Wichtige Brücke zwischen Ost und West

Kopten-Papst Tawadros II., der Ökumenische Patriarch Bartholomaios und Kurienkardinal Kurt Koch würdigen die Stiftung „Pro Oriente“. Von Stephan Baier
Foto: Kathbild/Rupprecht | Kurienkardinal Kurt Koch, Patriarch Bartholomaios, Kopten-Papst Tawadros und der Wiener Kardinal Christoph Schönborn würdigten die Verdienste von „Pro Oriente“ und erklärten den Einsatz für die verfolgten ...
Foto: Kathbild/Rupprecht | Kurienkardinal Kurt Koch, Patriarch Bartholomaios, Kopten-Papst Tawadros und der Wiener Kardinal Christoph Schönborn würdigten die Verdienste von „Pro Oriente“ und erklärten den Einsatz für die verfolgten ...

Wien (DT) Die vor einem halben Jahrhundert vorherrschende „Naherwartung einer baldigen Communio“, wie „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte formulierte, hat sich zwar nicht bewahrheitet, doch konnte die vom damaligen Wiener Kardinal Franz König 1964 gegründete Stiftung am Samstag gleichwohl auf große Erfolge zurückblicken. In Anwesenheit des koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios und des Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Kurt Koch, erinnerte Marte daran, dass „Pro Oriente“ bereits 1971 mit der „Wiener Christologischen Formel“ einen 1 500-jährigen Dissens mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen beenden konnte, denn die gegenseitigen Häresievorwürfe hätten sich als terminologisches Problem entpuppt, wie Marte sagte.

In den 1980er Jahren sei es zum konfessionellen Wiedererstarken und zur Gefahr der Abschottung in Osteuropa gekommen. „In Moskau war Ökumene ein Unwort geworden“, so Marte. Heute würden sich „angesichts der in dieser Härte nie dagewesenen Bedrängnis der Christen im Orient“ für „Pro Oriente“ neue Herausforderungen stellen. Diese Bedrängnis thematisierte beim Festakt „50 Jahre Pro Oriente“ im Festsaal der Universität Wien auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios. Die wachsende Verfolgung der Christen in Nahost und Nordafrika gehöre zu den Herausforderungen, die die Zusammenarbeit der Kirchen und den gemeinsamen Einsatz der Christen erfordern. „Wir beten vor allem für die Christen in Ägypten, Syrien und im Irak, die so viel Ungerechtigkeiten zu erleiden haben“, sagte Bartholomaios in seiner Festansprache. Der Andreas-Nachfolger bezeichnete den Weg der Versöhnung und der immer engeren und stärkeren Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen als „unsere Berufung“. Zum ökumenischen Dialog gebe es keine Alternative. Gleichzeitig nannte er die Frage des römischen Primats und den „Uniatismus“ (also die mit Rom verbundenen Kirchen östlicher Tradition) als Probleme in der Ökumene.

Der koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. würdigte die Mithilfe von „Pro Oriente“ bei der Überwindung der terminologischen Missverständnisse und rief zur Fortsetzung des Dialogs, der Liebe, der Kooperation, des Studiums und des Gebetes auf. Er schilderte auch die führende Rolle der Kopten in der Spiritualität der frühen Kirche und in der Entwicklung des Mönchtums.

Nach seiner Inthronisierung habe er zunächst den Heiligen Stuhl besucht, für ein „wunderbares Treffen mit Papst Franziskus“. In den koptischen Kirchen werde täglich für die Einheit der Christen gebetet. Besonders für jene Christen, die als Minderheit in ihrem Land leben, sei es heute wichtig, dass die Christen mit einer Stimme sprechen, sagte Tawadros, der die Anwesenden auch um ihr Gebet für Ägypten bat.

Ökumene führt zur Bereicherung

Ausdrücklich nicht nur im Namen des Vatikans, „sondern der ganzen katholischen Kirche“ dankte der für die Ökumene zuständige Kurienkardinal, Kurt Koch, der Stiftung „Pro Oriente“, die zu einer „wichtigen Brücke zwischen Ost und West“ geworden sei. Koch erinnerte daran, dass das Ökumenismus-Dekret auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil mit 2 137 Ja-Stimmen bei nur elf Nein-Stimmen angenommen worden sei, was die Entschiedenheit dokumentiere, mit der die katholische Kirche in den ökumenischen Dialog eintrat.

Bei den Kirchenspaltungen des fünften wie des elften Jahrhunderts hätten nichttheologische Faktoren und „unterschiedliche Verstehensweisen“ eine große Rolle gespielt. „Pro Oriente“ habe wesentlich zur Einsicht beigetragen, dass die Kirchen an denselben Christus glauben, sich jedoch in unterschiedlichen Terminologien ausdrücken, sagte Koch. Die von Kardinal König am 4. November 1964 gegründete Stiftung habe gezeigt, „dass Ökumene zwischen Ost und West nicht zur Verarmung, sondern zur Bereicherung führt“. Gleichzeitig mahnte der Kurienkardinal zur Geduld: „Der ökumenische Austausch der Gaben ist ein ständiger Prozess und die Mission von ,Pro Oriente‘ ist noch nicht erschöpft.“ Was in 50 Jahren mühsam erarbeitet wurde, dürfe nicht vergessen werden. Deshalb sei es wichtig, die relevanten Texte zu sammeln und zu dokumentieren. Zugleich müssten die ökumenischen Früchte im alltäglichen Leben der Kirchen rezipiert werden. Dankbar zeigte sich Kardinal Koch dafür, dass „Pro Oriente“ mit der Einsetzung einer Kommission junger orthodoxer und katholischer Theologen den ökumenisch gebildeten Theologennachwuchs fördere.

Koch mahnte „die Vertiefung einer mosaischen Spiritualität“ an: Moses sei nicht verzweifelt angesichts der Einsicht, dass er persönlich das gelobte Land nicht mehr erreichen werde.

Anerkennung der Taufe darf nicht in Frage gestellt werden

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn ehrte Kurienkardinal Kurt Koch im Rahmen des Festaktes mit der Verleihung des Titels „Protektor der Stiftung Pro Oriente“. Die zunächst zeitgleich geplante Verleihung dieses Titels an den Patriarchen der mit Rom unierten Chaldäischen Kirche, Louis Raphael Sako, musste entfallen, weil der in Bagdad residierende Patriarch kurzfristig nicht anreisen konnte.

Der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück zitierte in seiner Laudatio Kardinal Koch mit den Worten, die Ökumene sei heute auch „eine Ökumene der Märtyrer“. Der christliche Märtyrer antworte auf die Gewalt mit Gewaltverzicht und ahme darin Christus nach. Tück kritisierte, dass die „baptismale Ökumene“ heute gefährdet sei, weil einzelne Konfessionen bei der Konversion die Wiedertaufe spenden. Die gegenseitige Anerkennung der Taufe dürfe nicht in Frage gestellt werden, so Tück. Vielmehr sollten alle anerkennen, dass es kirchliche Realität auch außerhalb ihrer jeweiligen Kirche gibt. Mahnend meinte der Wiener Dogmatiker, es wäre schön, wenn die Orthodoxie auf ihrem Panorthodoxen Konzil 2016 diese ekklesiale Realität außerhalb ihrer Kirchen anerkennen könnte.

Kardinal Christoph Schönborn, der als Erzbischof von Wien auch Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung „Pro Oriente“ ist, meinte, „Pro Oriente“ werde künftig vermehrt die Aufgabe haben, eine Stimme der verfolgten Christen zu sein. Die Lage der Christen habe sich in vielen Teilen der Welt „dramatisch verschlechtert“.

Zuvor hatte Schönborn in einem ökumenischen Festgottesdienst in der Wiener Schottenkirche in Anwesenheit der Patriarchen Bartholomaios und Tawadros betont, dass das Bekenntnis zum einen und dreifaltigen Gott alle Christen trotz aller schmerzlichen Trennungen verbinde. In 50 Jahren des ökumenischen Dialogs habe man dankbar erleben können, „wie sehr der eine Geist durch die vielen Gnadengaben manifestiert wird“. Kardinal Schönborn nannte es eine Gnade, „voneinander zu lernen, aufeinander zu hören und miteinander Jesus als den Herrn zu bekennen“.

Zu zwei ökumenischen Gesten kam es in Anwesenheit von Patriarch Bartholomaios zu Beginn dieser Woche: Im steirischen Leoben übereigneten die Redemptoristen ihre Klosterkirche St. Alfons der griechisch-orthodoxen Metropolie von Österreich. Im Burgenland stellte die Diözese Eisenstadt ein Grundstück für die Gründung des ersten orthodoxen Klosters in Österreich zur Verfügung.

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