Würzburg

Wiener Dogmatiker kritisiert Papstworte über Teufel

In den Worten von Papst Franziskus spielen das Böse und der Teufel immer wieder eine zentrale Rolle. Der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück sieht das kritisch - besonders bei einem Thema.
Papst Franziskus
Foto: Andrew Medichini (AP) | Papst Franziskus' Rede vom Teufel und dem Bösen stoßen auf Kritik.

Der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück lehnt die Erklärung kirchlicher Missstände durch den Teufel ab. Die Theologie ringe durchaus mit dem Problem des Bösen und habe unterschiedliche Deutungsansätze vorgelegt. Ein Irrweg aber wäre es, den Teufel als Erklärungsmuster zu bemühen und konkrete menschliche Freiheitsakte auf „seine unsichtbare Hand“ zurückzuführen, sagte er im Interview in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost".

In diesem Zusammenhang übte der Dogmatiker auch Kritik an Papst Franziskus: Dieser spreche „etwas zu oft“ vom Teufel. Wer Menschen als „Agenten des Satans“ hinstelle, sei in der Gefahr, ihre moralische Verantwortung zu halbieren und sie zu dämonisieren. Auch die päpstliche Rede vom Teufel im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch ist aus Tücks Sicht „sehr problematisch“. Papst Franziskus hatte im Februar während des Bischofstreffens in Rom das Wirken des Teufels mitverantwortlich für die sexuelle Missbrachskrise gemacht.

Tück: Missbrauch ist konkretes Versagen von Personen

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Für Tück stelle sich hier die Frage, wie es auf die Opfer wirke, wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche sexuelle Gewalt von Priestern und Ordensmännern an Kindern und Jugendlichen „auf das Wirken des Teufels zurückführt und damit das Problem von der menschlichen Verantwortung auf die geistliche Ebene verschiebt“. Nicht der Teufel stehe hier im Raum, sondern das konkrete Versagen von Priestern, die sich an Minderjährigen vergriffen hätten, und das konkrete Versagen von Bischöfen, Verantwortlichen in den Ordinariaten und Gläubigen, die darum gewusst, geschwiegen und nichts getan hätten.

Natürlich sei es unangenehm, dies klar beim Namen zu nennen, so Tück weiter: „Aber ohne ungeschminkte Wahrnehmung der Fakten kommen wir in der Krise nicht weiter.“ Die sexuellen Übergriffe müssten moralisch und juristisch aufgearbeitet werden. Statt hier auf die Ebene der Sündentheologie zu gehen, seien zunächst systemische Faktoren zu analysieren, die Missbrauch begünstigten. Dazu gehöre neben einer Tabuisierung der Sexualität auch das flächendeckende Ausmaß an Vertuschung.

DT/reg

Lesen Sie das Interview mit Jan-Heiner Tück im Wortlaut in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost". Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

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