Viterbo

Zwangspause für das Patenamt

Der Bischof von Viterbo schafft vorübergehend das Patenamt ab. Grund dafür sei, dass Paten nur noch eine "formelle Funktion" hätten, der Glaube aber keine Rolle mehr spiele. Viterbo folgt damit dem Beispiel zahlreicher anderer Bistümer.
Taufpatenschaft von Ailton
Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) | Der Pate - keine kirchenrechtlich notwendige, aber zur Tradition gewordene Person. Im Bild: Torjäger Ailton vom SV Werder Bremen übernimmt die Taufpatenschaft für den kleinen Thüringer Niklas Ailton Diegmann in der ...

Mit einem Dekret will Lino Fumagalli, der Bischof von Viterbo, Tauf- und Firmpaten vorübergehend abschaffen. Fumagalli hatte die Verfügung bereits am 1. November 2020 erlassen, aber erst Mitte Mai gelangte das Papier über die Medien in die Öffentlichkeit. Ab 1. September soll das Dekret für zwei Jahre gelten. Das Bistum spricht selbst von einer Aussetzung „ad experimentum“.

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Paten kirchenrechtlich nicht festgelegt

Zur Begründung gibt das Dekret die Erosion des Patenamtes selbst an. So sei dieses auf eine rein „formelle Funktion“ reduziert worden, in welcher „die Dimension des Glaubens nicht mehr beachtet“ werde. Es gebe immer häufiger Situationen, in denen das christliche Zeugnis, das ja gerade Aufgabe des Paten sei, gänzlich fehle. Aufgrund dessen litten die Pfarrer der Diözese unter der „Unmöglichkeit“ die ausgewählten Paten zuzulassen. Die Fälle „rechtlicher Hindernisse“ nehme zu.

Das Schreiben zitiert Canon 872, demnach dem Täufling ein Taufpate beigegeben werden kann, soweit dies möglich ist. Die Quintessenz: nach dem Kirchenrecht hätten Paten „keinen verpflichtenden Charakter“. Die Patenschaft gelte als „säkulare Tradition der Kirche“, der jedoch zugrunde liege, dass die Paten „feste Gläubige“ seien, um den Neugetauften auf seinem Weg zu einem christlichen Leben zu unterstützen.

Aussetzung der Paten ist kein Einzelfall

Der Bischof betonte, bei der Handlung handelte es sich angesichts des „permanenten Zustands der Mission“ um keine „reine Verwaltungssache“. Die Aussetzung der Patenschaften solle eine Gelegenheit sein, um ihnen „die Rolle zurückzugeben, die ihnen die Kirche zugedacht hat“. Im Fall der Taufe sollen solange die Eltern oder das „Taufpaar“, das für die Vorbereitung des Sakraments zuständig ist, die Rolle übernehmen. Bei den Firmlingen übernehmen die Katecheten die Funktion.

Gualtiero Bassetti, der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, äußerte zu dem Fall, dass es sich bei den Paten um eine notwendige, aber „nicht unverzichtbare“ Angelegenheit handele. „Wenn ein Bischof beschlossen hat, es so zu machen, dann wird er seine Gründe haben“, sagte Bassetti.
Die Aussetzung ist weder ein Präzedenz- noch ein Einzelfall. Nachdem bereits im Januar 2020 Erzbischof Renato Boccardo von Spoleto-Norcia die Firmpaten ausgesetzt hatte, folgte im Juli desselben Jahres der Bischof von Sulmona-Valva in den Abruzzen, Michele Fusco.

Paten sollen Vorbild in christlicher Erziehung sein

Fusco ging jedoch weiter, indem er auch die Taufpaten aussetzte – für drei Jahre. Im März zog der Bischof von Catania, Salvatore Gristina, nach. Auch dort soll es für drei Jahre keine Taufpaten geben. Dabei überschneiden sich nahezu alle Dekrete im Wortlaut und ähneln in Begründung und Absicht frappierend der Entscheidung aus Viterbo. Das Papier aus Sulmona-Valva spricht davon, dass die Patenentscheidung von Familie, Freundschaft oder auch persönlichen Interessen abhänge, nicht aber vom Kriterium der Glaubensdimension. „Viele Paten haben kein Bewusstsein für die Rolle, zu der sie aufgerufen sind“, heißt es dort. Gristina wies in seinem Papier darauf hin, dass die Frage dadurch besonders delikat werde, wenn Paten aus „komplexen und irregulären“ familiären Situationen heraus Vorbild in der christlichen Erziehung sein sollten.

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