Würzburg

Traumberuf: Priester

Pfarrer Sebastian Krems träumte schon als Kind davon, Priester zu werden – trotz evangelischer Erziehung. Bei seiner Familie stieß der Entschluss, Priester zu werden, auf Befremden. 
Heilige Messe
Foto: Gerhard Seybert (42489433) | Noch Protestant, fühlt sich Sebastian Krems an gezogen von der katholischen Messe, "mit allem, was dazu gehört: Großer Einzug, Ministranten, Weihrauch, Orgelmusik".

Den Glauben verkünden, Sakramente spenden und für die da zu sein, die jemanden brauchen“, definiert Sebastian Krems seine Aufgabe als Priester. Pfarrer: Das war schon sein Berufswunsch in der Grundschule. Als andere Kinder Feuerwehrmann oder Krankenpfleger werden wollten, war es bei ihm neben „Lokomotivführer“ der Priesterberuf. Der gebürtige Pforzheimer ist zusammen mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester bei der Mutter aufgewachsen – im evangelischen Glauben. „Es war eine glückliche Kindheit, auch da die Großeltern immer in der Nähe waren“, erinnert sich der heute 45-Jährige.

Die katholische Messe fesselte den Protestanten

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1998 hat Sebastian Krems sein Jurastudium in Würzburg begonnen. Direkt beim Umzug habe er sich als Lutheraner nach einer neuen Kirche für den sonntäglichen Gottesdienst umgesehen. An einem Sonntag aber war es anders: „Ich bin am Morgen in den Würzburger Dom gegangen, wo der Bischof einen festlichen Gottesdienst gefeiert hat. Mit allem, was dazu gehörte: Großer Einzug mitsamt Domkapitel, Ministranten, viel Weihrauch und Orgelmusik.“ Beeindruckt davon, „musste ich mich einfach mit dem Katholischen beschäftigen.“ Während dieser Zeit war er jeden Sonntag im Würzburger Dom und feierte interessiert die Messe mit.

Eigentlicher Berufswunsch: Politiker werden im EU-Parlament

Der nächste Schritt schien logisch und unausweichlich – Sebastian konvertierte 2002. Wie sein Umfeld darauf reagierte? „Den meisten, denke ich, war es egal. Für meine Familie war es eigenartig“, sagt er rückblickend, „aber da ging es wohl eher um Tradition als um Inhalt.“
In dieser Zeit dachte Sebastian Krems nicht im Entferntesten daran, wirklich einmal als Priester am Altar zu stehen. „Ich wollte nach meinem Studium Berufspolitiker werden und als Mitglied der Paneuropa-Union ins Europaparlament“, lautete sein fester Entschluss. Wäre da nicht diese tiefe Sehnsucht, die ihn auf dem Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela führte. Danach wusste er: ab ins Seminar! Dort lernte er in Gemeinschaft mit anderen Seminaristen, was ein Leben als Priester bedeutet. Der Alltag im Seminar war auch geprägt von intensivem Studieren und Kennenlernen verschiedener priesterlicher Lebensweisen. Bereits bei der Diakonenweihe habe sich sehr viel verändert: „Man ist plötzlich Klerus, untersteht nicht mehr dem Regens, dem Leiter eines Priesterseminars, sondern dem Bischof und verspricht ein Leben, geprägt von Gehorsam, Gebet und Zölibat.“

Vor seiner Priesterweihe im Jahr 2014 war Krems „nicht ganz so aufgeregt, weil da dann irgendwie alles klar war.“ Anders war es bei seiner Primiz in der Klosterkirche der Erlöserschwestern in Würzburg: Es war die erste heilige Messe überhaupt und „vor mir saßen neben der Familie lauter Expertinnen.“ Wären da nicht die Konzelebranten und die Ministranten aus Studentenverbindungen und Seminar sowie der Zeremoniar – sie gaben dem Neupriester innere Ruhe und Gelassenheit. Sein Primizspruch lautete: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet“ (Matthäus 7,7-8). Sein Vizeprimizspruch ist der Ausruf von Papst Johannes Paul II.:  „Habt keine Angst! Reißt die Tore weit auf für Christus!“.

"Die Kirche muss heutiger werden"

Sebastian Krems möchte Priester für die Menschen sein – für sie lebt er und ihnen verkündigt er die Frohe Botschaft. Und was ist mit seinem persönlichen Alltag? Stundengebet, die Feier der Heiligen Messe und der Rosenkranz haben darin ebenso viel Platz wie der Schulunterricht und Seelsorgegespräche. Man trifft ihn häufig auch im Beichtstuhl. Zu diesem Alltag gehört außerdem, Freunde zu treffen und seinen Hobbys wie Kochen, Musik und Lesen nachzugehen.
Fragt man ihn nach der Zukunft der Kirche in unsicheren Zeiten von Synodalem Weg und steigenden Kirchenaustrittszahlen, so ist Krems der Meinung, dass „Kirche heutiger werden muss.“ Nicht aber in ihren Positionen, sondern in der Art und Weise, wie sie diese Positionen nach außen trägt. „Verkündigung geschieht längst nicht mehr nur in der Kirche. Facebook, Instagram und Co. – eine neue Herausforderung für unsere Bischöfe!“ Kirche brauche eine geeignete Sprache, um mitreden zu können bei Themen, welche die Menschen bewegen.

Die Kirche habe die Fähigkeit verloren, bei den Menschen zu sein, weil „sie auf Fragen der Menschen in einer fremden Sprache oder gar nicht antwortet, aber Fragen beantwortet, die keiner gestellt hat.“
Sebastian Krems steht für eine Kirche, die bei und unter den Menschen ist. Er lebt das Priester-Sein mit Herz und Überzeugung und ist der Meinung: „Kirche braucht gläubige Menschen, die in ihr und für sie arbeiten, denn: Was man selbst nicht hat, kann man nicht weitergeben.“

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