Parusie

Wie nah ist die Apokalypse?

Der Bayreuther Wissenschaftler Hermann Hiery hat die Papstweissagungen des Malachias neu geordnet – und kommt für die heutige Gegenwart zu erstaunlichen Ergebnissen.
Holzschnitt "Die apokalyptischen Reiter" (1497/98) von Albrecht Dürer
Foto: Wallraf-Richartz Museum (Wallraf-Richartz_Museum) | Für den Historiker Hiery könnten unsere Kinder und Enkel Zeitzeugen der Apokalypse werden, die hier im Holzschnitt von Dürer dargestellt ist.

Immer noch beflügeln die Weissagungen des Malachias die Fantasie. Der heilige Malachias war von 1124 bis zu seinem Tode 1148 Bischof von Duno (Downpatrick) in Nordirland. Zuvor Abt des bedeutendsten Klosters der britischen Inseln, Bangor, amtierte er bis 1137 auch als Erzbischof von Armagh. Der Benediktiner war auch ein fleißiger Autor, der neben unbekannten Werken auch jene Prophetie über die Päpste verfasste, die ein anderer Benediktiner, Arnold Wion, erst 1595 in seinem opulenten Werk „Lignum vitae“ veröffentlicht hat. Seither beschäftigen die insgesamt 112 ungenannten Päpsten von Malachias zugeordneten Beschreibungen die Gelehrten. Nach langläufiger Interpretation läuft die Reihenfolge der Papstweissagungen mit „Petrus Romanus“ aus – und das soll kein Geringerer als Papst Franziskus sein.

Ein Historiker rollt alles neu auf

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Nun hat es der in Bayreuth Neueste Geschichte lehrende Historiker Hermann Hiery unternommen, die Papstliste des Malachias mit ihren geheimnisvollen Weissagungen neu zu ordnen. Er geht davon aus, dass die Malachias zugeschriebenen Prophetien keine Fälschungen späterer Jahrhundert sind, sich aber bei der chronologischen Zuordnung der Päpste Fehler eingeschlichen haben. Für Hiery sind die Gegenpäpste der Vergangenheit der wahre Schlüssel zur richtigen Zuordnung der Weissagung zu einem Papst. Und das hat in der Folge ausgerechnet für unsere heutige Zeit erstaunliche Konsequenzen. So sei nicht Pius XII. der von Malachias beschriebene „Pastor angelicus“, sondern Johannes Paul I. Und nicht Benedikt XVI. sei der mit der Eigenschaft „Gloriae olivae“ verbundene Mann auf dem Stuhl Petri, sondern ein Papst der nahen Zukunft, den wir noch nicht kennen.   

Eine Katastrophe kosmischen Ausmaßes

Für den Historiker Hiery kommen nach Malachias im Anschluss an Papst Franziskus noch mindestens drei weitere Päpste. Aber die heutige Gegenwart wäre bereits der Anfang der apokalyptischen Endzeit. Unter dem mit „De labore solis“ (Sonnenfinsternis) beschriebenen Papst werde sich bald ein Ereignis kosmischen Ausmaßes vollziehen, vielleicht ein riesiger Meteor oder Asteroid, der der Erde nahekommt und die Sonne verdunkelt.

Dann käme der mit „Gloriae olivae“ gemeinte Nachfolger Petri, dessen Sinnspruch immer mit Israel und dem Judentum in Verbindung gebracht worden sei. Diesem folgen würde dann mit „Petrus Romanus“ die letzte und größte Verfolgung der Christenheit. Sollte die Papstweissagung des Malachias tatsächlich echt sein, dann würden für Hiery zumindest unsere Kinder und Enkel Zeitzeugen der Apokalypse sein. Das mag aus heutiger Sicht kaum jemand glauben. Aber was, fragt der Bayreuther Historiker zum Abschluss, kann man heute überhaupt noch glauben, wo links und rechts selbst Fundamente zusammenbrechen, die man vor gar nicht so langer Zeit noch als unerschütterlich ansah? DT/gho

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