Katechese

Wie kann Glaube weitergegeben werden? 

Katechese ist in vielen Teilen der Kirche ein Problem. Eine römische Tagung hat sich den Herausforderungen der Katechese angesichts der Säkularisierung gewidmet.
Zwischen Verschulung und Eventisierung.
Foto: Philippe Lissac / Godong (imago stock&people) | Zwischen Verschulung und Eventisierung. Die Krise der Katechese in unserer Zeit ist Vielschichtig.

Die Katechese ist in der Krise – so heißt es seit Jahrzehnten. Doch was will und kann Katechese leisten? Eine hochkarätig besetzte Tagung auf Einladung der Societas Theologiae Objectivae versuchte vergangenen Freitag in Rom das weite Feld auszuleuchten und eine Perspektive angesichts der weltweit fortschreitenden Säkularisierung aufzuzeigen. Dabei warf Prälat Markus Graulich SDB die Kernfrage auf, der sich jede Katechese zu stellen hätte: „Was bedeutet es als Pilger auf Erden dem Himmel entgegenzugehen?“ Es ging dem Untersekretär des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte in seiner Einführung bereits um die Gretchenfrage der letzten Jahre, ob Katechese zuerst Methode ist – oder ob der lehrmäßige Inhalt, die Glaubenslehre, zentral ist.

Glaube in der Krise

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Der Glauben, der nach katholischer Lehre eine eingegossene, übernatürliche Tugend ist, ist nach den Ausführungen der Wiener Theologin Marianne Schlosser auch deswegen in die Krise geraten, da sich eine Abneigung gegen seine objektive, lehrmäßige Dimension breitgemacht habe. In der Folge der neuzeitlichen Auffassung von Erkenntnis, die auf naturwissenschaftliche Erkenntnis eingeengt sei, werde die Religion zu einer rein subjektiv begriffenen Größe. Sie werde daher lediglich als „emotionale Stabilisierung“ wertgeschätzt. Das gehe mit der Auffassung einher, das Dogma, das eigentlich die Tiefe des Mysteriums bewahre, als „unverdaulich“ zu betrachten. Ein Verlust der religiösen Sprachfähigkeit sei aufgrund dessen die Folge, auch im Innern der Kirche.

Ein subjektivistischer Begriff vom Glauben verengt die Sicht auf den Gegenstand der Katechese. Dabei sei der Glaube der Anfang des ewigen Lebens in uns – und eine rechtverstandene Katechese, wie der Catechismus Romanus bereits ausführe, werde „Geleit zum Leben“: Als Antwort auf die Offenbarung nehme der Gläubige an der Kenntnis Gottes von sich selbst teil. Es gelte mit den Augen Jesu den Vater zu erkennen. Notwendig sei angesichts eines latenten Deismus eine Bekehrung des Denkens, das neben der fides qua (Glaubensakt) auch die fides quae (Glaubensinhalt) als konstitutiv für das christliche Leben betrachtet, denn der Ursprung des Dogmas liege in Jesus Christus, wie es bereits das Credo deutlich mache (Credo in Deum). Es gehe um das Staunen angesichts der Tiefe des Mysteriums.

Volkskirche durchdrang das gesamte Leben

Einen weiten, biographisch fundierten Bogen spannte der Utrechter Erzbischof in seinem Vortrag, der von Kurt Kardinal Koch stellvertretend vorgetragen wurde. Willem Jacobus Kardinal Eijk zeichnete die Geschichte des Zusammenbruchs des katholischen Lebens in den Niederlanden und die allmähliche Gesundung nach, die er trotz der immer stärker fortschreitende Säkularisierung, die durch Social Media weltweit bemerkbar sei, in seiner Diözese feststellen kann. Dabei kommt Eijk aus einem kirchlich fernstehenden Elternhaus, erlebte aber in seiner Jugend noch eine starke Volkskirche, die nahezu das gesamte soziale Leben durchdrang. Dabei spielte in der Primarschule auch noch der tägliche Katechismusunterricht eine beherrschende Rolle, bis er bereits 1964 während des 2. Vatikanischen Konzils abgeschafft wurde. Bis Mitte der 1970er Jahre habe sich damit die Identität des katholischen Schulsystems völlig verändert, was er bereits als Schüler wahrgenommen habe. Mit dem Aufstieg des Individualismus sei auch der Inhalt des Glaubens im kirchlichen Raum verlustig gegangen.

Religionsunterricht wurde säkulare Soziallehre

Eijk auch den Eingang der Katechese in den schulischen Unterricht als ursächlich für die Fehlentwicklung ein. War vor der Aufklärung die religiöse Unterrichtung eine Katechese am heiligen Ort, in der Kirche, sei der Religionsunterricht an abfragbarem und bewertbarem Unterrichtsstoff orientiert und damit seine Entwicklung zu einer säkularen Soziallehre vorgezeichnet gewesen. In den Niederlanden seien die Folgen dieser Entwicklung bereits dem jungen Karol Wojtyla aufgefallen, der 1947 dort zwar eine blendend organisierte Kirche vorfand, aber auch eine Veräußerlichung des Glaubens: Der Glaube sei für eine Mehrheit der niederländischen Katholiken zur abstrakten Wahrheit geworden, die den Bezug zum persönlichen Leben verloren habe. Damit sei die enorme Apostasie der folgenden Jahre vorgezeichnet gewesen.

In den letzten Jahren, so Eijk, sei aber eine Rückkehr der Katechese in die Pfarreien zu beobachten, die Lehre finde wieder im persönlichen Kontakt statt und die lebendige Beziehung zu Christus sei das heute bestimmende Element.

Dialogisches Geschehen

Daran anknüpfend hat Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf das dialogische Geschehen der Katechese hingewiesen, denn das Argument für den Glauben verweise auf den Zeugen, mit dessen Zeugnis die Glaubwürdigkeit stehe und falle. Das neue Direktorium für die Katechese (2020) stelle daher das altkirchlich erprobte Katechumenat als Muster jeder Katechese in den Mittelpunkt. Immer gehe es zumindest um ein Katechumenat „im analogen Sinn“, so der Delegat des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung. Zentral sei dabei die liturgische Dimension, die im österlichen Charakter der Initiation wurzele. Mit Verweis auf die Theologie Walter Kardinal Kaspers stellte er die Identität der Theologie als „gedachter Liturgie“ heraus. Katechese müsse somit im mystagogischen Kontext stehen und aus der Liturgie ergebe sich mit ihren Primärsymbolen bereits eine Kriteriologie. Kritisch wendete sich Tebartz-van Elst gegen eine zunehmende Eventisierung, die mit einer Verdunstung des Glaubenswissens einhergehe.

Sinnfragen aufwerfen

Doch wie soll man die Sache anpacken?, fragte der Passauer Bischof Stefan Oster angesichts der geballten Ausführungen seiner Vorredner. Warum gelinge Katechese so selten? Oster sieht in einem „Primat der Begegnung“ den Schlüssel dazu, als Kirche ein anziehender Ort zu werden, in dem Sinnfragen aufgeworfen und Antworten aus dem Glauben gewonnen werden können. Man könne nur durch die Qualität der Beziehungen evangelisieren. „Sie lieben dich mehr, als sie dich brauchen“ müsse dabei Maxime aber auch Anfrage bei der Gewissenserforschung sein, um dem Anschein geistlicher Manipulation vorzubeugen, der der Seelsorger ausgesetzt sei. Ein wesentlicher Mangel in der heutigen Lage sei, dass die substantielle Bedeutung des Gebetes kaum mehr erkannt werde.

In einer anschließenden Fragerunde wurden Zuschauer und Zuhörer aus dem ganzen deutschen Sprachraum eingebunden. Wie können Eltern und Katecheten auf ihre Aufgabe vorbereitet werden?, wurde ebenso diskutiert wie über die Notwendigkeit, dass Kinder ihre Eltern als betende Menschen erlebten. Oster mahnte an, eine Menschenfurcht sei zu überwinden; es müsse mit einer Hermeneutik des Wohlwollens jungen Menschen mit kritischen Fragen begegnet werden. Tebartz-van Elst brachte es mit der Maxime auf den Punkt: „Was Mut kostet, macht Mut!“.


Das öffentliche Symposion „Katechese und die Herausforderungen heute“ wurde durch Fundatio Christiana Virtus e.V. (www.fundatio-christiana-virtus.de/) unterstützt und von EWTN  und Radio Horeb übertragen.

 

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