Marienfried

Wie die Gebetsstätte Marienfried vor der Pleite gerettet wurde

Gottes Antwort auf unsere Bitten übertrifft oft unsere kühnsten Erwartungen. Auch dann, wenn einmal 100.000 Euro fehlen. Über eine unerwartete „bischöfliche“ Unterstützung für die Gebetsstätte Marienfried.
Gebetsstätte Marienfried
Foto: Wallfahrtsdirektion Marienfried | Als Pfarrer Oblinger seinen Dienst in Marienfried antritt, steht die Gebetsstätte kurz vor dem finanziellen Aus. Doch es gibt Wunder.
Georg Alois Oblinger
Foto: Fotostudio Jacobs (http://www.foto-jacobs.de) | Wallfahrtsrektor Georg Alois Oblinger.

In einem Jahr ist Marienfried pleite.“ So sagte mir der Vorsitzende des Marienfried-Vereins bei unserem ersten Treffen. Das war kurz nachdem ich zum Rektor dieser Gebetsstätte ernannt wurde und noch vor meinem dortigen Dienstbeginn. Die laufenden Personalkosten und die Kosten für den Unterhalt des weitläufigen Geländes haben seit Jahren ein regelmäßiges Defizit verursacht, das nur aufgefangen werden konnte, indem man auf Rücklagen zurückgriff, die in den achtziger und neunziger Jahren gebildet wurden, die nun allerdings bald aufgebraucht waren.

Sparmaßnahmen waren unumgänglich

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Dass Sparmaßnahmen eingeleitet werden mussten, war unumgänglich. Viele Wochen lang haben wir intensiv geschaut, wo wir einsparen können. Jeder Wartungsvertrag wurde genau angeschaut, ob er unbedingt nötig war. Beim Personal haben wir uns bei jeder Neueinstellung gefragt, ob der bisherige Stundenumfang weiterhin erforderlich ist oder ob hier gekürzt werden kann. Doch auch auf die Unterstützung durch die Diözese musste ich bauen. Tatsächlich wurden hier auch manche Zuschüsse bewilligt, vor allem für das Personal im direkt kirchlichen Bereich. Als ich der Diözese sagte, ich bräuchte noch weitere 100.000 Euro, um das Defizit aufzufangen, musste ich allerdings ein „nein“ hören. Diesen Betrag müssten wir selbst aufbringen. Können wir noch weitere Sparmaßnahmen einleiten? Müssen wir Kündigungen vornehmen? Müssen wir Grundstücke oder Gebäude veräußern? Sollen wir unsere Preise anheben? Wird dann aber noch jemand kommen? Sollen wir einen großen Spendenaufruf starten? Das waren die Fragen, die mich plagten. Mir und meinen Mitarbeitern bereiteten diese Sorgen manch unruhige Nacht.

Dann kam die monatliche Sühnenacht, die im Gebetsleben Marienfrieds immer einen besonderen Höhepunkt darstellt. Als Prediger kam diesmal Pater Karl Wallner aus dem Zisterzienserkloster Heiligenkreuz. Er hat in Marienfried seine Berufung gefunden und kommt deshalb immer gerne an diesen Gnadenort. Diesmal predigte er über das Bittgebet. Er sagte, wir trauen uns oft nicht, von Gott noch irgendetwas zu erbitten; vor allem sollen wir wirklich Großes von Gott erbitten. Als Beispiel erzählte er, wie er zu einer Zeit, als Heiligenkreuz fast keine Neueintritte mehr hatte, mit intensivem Bittgebet begonnen hatte. So hat er Gott für das folgende Jahr um zehn Neueintritte im Kloster Heiligenkreuz gebeten. Tatsächlich: Das Unwahrscheinliche geschah und es kamen dann sogar elf Neueintritte. Gott ist nie kleinlich; er übertrifft sogar noch unsere kühnsten Erwartungen.

Gott wird die Gebetsstätte am Leben erhalten

Das machte mir Mut. Ich durfte nicht nur auf wirtschaftliche Pläne vertrauen, sondern musste mein Vertrauen stärker auf Gott richten. Marienfried ist ein Ort der Gnade. Hier erleben die Pilger Gottes Hilfe und den Beistand der Gottesmutter Maria. Gott will diese Gebetsstätte und wird sie am Leben erhalten. Davon war ich überzeugt. So betete ich also, dass sich auch für unser finanzielles Problem eine Lösung auftut. Immer noch fehlten 100 000 Euro. Schon kurz darauf erhielt ich die Nachricht, dass eine unserer treuen Marienfried-Pilgerinnen gestorben ist. Sie heißt Frau Bischof und hat uns in ihrem Testament mit 120.000 Euro bedacht. Da war also die „bischöfliche Unterstützung“, um die ich gebeten hatte. Und wieder einmal wurde sichtbar: Gott ist nicht kleinlich und übertrifft alle unsere Erwartungen.

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