transport der Zelte und Lebensmittel. Das persönliche Gepäck der Radfahrer steckt in zwei Satteltaschen. „Da musste man schon genau planen“, meint Kofi Wayi. Zwei T-Shirts, eine Hose und sein Schlafanzug – das muss bei ihm für die vier Wochen reichen. Jeden Abend werden die Sachen auf dem Zeltplatz gewaschen, getrocknet und am nächsten Tag wieder angezogen.

Für Pastor Volkwein sind Gruppenrituale bei einer so langen Tour wichtig: Frühstück um acht, dann Abbau der Zelte und eine Morgenrunde mit einem Schriftwort für den Tag. Jeden Sonntag wird Gottesdienst gefeiert, entweder im Mannschaftszelt mit Hostien aus einer mobilen Sakristei oder in der jeweiligen Gemeinde, in der die Pilger gerade übernachten. Der geistliche Gedanke begleitet die Pilger auf ihrem Weg. „Wir radeln ja nicht irgendwo hin, wir fahren zum Papst“, sagt Volkwein. Im Reisegepäck hat die Gruppe auch ein Geschenk für ihn mitgenommen: Ein Pilgertrikot, das sie ihm während des Weltjugendtages übergeben wollen.

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